Wie Talent Ihr Leben ruiniert und wie Nichtbegabung Ihr solides Fundament baut

Talent macht faul. Nichtbegabung macht fleißig.

„You are what you settle for.“
– Janis Joplin –

„Entweder Du übst und wirst besser, oder Du wirst schlechter. Fähigkeiten, die nicht geübt werden, zerfallen.“
– Osvaldo Pena, Coach –

Sie glauben nicht, dass Talent Ihr leben ruiniert?

Talent macht Dinge manchmal zu einfach. Nichtbegabung macht Dinge schwierig, erfordert Übung und Arbeit und erzeugt darüber häufig bessere Ergebnisse.

Als ich jung war, so mit 16-17, galt ich in vieler Hinsicht als talentiert. Insbesondere sprachlich, psychologisch und musikalisch und als Führungskraft.

Sprachlich talentiert bin ich tatsächlich. Musikalisch und psychologisch nicht.

Die Menschen um mich herum waren musikalisch und psychologisch nicht sehr entwickelt. Dadurch wurde ich der auf einem Auge halbblinde König unter den Vollblinden, und sie hielten mich für begabt.

Mein Führungsverhalten ist wahrscheinlich mittelmäßig, da bin ich nicht sicher.

Mit keinem dieser Talente habe ich in der Summe mehr als 10.000 EUR verdient.

Warum? Weil ich die Arbeit nicht investiert habe. Ich habe nicht geübt und meine Fähigkeiten nicht ausgebaut und verfeinert.

Barbara-Krafft_Wolfgang-amadeus-mozart_PD KopieIn der Schule fiel mir vieles sehr leicht. In der Grundschule sowieso. Mit dem Lesebuch fürs erste Schuljahr war ich nach drei Wochen durch.

Auf unserem norddeutschen easy-going-Gymnasium konnte ich im Abitur einen Einser-Durchschnitt halten, ohne viel zu tun und ich machte nur dann Hausaufgaben, wenn sie mich interessierten (fast nie) oder wenn es nicht mehr anders ging (selten).

So gelangte ich zu der Einstellung, ich muss nichts tun, mir fällt alles zu. Später im Leben waren dann manche Dinge nicht mehr so einfach.. Das fand ich „voll ungerecht“ und ich verstand gar nicht, warum ich auf einmal etwas tun musste.

Und wie kam dann die Nichtbegabung ins Spiel?

Geld verdiene ich mit Dingen, für die ich anfangs wenig Begabung hatte.

Viele Dinge, mit denen ich heute Geld verdiene, waren Dinge, die ich nie tun wollte. Aber das Leben packte mich immer wieder am Nacken und schleuderte mich in Situationen, in denen ich diese Dinge tun musste, um wirtschaftlich zu überleben.

Ich konnte nicht verkaufen. Meine Einschätzung war früher, ich könnte keinen Zehnmarkschein für fünf Mark verkaufen. Ich hatte aber keine Wahl. Als ich mich selbständig machte, gab es noch nicht so viele Vermittlungs-Agenturen für Controller wie heute. Ich war gezwungen, mich selbst zu verkaufen.

So kam ich dazu, immer wieder meine Selbstvermarktung zu üben und zu üben und zu üben. Ich nahm Dutzende Stunden Coaching und Supervision, besuchte Seminare, las Bücher, und vor allem wendete ich das Gelernte ständig an.

So wurde ich immer besser in meiner eigenen Selbstvermarktung und fand einige Schlüssel, die mich zu lohnenden Ergebnissen führten.

Einige Jahre später verfasste ich einen Audio- und PDF-Kurs über Selbstvermarktung als Freiberufler und hielt eigene Seminare an Handelskammern und Existenzgründer-Schulen. So kam ich trotz gnadenloser Unbegabung auf diesem Gebiet zu Geld – durch Üben und Anwenden.

Für Jahrzehnte habe ich versucht, attraktiv auf Frauen zu wirken und aktiv welche abzuschleppen. Ich habe ein Vermögen für Bücher und Seminare zu dem Thema ausgegeben, war unterwegs in Bars, Discos und Einkaufszentren und habe Gespräche begonnen, buchstäblich tausende davon, ohne Übertreibung. Wie viele davon führten zum gewünschten Erfolg? Genau null.

For the record: Ich habe in meinem gesamten Leben keine einzige Frau abgeschleppt. Ich war immer wieder die tragische Figur, die am zur Sperrstunde mit den letzten Glassplittern und runtergefallenen Wollfusseln hinausgefegt wurde.

Woher kamen die (mehr als 2) heißen Frauen, die dann doch in mein Leben gelangten?

Keine einzige durch meine Initiative. Die kamen alle von sich aus. Und nein, ich meine hier NICHT die in den farbenfrohen Skianzügen. Ich meine gratis und unverbindlich.

Aus irgendeinem Grund kommen immer wieder Frauen in mein Leben, manche davon ziemlich attraktiv.

Wahrscheinlich aus Mitleid.

Aber was habe ich gelernt? Ich habe viel über Kommunikation, Präsentation und Austausch gelernt. Ich habe gelernt, Karaoke zu singen (wenn auch schlecht) und zu jedem beliebigen Thema eine Unterhaltung zu beginnen.

All das durch den Beginn von etwas, wofür ich absolut überhaupt kein Talent habe. Zur Kommunikation mit Frauen bin ich derart tragisch untalentiert wie man nur sein kann. Dagegen ist Commander Data eine Ikone an Charme und Einfühlsamkeit.

Habe ich jetzt gelernt, Frauen abzuschleppen? Kein bisschen. Wenn ich meine bisherige Lernkurve weiter rechne, schätze ich, dass ich frühestens in 325 Jahren mit gewünschten Ergebnissen rechnen kann.

Aber ich habe sehr viel anderes gelernt, für das ich auch keine Begabung habe.

Auf diesem Wege hat Nichtbegabung mir ein solides wirtschaftliches Fundament geschaffen.

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