Welche Opfer bringe ich für meine Selbständigkeit?

Dieser Artikel ist Teil einer Blogparade, zu welcher der Hersteller der Sage-Unternehmenssoftware aufgerufen hat.

Auf die Aktion gebracht wurde ich durch den Beitrag von Peer Wandiger.

Der offizielle Link zur Blogparade: http://blog.sage.de/blogparade-welche-opfer-bringen-sie-fuer-ihren-unternehmenserfolg/

Welche Opfer habe ich also gebracht, um meine Selbständigkeit aufzubauen, und welche bringe ich weiterhin, um meine Selbständigkeit zu erhalten?

Mir fallen dazu folgende Stichworte ein:

  1. Perspektive des Kunden
  2. Arbeitszeiten
  3. Urlaub
  4. Krankheit
  5. Originelles Verhalten auf Kundenseite
  6. Persönliche Herausforderungen

Generell treffen viele der folgenden Aussagen auch auf eine verantwortliche und engagierte Position als Angestellter zu, wenn man die Kollegen im Unternehmen als interne Kunden betrachtet.

Als Selbständiger hat man lediglich mit mehr Aspekten des eigenen Unternehmens zu tun, weil man selbst alle Abteilungen verkörpert.

Perspektive des Kunden

Generell ist das erste Opfer, dass ich auf meine eigenen Sichtweise und Schwerpunkte weniger Wert lege als auf die des Kunden.

Ich passe mich ein Stück weit dem Kunden an und gebe eventuell ein Stück von mir selbst auf, in jedem Fall einen Teil meiner persönlichen Meinungen, Vorlieben und Bequemlichkeiten.

Arbeitszeiten

Ganz klar: Als Selbständiger arbeite ich mehr Stunden, zumal ich mich auch um mehr Dinge kümmern darf. Kundengewinnung, Buchhaltung, Steuern, usw.

Vom Selbständigen wird dies auch erwartet. In meiner häufigsten Rolle als externer Experte ist es klar, dass ich an einem Problem arbeite, bis es gelöst ist, und nicht nur bis 17 Uhr.

Urlaub

Zur Erinnerung: Urlaub ist dieses Dingens, wo man mehrere Tage hintereinander nicht arbeitet und manchmal an einen anderen Ort reist.

So etwas war in den ersten Jahren natürlich nicht drin. Meinen ersten wirklichen Urlaub, 3 Wochen auf Gran Canaria, habe ich mir im Jahre 2007 geleistet.

In jedem Fall richte ich meinen Urlaub nicht nach meinen persönlichen Wünschen oder nach den Schulferien, sondern nach den Zeitplänen meiner Kunden. Das heißt auch, ich komme nicht immer an meine gewünschten Reiseziele, wenn es dort am günstigsten ist.

Krankheit

Kranksein ist schlicht verboten. Krank ist nicht. Dank einigermaßen vernünftiger Ernährung und etwas Bewegung werde ich auch selten krank. Aber ich war auch schon einmal mit Fieber beim Kunden.

Mit 34 ist das auch nicht so ein Problem, aber jetzt wäre es wohl eines.

Mit Bauchschmerzen oder Erkältung bleibe ich sicher nicht zuhause.

Originelles Verhalten auf Kundenseite

Jeder, der mit anderen Menschen zu tun hat, wird mit einem gewissen Maß an Neurose und gelegentlichem Irrsinn konfrontiert.

Als Selbständiger bekomme ich oft die etwas größere Portion, da mir die Mitarbeiter des Kunden in mehreren Funktionen begegnen – dadurch treffe ich auch eine größere Anzahl Menschen: Budgetinhaber, Kollegen, Unterstützer, Auftraggeber, usw.

Die meisten davon sind sehr angenehm. Gelegentlich aber verhalten sich einige wenige dieser Menschen sehr originell. Sie halten Absprachen nicht ein, kommunizieren Halbwahrheiten, treffen nicht nachvollziehbare Aussagen zu offenen Rechnungen, kommen zu Bewertungen ohne Einbeziehung von Tatsachen, usw.

Als Selbständiger erhalte ich davon eine etwas höhere Dosis als der Durchschnittsmensch.
Theoretisch kann ich als Selbständiger weggehen, wenn mir etwas nicht passt. Real und praktisch dagegen gehe ich damit um, insbesondere, wenn ich in der jeweiligen Branche nochmals arbeiten möchte.

Persönliche Herausforderungen

Der schwierigste Teil für mich war seinerzeit, nicht nur zu Netzwerk-Veranstaltungen zu gehen, sondern dort auch tatsächlich am sozialen Austausch teilzunehmen. Ich fand es sehr schwierig, Kontakt aufzunehmen und dann auch noch wirkliche Unterhaltungen zu führen.

Das Opfer war für mich, mein gemütliches Zuhause zu verlassen und mich mit echten Menschen zu unterhalten. Das musste ich erst lernen.

Sehr viel leichter wurde es, als ich feststellte, dass der beste Weg ist, mich einfach so normal wie möglich zu verhalten und dass ich nichts Außergewöhnliches tun oder sein muss.

Inzwischen hat sich das alles eingespielt, und ich habe dadurch auch persönlich wie wirtschaftlich gewonnen, aber damals war das ein Feuerlauf.

Fazit

Als Selbständiger bewege und dehne ich mich mehr als in einer Angestellten-Rolle. Ich verzichte auf einen Teil Sicherheit. Ich lerne mehr dazu als die meisten Angestellten in vergleichbarer Zeit.

Ist es das wert? Für mich schon.

Bild: Maryam62

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Comments

  1. Hi Alexander,
    ich sehe die Anstrengungen auch nicht als Opfer – für mich wäre es eher ein Opfer die Selbständigkeit aufzugeben 🙂

    http://das-unternehmerhandbuch.de/2015/12/31/opfer-bringen-fuer-den-unternehmenserfolg/

    Viele Grüße
    Heike

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