Reisen fast ohne Geld: Allgemeine Optionen

Reisen, fast ohne Geld
Reisen, fast ohne Geld

Jetzt, da die Welt trotz aller ihrer Konflikte und Krankheiten immer offener wird, wird immer mehr gereist. Immer mehr Menschen kommen immer weiter herum.

Das Reisen kostet immer weniger. Waren Transkontinentalflüge einst ein Privileg der Superreichen, so kann sie sich zumindest in Europa jetzt (Stand: April 2017) fast jeder leisten.

Auch hier entwickeln einige den Ehrgeiz, ohne Geld oder zumindest fast ohne Geld sehr weit zu kommen.

Näher betrachtet, sieht Vieles davon nur so aus als wäre es fast ohne Geld. Irgendjemand bezahlt fast immer in irgendeiner Form.

Welche Optionen gibt es zum Reisen fast ohne Geld?

Ich habe vier Grundstrategien identifiziert, in Kurzform:

  1. Schnorren
  2. Ressourcen gemeinsam nutzen
  3. Tauschen, direkt und indirekt
  4. Schnäppchen und Billigangebote

Das wäre es im Prinzip.

In den nächsten Wochen des Sommers 2017 wollen wir uns ausführlicher mit den einzelnen Punkten beschäftigen, aber hier zunächst Grundsätzliches.

Strategie 1: Schnorren

Schnorren ist eine alte Strategie und kann mich weit bringen, wenn ich es nicht übertreibe.

Ich erhalte etwas gratis, wofür andere bezahlt haben. Viele Menschen geben gerne etwas ab, wenn sie gerade viel haben.

Es ist also nicht wirklich nicht Reisen ohne Geld, es ist nur Reisen ohne MEIN Geld.

Die verbreitetste Form des Schnorrens auf Reisen ist das Fahren per Anhalter. Damit ist schon so Mancher sehr weit gereist. In manchen Staaten ist es illegal, also besser vorher informieren.

Der in der Ohne-Geld-Welt allgegenwärtige Raphael Fellmer ist mit zwei anderen Menschen über drei Kontinente gereist, fast ohne Geld, fast nur durch Schnorren, und hauptsächlich per Anhalter. Auf der Website forwardtherevolution.net haben sie die Reise dokumentiert, die am 19. Januar 2010 in Den Haag begann, über Nordamerika, Mexico, Südamerika und Afrika führte und 15 Monate andauerte.

Ich kann mich auf übrige Plätze von Bundesland-Tickets im Zug mitnehmen lassen.

Von Teilnehmern aus einem Seminar habe ich gehört, dass sie sogar mal im Privatjet von Arnold Schwarzenegger mitgeflogen sind, weil er zufällig gerade die gleiche Strecke vor sich hatte.

Manchmal darf man auf Schiffen kostenlos mitfahren.

Bei der richtigen Gelegenheit lässt sich fast alles schnorren.

Manche Menschen sind auch so angenehm und inspirierend, dass allein ihre Anwesenheit einen gewissen Tauschwert hat. Meine geliebte Frau ist so ein Typ.

Strategie 2: Ressourcen gemeinsam nutzen

So ähnlich wie Schnorren, nur dass ich etwas dazugebe.

Wenn ich im Auto mitfahre, biete ich grundsätzlich etwas Spritgeld an.

Vorgegebene Spritgeld-Anteile gibt es auf blablacar, wo ich schon viele interessante Mitfahrten hatte. Am 19.04.2017 waren für die verbleibende Woche sogar zwei Mitfahrten nach Kiew angeboten und eine nach Moskau, wobei in einem Fall allerdings ein Flug günstiger wäre, wenn man es gut erwischt.

Für den Fahrer ist es auch günstiger: Warum drei leere Sitze spazieren fahren, wenn er mindestens die Kosten wieder reinkriegen kann?

Auch bei den Gruppen-Zugtickets kann ich etwas dazuzahlen.

Bungalows und Ferienhäuser werden seit Langem geteilt.

Vom Flughafen aus habe ich mir öfter mit anderen ein Taxi geteilt.

Richard Branson kam auf die Idee mit Virgin Airlines, als er einen kleinen Jet charterte und Restplätze an andere verkaufte, die auch auf dem Flughafen festsaßen.

Strategie 3: Tauschen, direkt und indirekt

Traditionell gibt es zur See das Tauschmodell „Hand gegen Koje“. Man hilft jemandem beim Segeln und darf mitsegeln.

Bett und Essen gegen Arbeit, auch ein altes Modell.

