Pro-aktive Kommunikation mit Ihrer Hausbank

bank_openclipart_vokimonBenötigen Sie ab und zu einen erhöhten Dispo oder ein Darlehen?

Wenn nicht, dann sind Sie wahrscheinlich gut damit beraten, Ihrer Bank nur wenige Informationen zur Verfügung zu stellen. Schicken Sie eine jährliche Bilanz oder Einnahme-Überschuss-Rechnung zu Ihrem Sachbearbeiter.

Der Sachbearbeiter bei Ihrer Hausbank muss interne Dokumentationspflichten erfüllen. Sofern Ihr Unternehmen keinen Dispo hat, benötigt es auch kein Kredit-Rating. Dann genügt eine jährliche Berichterstattung völlig, und Ihr Banker wird Ihnen dankbar sein, wenn er deswegen nicht hinter Ihnen her laufen muss.

Eine Mini-Klitsche wie unsere mit mal 2, mal 3 Mitarbeitern, die seit Gründung permanent im Plus ist, braucht keine intensive Berichterstattung in Richtung Bank. Wenn ich unserer Hausbank mehr schicken würde als die jährliche Bilanz, wären die eher genervt.

Wenn Sie eine enge Zusammenarbeit mit Ihrer Bank brauchen, sollten Sie pro-aktiv da rangehen

Ein Unternehmen dagegen, das permanent um Liquidität kämpft, das eine hohe Fluktuation von Mitarbeitern aufweist und starke Schwankungen von Gewinn und Verlust erlebt, das ist gut beraten, mit der eigenen Hausbank einen regelmäßigen Austausch zu pflegen.

Wenn Sie einen Dispokredit brauchen, ist Ihre Bank verpflichtet, die damit verbundenen Risiken einzustufen. Diese Einstufung erfolgt in der Regel auf Basis von Finanzberichten und zusätzlich, tendenziell bei größeren Unternehmen, nach Beurteilung von Management-Prozessen.

Ebenso wenn Sie ein Darlehen möchten, das über den Dispo hinausgeht, ist Ihr Banker verpflichtet, zunächst die Risiken einzuschätzen.

Nicht nur im akuten Notfall

Wie sehr freuen sich Eltern über Kinder, die nur anrufen, wenn sie Geld brauchen?

Ich habe schon im Alter von 12 die Strategie entwickelt, meine Großmutter regelmäßig anzurufen und sie zu fragen, wie es ihr geht, damit sie langfristig etwas beweglicher war, wenn es darum ging, Weihnachtsgeschenke auszuhandeln.

So ähnlich können Sie mit Ihrer Hausbank verfahren.

Geben Sie Ihrer Hausbank pro-aktiv Informationen, und zwar laufend, nicht nur dann, wenn Sie akut in Schwierigkeiten sind.

Der optimale Bericht für die Hausbank

Gibt es einen optimalen Einheitsbericht, der jede Bank begeistert? Natürlich nicht.

Fragen Sie Ihre Bank, welche Informationen sie sich wünscht. Fragen Sie auch, wie oft Sie berichten sollen.

Ein beliebter Berichtsrhythmus ist quartalsweise.

Was den Inhalt angeht, hier ein Vorschlag zum Aufbau eines Bankberichtes. Mögliche Bestandteile könnten sein:

  1. Zusammenfassung / Management Summary
  2. BWA / GuV
  3. Einige wenige Kennzahlen, vor allem zur Liquidität
  4. Summen- und Saldenliste
  5. Personalbewegungen

Bestandteil 1: Zusammenfassung / Management Summary

Schreiben Sie eine kurze Zusammenfassung über den Geschäftsverlauf. Wenn es wichtige Ereignisse gab, berichten Sie kurz darüber.

Wenn es bestimmte Herausforderungen und Engpässe gibt, mit denen Ihr Unternehmen kämpft, berichten Sie gezielt darüber.

Haben Sie z.B. einen Kunden, der Zahlungsschwierigkeiten hat, berichten Sie, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt hat, wie Sie mit den Problemen umgehen und welche Entwicklung zu erwarten ist.

Wenn es besonders in Ihrer Branche spezielle Herausforderungen gibt, berichten Sie über Ihren Umgang damit.

So haben z.B. viele Handwerksbetriebe mit Zahlungsausfällen zu kämpfen. Wenn es bei Ihnen auch so ist, dann berichten Sie, wie Sie damit umgehen.

In einigen Branchen gibt es trotz hoher allgemeiner Arbeitslosigkeit Schwierigkeiten, anspruchsvolle Stellen qualifiziert zu besetzen. Berichten Sie in diesem Fall, wie Sie vorgehen, um für Schlüsselpositionen die optimalen Kandidaten zu finden.

