Niedrige Zinssätze halten nicht immer, was sie versprechen: Kredite richtig berechnen

von Katharina Lange

Private Kreditnehmer wissen Gesetzgeber und Bundesrichter auf ihrer Seite: Schon seit vielen Jahren sind versteckte Kosten wie Bearbeitungsgebühren oder ein Abschlag bei der Auszahlung (Disagio) unzulässig.

Mit den Zinsen, so meinen die Richter, müssen die Banken alle Kosten der Darlehensgewährung abdecken. Aber auch der Zins ist nicht immer transparent. Die Preisangabenverordnung (PAngV) versucht, Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Angeboten herzustellen.

Der erste Blick gilt dem Effektivzins

Das kostenlose E-Book von www.krediteberechnen.com weist darauf hin, dass der sogenannte Nominalzins – korrekt heißt er heute Sollzins – relativ wenig Aussagekraft hat.

Interessanter ist der Effektivzins. In ihn sind alle Kosten einzurechnen, die zwingend mit dem Kredit verbunden sind. Nach dem Verbot von Nebengebühren hat das Disagio zwar keinen Einfluss mehr, aber zum Beispiel Kosten für eine obligatorische Ratenschutzversicherung können den Effektivzins gegenüber dem Sollzins massiv in die Höhe treiben.

Die Zahlweise der Zinsen, also zum Beispiel monatlich, halbjährlich oder jährlich, hat auch einen Einfluss. Die genauen Formeln für die Berechnung des effektiven Jahreszinses füllen eine ganze Seite in der PAngV. Man muss die komplexe Mathematik dahinter nicht verstehen – wichtig ist nur, dass der Effektivzins ein guter Vergleichsmaßstab ist, wenn man beispielsweise in den Online-Kreditportalen nach dem günstigsten Ratenkredit sucht.

Zweidrittel-Zins gegen Lockvögel

Allerdings löst der Effektivzins ein Problem nicht: Zinsen stehen nicht fest wie der Preis für ein Paket Nudeln im Supermarkt. Sie sind fast immer bonitätsabhängig, werden also je nach Kreditwürdigkeit des Kunden und nach möglichen Sicherheiten vereinbart.

Für die Bank sind Zinsen nicht nur ein Entgelt für die Bereitstellung des Kapitals, sondern sie stellen auch einen Ausgleich für das Risiko eines Kreditausfalls dar. Deshalb gilt: je schlechter die Bonität, desto höher der Zins.

In der Werbung für Kredite wird in der Regel der niedrigste mögliche Zinssatz plakativ herausgestellt. Diesen Zins gibt es aber nur bei bester Bonität. In manchen Angeboten ist zumindest eine Zinsspanne angegeben, zum Beispiel „Zinssatz zwischen 1,99 % und 10,99 %“. Um die tatsächlichen Kosten für einen Kredit berechnen zu können, nutzt so eine Information herzlich wenig. Niemand weiß, wo er sich in der großen Bandbreite einordnen soll.

Die PAngV schreibt deshalb vor, dass die Werbung ein sogenanntes repräsentatives Beispiel enthalten muss. Als repräsentativ gilt der Zinssatz, zu dem mindestens zwei Drittel der Antragsteller das beworbene Darlehen tatsächlich erhalten haben. Das obige Angebot lässt sich besser einschätzen, wenn man weiß, ob der Zweidrittel-Zins bei 3,99 % oder 6,99 % liegt.

Zinsrechner im Internet nutzen

Aber auch mit dem Effektivzins und dem Zweidrittel-Zins ist ein Kreditvergleich noch nicht vollständig. Um die Kosten zu berechnen, die ein Kredit wirklich verursacht, sollten Sie einen der vielen kostenlosen Darlehensrechner im Internet bemühen. Beispiel Autofinanzierung: Hier wird häufig mit Ballonkrediten gearbeitet. Sie zeichnen sich aus durch eine niedrige monatliche Belastung, ergänzt um eine hohe Schlussrate, dem Ballon.

Bei gleichem Effektivzinssatz sind sie deutlich teurer als ein normaler Ratenkredit, weil die zu verzinsende Restschuld während der gesamten Laufzeit hoch bleibt. Gleiches gilt noch mehr bei sogenannten endfälligen Darlehen. Hier wird die gesamte Schuld erst am Ende der Laufzeit zurückgezahlt.

Kreditrechner erlauben auch das Durchspielen verschiedener Parameter, zum Beispiel die Wahl der Vertragsdauer so, dass eine zum Haushaltsbudget passende monatliche Belastung herauskommt.

 

Titelbild: openclipart, j4p4n

 

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