Man kann Häuser oder Haustiere hüten und dafür gratis wohnen.

Ein etwas neueres Modell: Indirektes Tauschen im Kollektiv

Kurz nachdem der Film „Pay It Forward“ herausgekommen war, ein wunderschöner kleiner Film über menschliches Miteinander, stand ich in Los Angeles vor dem Busfahrer.

Das Glücksprinzip

Price: EUR 8,95

4.4 von 5 Sternen (149 customer reviews)

57 used & new available from EUR 1,95


In den Bussen bezahlte man damals den etwas absurden Betrag von USD 1.25, den man genau passend haben musste.

Einige andere Busfahrer hatten mit einer Mischung aus Amüsiertheit und dezentem Genervtsein zugesehen, wie ich Münzen aus meiner Geldbörse fummelte und in den Schlitz vor dem Fahrer warf.

Aber diesmal hatte ich einfach nur noch größere Scheine ab 20 USD. Damit kam ich nicht weiter. Und jetzt? Zehn Meilen zu Fuß? Und die Busse in Los Angeles fahren alle zwei Stunden oder so.

Ein etwas hippiemäßig aussehender großer schlanker Mann trat vor, warf den passenden Betrag für mich in den Schlitz und sagte zu mir: „Remember, you owe somebody!“

Das Konzept gefiel mir. Diesen Mann würde ich wahrscheinlich nie wieder sehen. Aber ich würde irgendwem anders ein Busticket oder etwas Ähnliches ausgeben.

Und so ähnlich funktionieren auch organisierte Kollektive wie couchsurfing oder servas: Ich stelle jemandem einen Schlafplatz zur Verfügung, der mir nicht sofort und direkt etwas zurückgibt. Aber er gibt jemandem anders etwas weiter.

Ebenso erhalte ich meinerseits einen Schlafplatz, ohne direkt etwas zurückzugeben.

Strategie 4: Schnäppchen und Billigangebote

Wer viel Zeit und Aufmerksamkeit investiert, kann sich Schnäppchen und Billigangebote heraussuchen.

Nicht alles, was günstig aussieht, ist es auch. So sind manche Fluglinien, die hier nicht genannt werden wollen, berühmt für Demütigung und Misshandlung ihrer Passagiere. Und auch deren Preise sind auf den ersten Blick zwar niedrig; oft kommen aber noch reichlich verschiedenste Zuschläge hinzu.

So flog ein Freund von mir mit einer irischen „Billig“-Airline, die hier aber nicht genannt werden will, von Hamburg nach Milano. Mit allen Zuschlägen zahlte er 480 EUR und erhielt das Flair eines Gefangenentransportes, nur dass die Uniformierten noch unfreundlicher waren. Mit der Lufthansa hätte er freundlicher für 300 EUR fliegen können, Gepäck inclusive.

Wer aber Zeit hat und vor allem flexibel ist, kann sich aber hier und da günstige Angebote heraussuchen.

Ich hatte auch mal Zugriff auf ein Kontingent besonders günstiger Tickets nach Los Angeles. Das war aber ein zeitlich begrenzter Glücksfall und hat nur zweimal funktioniert.

Wer will im Winter nach Norwegen oder zu Ostern nach Nordspanien? Genau. Das sind die jeweiligen Schnäppchen-Zeiten. Außerhalb der Saison, an unbeliebten Tagen.

Busfahren für Geizige

Ich bin ein paar Male mit Flixbus gefahren. Für manche Strecken finde ich das angenehm. Deutlich günstiger als Zug, dauert aber auch länger.

Ich bin auch mit einem anderen Busunternehmen in die Ukraine gefahren. Das Längste war die Passkontrolle an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine. Wenn man Zeit hat, geht das in Ordnung.

Günstig wohnen

Über airbnb habe ich mehrere Unterkünfte gebucht. An den meisten Zielorten gibt es eine reichhaltige Auswahl, und es ist günstiger als im Hotel.

Wer ein Hostel ertragen kann, ist da natürlich auch gut untergebracht.

Fazit zum Reisen fast ohne Geld

Das sind die grundlegenden Strategien zum Reisen fast ohne Geld. Darauf läuft es hinaus.

Es ist wie auf allen Märkten: Die schlaue Nachfrage sucht sich das beste Angebot.

Eine Top-Adresse:

Sehr gute, substanzhaltige Tips zum kostenlosen Reisen gibt’s auch auf der Seite von Journalist Peter Althaus, rooksack.

HAVE FUN!

 

Titelbild: Mariamichelle

 

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