WIN-WIN oder Winning Happening

Welche Rolle spielt das Prinzip von WIN-WIN in meinem Business?

Dieser Artikel entsteht im Rahmen einer Blogparade, zu der Frank Albers, Betreiber von einfach-effektiv, eingeladen hat. Vielen Dank an Frank für die Idee.

Die Fragen, die Frank an die teilnehmenden Blogger stellt:

  1. Was bedeutet für Dich WIN-WIN?
  2. Wie sieht bei Dir das Verhältnis von Geben und Nehmen aus?
  3. Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht?

OK, here goes…

WIN-WIN als Prinzip

Für mich bedeutet WIN-WIN, dass beide Seiten bei einer Transaktion gewinnen.

Dies ist das Prinzip jeder funktionierenden Wirtschaft, denn ich gehe einen freiwilligen Handel nur ein, wenn ich dabei gewinne. Und die andere Seite wird den Handel freiwillig auch nur dann eingehen, wenn sie dabei gewinnt.

WIN-WIN durch Arbeitsteilung

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Brian May Red Special

Wenn ich eine schöne E-Gitarre möchte, würde es ca. 10 Jahre dauern, sie selbst zu bauen.

Physik-Genie Brian May hat mit seinem Vater, ein Elektronik-Ingenieur, immerhin 18 Monate gebraucht. Die beiden haben eine sensationelle Gitarre hinbekommen, deren Sound einzigartig und legendär ist.

Wenn ich das versuche, käme nach 3 Jahren wahrscheinlich etwas heraus, das klingt wie ein Pappkarton mit Gummibändern drauf, plus elektrischem Summen.

Vermutlich würde ich mir selbst elektrische Schläge versetzen und mich am Lötkolben verbrennen.

Die Leute von Gibson, Ibanez und Fender (meine Lieblingsmarken für E-Gitarren) können in ein paar Stunden / Tagen eine großartige Gitarre bauen.

So profitiere ich von der Erfahrung der Gitarrenbauer, und die wiederum profitieren von meinem Kaufentgelt.

Schon mal versucht, selbst ein Auto zu bauen oder ein Flugzeug?

In der arbeitsteiligen Gesellschaft profitieren wir alle davon, wenn jemand anders etwas besser kann als wir und umgekehrt.

WIN-WIN im Netzwerken

Beim Netzwerken habe ich immer wieder darauf geachtet, wie ich hier und da kleine Gefallen tun kann.

Ich höre etwas von einem Controlling-Projekt, das ich gerade nicht bedienen kann und empfehle einen Kollegen.

Jemand sucht Konzerttickets, und ich stoße zufällig auf ein günstiges Angebot.

Also die ganz normale Nachbarschaftshilfe.

Mit diesem Artikel gewinne ich eine Inspiration für ein Artikel-Thema und erhalte so wieder Stoff für meinen Blog. Frank Albers erhält einen Link auf seinen ziemlich guten Blog. So haben wir beide einen kleinen Gewinn.

Verhältnis von Geben und Nehmen

Insgesamt habe ich manchmal den Eindruck, dass ich aus meinem Netzwerk bisher mehr herausbekommen habe als hineingegeben.

Dazu gehören etwa eine Gratis-Urlaubsreise in einen exclusiven Club auf Djerba, mehrere Besuche in sehr teuren Wellness-Resorts und kostenlose Teilnahme an interessanten Seminaren.

Der Kreis des Gebens

Wie an anderer Stelle beschrieben, manchmal ist es so, dass ich jemandem etwas Gutes tue, der gerade nichts zurückgeben kann.

Dann bekomme ich von anderer Stelle etwas zurück, wo ich wiederum nichts oder nur wenig gebe.

Wenn ich als Wirtschaftsdozent unterwegs bin, treffe ich manchmal auf sehr begabte Teilnehmer, und mitunter fällt das zeitlich zusammen mit einer Job-Anfrage, wie ich sie ein- bis zweimal im Jahr erhalte. Dann empfehle ich die betreffende Person, zuletzt für eine leitende Position im August 2016.