Bestandteil 2: BWA / GuV

Ein Standardbericht ist die Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) beziehungsweise Gewinn-/Verlust-Rechnung (GuV).

Hier wird der Gewinn oder Verlust einer Periode (Monat / Quartal / Jahr) dargestellt.

In den meisten Programmen zeigt die BWA ausschließlich den Gewinn oder Verlust und liefert keine Informationen zu Forderungen, Verbindlichkeiten oder Entnahmen der Unternehmer.

Aus den meisten Buchhaltungsprogrammen können Sie bei der BWA auch einen Plan-Ist-Vergleich ausgeben lassen, sofern Sie Planzahlen erfasst haben.

Wie nützlich Plan-Ist-Vergleiche sind, darüber gibt es verschiedene Meinungen.

Meine Meinung: Wie oft verläuft irgendetwas im Leben nach Plan? Eben.

Mich persönlich hat mein geschätzter Controller-Kollege Grunenberg überzeugt, dass Zeitreihen besser sind. Aus Zeitreihen erkennt man die Entwicklung von Umsätzen, Kosten und Gewinnen über mehrere Monate / Quartale / Jahre hinweg.

Bestandteil 3: Einige Kennzahlen, vor allem zur Liquidität

Ich sage als Controller allen Ernstes, dass Kennzahlen an vielen Stellen überbewertet werden.

An anderer Stelle habe ich dies begründet.

Überlebenswichtig ist dagegen z.B. die Liquidität. Diese sollte auch dokumentiert werden.

Die Liquidität zeigt Ihnen, wie gut Ihr Unternehmen in der Lage ist, seine kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bezahlen.

Ein hoher Gewinn kann unter Umständen wenig nützen, wenn eine hohe Verbindlichkeit zu zahlen ist, und wenn Sie zwar viele Rechnungen geschrieben haben, die Kunden sich aber mit dem Zahlen Zeit lassen.

Als Kennzahlen für einen Bankbericht empfehle ich:

Bestandteil 4: SuSa

Die Summen- und Saldenliste (Buchhalter-Deutsch: SuSa) ist ebenfalls ein Standardbericht in der Buchhaltung. Sie enthält alle bebuchten Konten mit ihren Werten zum ausgewählten Zeitpunkt.

Insbesondere enthält die Standard-SuSa im Gegensatz zur Standard-BWA auch Informationen über Forderungen, Verbindlichkeiten und Entnahmen der Unternehmer.

Details dazu demnächst in meinem Tutorial über das Lesen von Finanzberichten.

Bestandteil 5: Personalbewegungen

Ein wesentlicher Teil der Kosten eines Unternehmens sind Personalkosten.

Je nachdem wie aufwendig die Einarbeitung neuer Arbeitskräfte ist und wie schwierig oder einfach es ist, neue Arbeitskräfte zu finden, ist häufiger Personalwechsel ein wichtiger Kostenfaktor.

Deshalb kann es auch für Ihre Bank interessant sein, über die Anzahl Ihrer Mitarbeiter informiert zu sein und wie die Stellen sich zusammensetzen.

Wenn es möglich ist und wenn Ihre Bank es wünscht, liefern Sie Statistiken über Ihr Personal.

CODA

Wenn Sie von Ihrer Hausbank etwas wollen, werden Sie besser damit fahren, pro-aktiv nachzufragen, welche Informationen über Ihr Unternehmen die Bank wünscht.

Wenn Sie diese Infos dann noch zeitnah und zutreffend liefern, haben Sie gute Karten.

Selbstverständlich gibt es darüber hinaus weitere Faktoren, welche die Entscheidungen einer Bank beeinflussen.

So kenne ich z.B. ein Unternehmen in Norddeutschland, dessen reines Zahlenwerk Jahr um Jahr nicht katastrophal aussieht, aber auch nicht besonders gut. Die Hausbank hält zu dem Unternehmen, weil sie die Qualität des Managements kennt und weil das Unternehmen im Ort einen ausgezeichneten Ruf hat.

Dieses Unternehmen liefert auch seine Zahlen quartalsweise unaufgefordert, kontrolliert vom Steuerberater. Die Bank muss nicht hinterherlaufen, und wegen der mitgelieferten Stellungnahme der Unternehmerin muss sie auch nicht viel nachfragen.

Wann arbeiten Sie pro-aktiv mit Ihrer Hausbank zusammen?

VIEL ERFOLG!

Bild: openclipart, vokimon

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