Periodische Abgrenzung: Was, warum, wie

von Gehard Meneikis, Steuerberater

Wir grenzen periodisch ab, weil nur die Erfolge in der GuV bleiben sollen, deren Leistungen in der gezeigten Periode erbracht bzw. verbraucht wurden.

Streng genommen soll ich, nach den Buchstaben des Gesetzes, alles periodisch abgrenzen, was in eine andere Periode gehört. Vom Prinzip her ist das auch sinnvoll: Der Geldwert der Leistungen wird in der Periode aufgeführt, in welcher die Leistung erbracht wurde.

In der Praxis erlaube ich mir einen etwas hemdsärmeligen Umgang damit. Ja, das ist nach den Buchstaben des Gesetzes falsch. Bei der periodischen Abgrenzung ist es eine Frage der Dimension, was ich abgrenze und was nicht.

Eine Frage der Dimension bei RAP

Wenn das Unternehmen eine einzige Versicherung hat, z.B. eine Betriebshaftpflicht, die von Jahr zu Jahr auch nicht stärker ansteigt als die allgemeine Versicherungs-Teuerungsrate, grenze ich auch nicht unbedingt ab. Wenn das von Jahr zu Jahr ein Betrag von ca. 50 EUR ist, halte ich es für albern, das abzugrenzen. OK, im nächsten Jahr sind es dann vielleicht 51 0der 52 EUR. Wegen solch einem Betrag veranstalte ich keine Doktorarbeit. Dann bleiben halt ein paar Euro zu viel oder zu wenig in einem Jahr.

Anders ist es natürlich, wenn das Unternehmen jahresübergreifende Leistungen mit Abonnement-Charakter verkauft, und davon tausende, welche die Jahresgrenze mit einem Fünfziger überschreiten, oder mal etwas mehr oder etwas weniger, dann grenze ich ab mit fanatisch religiösem Eifer. Denn das kann zigtausende von Euro Unterschied im Ergebnis machen, und dann macht es wieder Sinn.

Abgrenzung von Steuern

Eine Ausnahme ist die Abgrenzung von Steuern, wo ich auf jeden einzelnen Cent achte. Steuern sind schon an sich kompliziert genug. Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer beeinflussen auch das Ergebnis und damit die künftigen Ertragsteuern. Das ist ein Aspekt. Wichtiger ist, in dem ganzen Steuer-Gewusel sofort zu überblicken, wieviel für welche Periode bereits gezahlt wurde.

Umsatzsteuer beeinflusst beim Bilanzierer nicht das Ergebnis, aber auch da will ich wissen, wie viel bereits für welche Periode bezahlt wurde.

Vorsteuer im Folgejahr abziehbar

„Vorsteuer im Folgejahr abziehbar“ grenze ich gewöhnlich auch nicht ab, wenn es sich irgend vermeiden lässt. Beim typischen Steuerberatungs-Mandat handelt es sich hier fast immer nur um einen einzigen Beleg, nämlich die Telefonrechnung für Dezember, die erst im Januar vom Provider erstellt wird. Daraus mache ich keine Wissenschaft, selbst wenn das umsatzsteuerlich nicht 100% korrekt ist. Notfalls verpasse ich der Rechnung von Hand das Leistungsdatum 31.12. Und passt.

Keine Frage der Dimension bei Rückstellungen

So unklar das HGB zu Rückstellungen im Allgemeinen bleibt, so klar ist die Praxis. Die Rückstellungen für die Ertragsteuern folgen den Regeln der Steuergesetze. Pensionsrückstellungen sind nach versicherungsmathematischen Regeln jeweils für Steuerbilanz und Handelsbilanz zu erstellen.

Bei den „sonstigen“ kommen beim typischen Steuerberatungs-Mandat nur Abschluss und Prüfung vor sowie gelegentlich Garantien. Die Berechnung der Garantie-Rückstellungen ist mitunter sehr umfangreich und erfordert eine eigene Abhandlung.

Genaue Dokumentation der Abgrenzung

Für meine eigene Übersicht und für die Übersicht der anderen Mitarbeiter dokumentiere ich alle periodischen Abgrenzungen.

Insbesondere bei Rechnungsabgrenzungsposten ist es wichtig, exakt zu dokumentieren, welche Art Erfolg da abgegrenzt wurde und für welchen Zeitraum. Aus den Bestandskonten der ARAP und PRAP selbst ergibt sich nicht, welche Art Erfolg sich in dem Posten verbirgt. Es könnte ein Wartungs-Abo sein, Versicherungen, Beiträge oder Zinsen, für den kommenden Januar, die kommenden zwei Quartale oder für die nächsten zehn Jahre. Und wenn ich nicht weiß, für welche Art Aufwand da abgegrenzt wurde für welche Periode, dann kann ich im nächsten Jahr nicht korrekt auflösen.

In vielen Fällen genügt dafür ein klarer Buchungstext. Ich texte also bei einem ARAP z.B. „Feuerversicherung Jan-Apr 2018“ oder „Restzinsen Jan 2018 bis Jun 2021“.

In den wenigen Fällen, wo ich die Berechnung nicht schnell nachvollziehen kann, etwa bei einer Staffelrechnungs-Auflösung eines Disagios, erstelle ich eine Extra-Dokumentation. Auch bei RAP über mehrere Jahre sollte man eine Extra-Doku anfertigen.

Bei den RAP habe ich bereits einen Zahlungsbeleg. Für die Zuführung zu Rückstellungen brauche ich einen internen Beleg. Dieser sollte möglichst nachvollziehbar die Berechnung der Rückstellungen zeigen.

 

Gerhard Meneikis, geboren 1938, war Steuerberater mit einer Kanzlei mit 10 Mitarbeitern in Hamburg. Er ist leider am 07.10.2018 verstorben.

 

Bild: congerdesign

 

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