Unternehmertum nach eigenen Regeln: Premium-Cola

Premium-Cola
Premium-Cola macht keine Werbung und keinen Hype. Es hat auch kein besonders auffälliges Design.

Ein sehr spannendes Unternehmen, das mir im Juli 2016 zufällig über den Weg lief, ist Premium-Cola.

Warum zufällig?

Premium-Cola macht keine Werbung und keinen Hype. Es hat auch kein besonders auffälliges Design.

Die Corporate Identity ist weiße Schrift auf schwarzem Untergrund. Sehr schlicht und klassisch. Schwarz ist cool.

Das Unternehmen veranstaltet keine Events, hat keine Promotion-Girls (oder –Boys), schaltet keine Anzeigen, macht kein Aufhebens um sich.

Die ganze Attitüde ist erfrischend bodenständig und unaufgeregt.

Leckere Getränke

Das Unternehmen gibt es seit November 2001.

Sitz ist in Hamburg zwischen den U-Bahn-Stationen Landungsbrücken und Baumwall.

Interessanterweise wurde bei meiner Google-Maps-Suche die Unternehmensadresse bereits vorgeschlagen.

Das Unternehmen begann mit einem Cola-Getränk. Erweitert wurde das Angebot noch um Premium-Bier. Beide Getränke werden nicht von Premium-Cola selbst hergestellt, sondern von Mölle Getränke in Nördlingen am anderen Ende des Landes, bei Augsburg.

Das Holundergetränk „Frohlunder“ und der Wachhalter „Muntermate“ werden in Kooperation mit anderen Unternehmen vermarktet.

Klar, kurz, knackig

Wer Premium-Cola findet, kann dort ausreichende Informationen über das Unternehmen finden. Er kann über eine Suchfunktion relativ schnell den nächstgelegenen Ort finden, wo er das Produkt kaufen kann.

Die Website ist vom Design her sehr einfach, aber hoch funktional und bietet das, was man von einer Website braucht, und das nach meinem Eindruck besser, freundlicher und übersichtlicher als die meisten Corporate-Webseiten.

Nach allem, was ich bisher recherchiert habe (Stand: 05. Juli 2016) ist das charakteristisch für das gesamte Unternehmen – alles ist hoch funktional und effektiv, aber ohne übertriebene Präsentation.

Lecker süß, auf Basis eines erfolgreichen Produktes

Der Cola-Sirup basiert auf dem Rezept der ersten Ausgabe von Afri Cola. Gründer Uwe Lübbermann war ein Fan der alten Rezeptur. Als diese geändert wurde, besorgte er sich das alte Rezept und kreierte auf dieser Basis Premium-Cola.

Spielen nach eigenen Regeln

„Wenn’s uns nicht passt, dann machen wir’s anders“. So würde ich die Einstellung von Gründer und Hauptlenker Uwe Lübbermann zusammenfassen.

Die Philosophie des Unternehmens ist, nichts zu verschleiern und nichts vorzuspiegeln, was nicht da ist.

Stattdessen wird sehr klar, nüchtern und unhysterisch beschrieben, was ist.

Kein Hype

Der Inhaber muss nicht zwanghaft recht behalten, die Tonart ist eher „Vielleicht ist es gut, vielleicht nicht – vielleicht halten wir, was unsere Ideale versprechen, vielleicht nicht – bilde Dir eine eigene Meinung…“

Also die einzig realistische Tonart. Die wohltönenden, trompetenden Versprechen vieler anderer Unternehmen, die bestenfalls übertrieben sind, werden hier nicht abgegeben.

Andersherum genauso: In dem Abschnitt über PR heißt es „Wahrscheinlich freuen wir uns über Ihr Interesse.“ Das bedeutet: Vielleicht auch nicht. Keine leeren Floskeln wie „Wir freuen uns über Ihren Besuch!“ Woher wollen Sie das denn wissen? Vielleicht bin ich ein Hacker-Troll oder ein Undercover-Journalist von der Konkurrenz…

Vollständig aus freien Stücken

Premium-Cola schließt keine schriftlichen Verträge, weder mit Lieferanten noch mit Abnehmern. Aber wie funktioniert dann die Zusammenarbeit?