Weil ich vor 30 Jahren mal jemandem einen kleinen Gefallen getan habe, bin ich über das Jahr 2016 damit beschäftigt, eine CD mit eigenen Songs in einem professionellen Musikstudio aufzunehmen, mit einem erfahrenen Top20-Produzenten, der auch wirklich engagiert mitarbeitet, ohne dass es mich einen Cent kostet.

Andererseits habe ich bei einigen Gelegenheiten sehr intensiv unterstützt und dafür von der anderen Seite wenig erhalten.

In der Summe fühle ich mich auf der Gewinnerseite.

Schlechte Erfahrungen

Wie schlecht ist schlecht?

Was mich persönlich etwas genervt hat: Als ich um 2006 herum recht solide im Interimsmanagement etabliert war, habe ich ein paar Leuten geholfen, sich dort auch zu etablieren.

Die meisten davon haben sich ordentlich revanchiert. In einem Fall fand ich das Payback sehr dürftig und sprach das auch an, was mit einem Schulterzucken quittiert wurde.

Auch das kein großes Drama; inzwischen habe ich in der Summe aus meinem Netzwerk sehr viel mehr zurück erhalten.

Matching will auch gelernt sein

Was keine wirklich „schlechte“ Sache ist, nur gut gemeint und weniger gut gemacht:
Manchmal wird in meinem Netzwerk versucht, Interessen zusammen zu bringen nur über Stichworte.

So sehe ich eine Empfehlungs-Mail auf XING „Sie suchen Vertriebscontrolling, Herr Meneikis bietet Vertriebscontrolling. Nehmen Sie doch Kontakt auf.“

Sehr gut gemeint. Nur suchte die betreffende Person keinen freiberuflichen Vertriebscontroller, sondern suchte eine Festanstellung im Vertriebscontrolling, die ich nicht bieten kann.

Eine andere Schiene ist, dass ich gebeten werde, bestimmte Empfehlungen auszusprechen.

Coaches sagen, zutreffenderweise, wenn die Zahlen des Unternehmens nicht so gut sind, liegt das ja eher an den Menschen als an den Zahlen. Also soll ich sie doch an das Unternehmen empfehlen.

Abgesehen davon, dass ich die Ergebnisse von Coaching etwas pessimistischer sehe als viele Coaches, bin ich bei den meisten meiner Kunden gar nicht in der Position, einen Coach zu empfehlen.

Ebenso mit Software. Wie oft bin ich mit Software-Migration befasst? Einmal pro Jahr. Wie oft werde ich nach meiner Meinung für die Auswahl der Software gefragt? In knapp 20 Jahren bisher zweimal. Für Softwarehäuser bin ich da also auch keine große Hilfe.

Ein Schritt weiter: Winning Happening

In den 1990er Jahren lernte ich von Trainer Clint Callahan eine Erweiterung des WIN-WIN-Prinzips.

Beim Winning Happening“ verhalten sich alle, die mitmachen wollen, einfach so, dass dem System als Ganzes der größte Gewinn entsteht.

Ich denke also nicht nur an eine einzige Transaktion, sondern an den Prozess und das System als Ganzes, wenn ich handle oder eine Handlung unterlasse.

Und woher weiß ich, was für das Gesamtsystem „gut“ ist?

Darauf habe ich keine einfache Antwort. Das ist ein vielschichtiger Lernprozess.

CODA

Ich netzwerke mit gegenseitigem Gewinn, so gut ich es verstehe und so gut ich kann.

Das geht mal besser und mal schlechter. Jetzt, im Sommer 2016, netzwerke ich offline gerade recht wenig, dafür online etwas mehr.