Sie funktioniert auf freiwilliger Basis. Die Stakeholder – Lieferanten, Käufer, Mitarbeiter – bleiben freiwillig dabei, weil ihnen die Mitwirkung am Unternehmensprozess tatsächlich einen Gewinn bringt, nicht weil sie gezwungen werden oder weil ihnen etwas versprochen wird, das nie eintritt.

Wem’s nicht mehr passt, der geht. Das kriegen wir dann schon geregelt.

Das zwingt natürlich auch das Unternehmen, für alle Beteiligten attraktiv zu bleiben.

Lenkung über ein Kollektiv

Das Unternehmen wird, nach einer konzeptionellen Grundentscheidung, von einem Kollektiv gelenkt.

Jeder, der mit dem Produkt in Kontakt gekommen ist, wird als potenzieller Partner gesehen.

Auch dies eine realistische Sichtweise. Denn so ist es ja.

So gibt es sehr viele Beteiligte am Unternehmensprozess. Einerseits bedeutet das naturgemäß lange Diskussionen. Andererseits gilt auch hier, dass die meisten Menschen nur labern und nix machen, so dass man sich darum keine großen Sorgen machen muss.

Träume vom rosa Einhorn?

Begriffe wie „bewusst“, „konsensorientiert“ und „sozial“ lösen bei mir dezenten Alarm aus. In den meisten Fällen habe ich hinter diesen Begriffen Gebilde gefunden, die auf sehr wirklichkeitsfremdem Wunschdenken basierten, mit Ideen, die sich erstmal nett anhören, aber in der Wirklichkeit nicht funktionieren.

Wie Träume von Fabeltieren, die uns eine Welt voller Zuckerwatte (ohne Karies und Diabetes!) und Goldregen fliegen…

Nach meinen Eindrücken, insbesondere ein TEDx-Talk des Initiators Uwe Lübbermann, ist mein Eindruck, dass das Unternehmen sehr geerdet ist. Die beschriebenen Prozesse klingen mir sehr vernünftig.

Herr Lübbermann kennt sogar die Herstellkosten seiner Produkte, was viele CEOs nicht tun…

Darüber hinaus kennt er die Prozesse innerhalb seines Unternehmens.

Unter anderem beschreibt er einen Prozess, wie er auf realistische unternehmerische Weise dafür sorgte, dass ein Arbeiter mit vergleichsweise einfachen Aufgaben ein vernünftiges Arbeitsentgelt erhielt.

Risiken?

So weit für mich erkennbar, ist Premium-Cola ein Einzelunternehmen, keine Kapitalgesellschaft mit einer beschränkten Haftung.

Gerade im Bereich Lebensmittel liegt darin naturgemäß ein hohes Risiko. Ein Herstellfehler kann extrem teuer werden, ein formell-rechtlicher Fehler kann im deutschen Abmahn-Paradies auch schon viel kosten.

Gesundheit?

Was mir persönlich am Cola-Produkt nicht gefällt, ist, dass es Zucker und Koffein enthält, zwei Stoffe, die nicht primär dafür berühmt sind, die Gesundheit zu fördern. Bier mag ich sowieso nicht.

Niemand versucht mich zu zwingen oder zu manipulieren, die Getränke zu konsumieren. Was drin ist, steht drauf. Kann ich also eine eigene, informierte Entscheidung treffen.

Fazit

Ich finde, Premium-Cola sieht aus wie ein cooles Unternehmen.

Auf jeden Fall werde ich dort Kontakt suchen, um für mich selbst organisatorische und unternehmerische Ideen zu erhalten.

Auf die Gesundheit!

 

Titelbild: pixel2018

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