Die Einladung zu dieser Blogparade steht bis zum 30.09.2016. Siehe auf dem Blog von Frank Albers:
http://www.einfach-effektiv.de/blogparade-win-win-geben-und-nehmen

 

Artikelbild: Ausschnitt aus “Happy Lovers” von J.H. Fragonard, Public Domain

Bild der Brian May Red Special: openclipart

 

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Comments

  1. Lieber Alexander,

    ich freue mich, dass du an meiner Blogparade teilgenommen hast. Das du es geschafft hast, einen solch langen und inhaltlich wertvollen Beitrag zu leisten zeigt, dass du dein Zeit- und Selbst-Management im Griff hast ;-).

    Wie du schreibst, bekommt man nicht immer etwas zurück. man wird auch enttäuscht, aber die positiven Erfahrungen überwiegen auch bei mir.

    Liebe Grüße

    Frank

  2. Hallo Alexander,

    Ein schöner Beitrag zur Blogparade. Ich habe eben auch meinen Beitrag eingereicht. Das mit dem Winning Happening finde ich sehr spannend. Auch wenn es vielleicht nicht so einfach ist, auf die Nachkommastelle genau zu ermitteln, was für das System am besten ist, so wäre es vermutlich schon ein Quantensprung in Richtung Optimum, wenn jeder nur versuchen würde, das Optimum zu erraten und sich dann auch daran halten würde.

    In der Realität sieht man ja leider eher Menschen, die zwar theoretisch wüssten, was für das System gut ist, die diesen Weg aber nicht gehen, weil sie fürchten, dass sie dann von den anderen Teilnehmern ausgenutzt werden.

    Viele Grüße und noch einen schönen Sonntagabend,

    Jan

    • Hallo Jan, danke für Deinen Kommentar. Ich benutze gar keine höhere Mathematik in meinem Netzwerk. Wenn ich jemandem einen Gefallen tun kann, dann tue ich es einfach. Von irgendwo kommt dann immer etwas zurück.

  3. Hallo Alexander,
    diese Erfahrung, dass man immer etwas zurück bekommt aber nicht notwendigerweise aus der Richtung, in die man gegeben hat, habe ich auch gemacht und in meinem Blogbeitrag zur Parade beschrieben.

    Vielen Dank für Deine interessante Einsicht – ich freue mich, einen Gleichgesinnten gefunden zu haben. 🙂
    Beste Grüße
    Birgit

    • Hallo Birgit, danke für Deinen Kommentar. Besonders gut gefällt mir Deine Formel “Während Du auf Hilfe wartest, hilf einfach anderen.” Genau so funktioniert das ausgezeichnet.

  4. Hallo Alex,

    danke für diesen praktisch-orientierten sehr greifbaren Artikel. Auch gefällt mir der Begriff “Winning Happening” gut, den ich auch zum ersten Mal lese. ich stell mir das eher als sozialen Vertrag, quasi gegenseitiges Commitment vor, was eher für die Bereitschaft steht sich nicht hinterrücks zu erstechen! 😀

    Frage am Rande: Wofür steht CODA?

    Grüßken, Yasemin aka weltenbewegerin.

    • Hallo Yasemin, vielen Dank für Deinen Kommentar. Der Begriff “Winning Happening” wurde meines Wissens von Clint Callahan oder Jim Zarvos geprägt (die beiden hingen damals eine Weile zusammen ab) und ist leider nie sehr bekannt geworden.
      Sich gegenseitig nicht zu erstechen reicht da nicht aus. Mehr noch als das Versprechen, sich gegenseitig nicht zu schaden, nützen sich alle gegenseitig, mit oder ohne Absprache.
      Eine Coda ist so etwas wie ein angehängter Schlussteil. Der Begriff findet sich in der Musik und in der Literatur.

  5. Hallo Alex,

    ein wunderbarer Artikel und der Einstieg mit der Gitarre gefällt mir am Besten.
    Knapp dahinter rangiert der Kreis von Geben und Nehmen.

    Manchmal kommen meine Geschenke auf verschlungenen Pfaden zu mir zurück.

    Viele Grüße,
    David

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