Leben ganz ohne Geld

Ganz ohne Geld?

Funktioniert es wirklich, ganz ohne Geld zu leben? Wird das Leben dadurch „besser“?

Um mit einer Legende als Erstes aufzuräumen: Manche behaupten, Geld sei die Wurzel aller Gewalt, und wenn man nur alle Zahlungsmittel abschafft (egal ob Edelmetall, Papiergeld oder Giralgeld), endete die Gewalt.

Ein kurzer Blick auf die Statistik zeigt, dass menschliche Gewalt in Zeiten des Tauschhandels insgesamt intensiver war als in den modernen Tagen des Giralgeldes. Diese Legende bleibt also Legende.

Auch in möglichen künftigen Zeiten der Geldlosigkeit wird es Lügen, Raub, körperliche Verletzungen und Mord geben.

Im Folgenden beschäftige ich mich mit den Fragen:

  • Welche Werte treiben die Menschen an, ein Leben ohne Geld zu wünschen?
  • Welche Beispiele für geldloses Leben gibt es?
  • Wie funktioniert geldloses Leben?
  • Welche Herausforderungen sind bisher noch nicht gemeistert?

Dazu im Speziellen:

Welche Werte treiben die Menschen an, ein Leben ohne Geld zu wünschen?

Konsum wird von vielen Menschen, gerade in den nordwestlichen Konsumgesellschaften, mehr und mehr als unbefriedigend empfunden.

Ungerechte Verteilung

Viele empfinden es als ungerecht, dass manche im Überfluss leben und manche in bitterer Armut.

Sie finden es absurd, dass an einer Stelle Lebensmittel weggeworfen werden, während andere nichts zu essen haben.

Die Verteilung der Einkommen wird als ungerecht wahrgenommen. Bei manchen hohen Gehältern ist nicht klar, welchen Mehrwert die Empfänger dieser Gehälter für die Gesellschaft erzeugen.

Gesundheitsschädliche Arbeit

Ein großer Teil moderner Arbeitsplätze wird als einseitig wahrgenommen. Reine Kopfarbeit vor dem Bildschirm ist nicht unbedingt gesund.

Bei einem Teil er Arbeit geht es darum, Umwelt zu zerstören oder überregulierende Vorschriften zu beachten.

Unabhängigkeit

Abhängig von Geld zu sein bedeutet, abhängig von anderen Menschen zu sein – vor allem unfreiwillig. Menschen hängen generell voneinander ab, aber wer kein Geld braucht, muss nicht von einem Chef abhängig sein, der ihn schlecht behandelt. Er muss sich nicht von Behörden gängeln lassen.

Welche Beispiele für geldloses Leben gibt es?

Meine erste Begegnung mit dem Konzept hatte ich in den 1990ern. Ich traf auf eine Gruppe, die ihren weiblichen Führungskräften einst die Aufgabe stellte, mit 10 DM von Deutschland nach Portugal zu trampen und wieder zurück. Da es sich dabei durchgehend um junge attraktive Frauen handelte, habe ich einen gewissen Verdacht, wie die das geschafft haben.

Geldlos durch die Welt

Ein erstaunliches Beispiel fand ich auf der Seite forwardtherevolution, wo 2 junge Männer von ihrer Reise rund um die Welt berichten, für die sie keinen Cent ausgeben.

Sie trampen, erhalten kostenlose Fährpassagen (während andere bezahlen), werden auf Segelbooten mitgenommen, schlafen unter freiem Himmel oder in besetzten Häusern (die mit Geld gebaut wurden), usw.

Sie durchkämmen Müllcontainer nach Essbarem und holen abgelaufene Lebensmittel von Supermärkten ab.

Andere Beispiele

Die Rentnerin Heidemarie Schwermer lebt seit vielen Jahren ohne Geld, ohne aber andere missionieren zu wollen.

Der junge Hamburger Philipp Hauschild lebt von 40 EUR pro Monat.

Raphael Fellmer lebt seit 2010 ohne Geld.

Der „Kreativwanderer“ Jonathan Ries zieht durch die Lande und tauscht seine künstlerische und kreative Arbeit gegen andere Leistungen.

Wie funktioniert geldloses Leben?

Vorweg: Ein tatsächlich gänzlich geldloses Leben ist in Deutschland nicht zu machen.

Es läuft immer wieder darauf hinaus, etwas gratis zu erhalten bzw. zu nutzen, für das andere bezahlt haben. Die betreffende Person lebt also mehr oder weniger ohne Geld, aber nur scheinbar, da sie von anderen abhängig ist, die weiterhin Geld benutzen.

Beim Abfall fällt etwas ab

Das scheinbar geldlose Leben ist in Deutschland ganz gut machbar, weil hier vieles weggeworfen wird, das noch einen hohen Wert hat.

Lebensmittel, die nach deutschem Recht Verfallsdaten haben müssen, werden weggeworfen, obwohl sie noch genießbar sind. Viele Menschen und auch karitative Einrichtungen haben erkannt, dass sie den Supermärkten sogar einen Gefallen tun, wenn sie diese Lebensmittel abholen, weil dies dem Markt Entsorgungskosten spart.

Auch nutzbare Kleidung, funktionierende Elektrogeräte, und mitunter sogar Rolex-Armbanduhren werden in den Müll geworfen.

Unbenutztes benutzen

Eine Art des alternativen Wohnens ist z.B., Wohnungen von Menschen zu hüten, die länger verreisen.

Außerdem wird viel getauscht, und vieles wird einfach verschenkt.

Was das geldlose Leben sehr unterstützt ist die Tatsache, dass, im Internet-Zeitalter Information in den meisten Teilen der Welt weitestgehend gratis ist. Man benötigt allerdings noch Elektrizität, um Zugang dazu zu erhalten, für die wiederum jemand bezahlt hat. Man benötigt auch ein Endgerät, für das jemand bezahlt hat.

Die Seite ohnegeld.net bietet diverse Vorschläge und Anregungen, wie man verschiedene Dinge des täglichen Lebens ohne Geld regeln kann.

Welche Herausforderungen sind bisher noch nicht gemeistert?

Krankenversicherung ohne Geld ist realistisch nicht zu machen. In Deutschland besteht noch (Stand: April 2015) KV-Pflicht für alle Bürger. Wer kein Einkommen hat, muss trotzdem zahlen.

Bezahlen ohne Gegenwert

Obwohl Schulmediziner nach meiner Erfahrung meistens mehr Schaden als Nutzen anrichten, und selbst wenn ich sie nicht nutzen will, muss ich zahlen.

Für zahnärztliche Behandlung – also den Teil, der etwas bringt – darf ich in vielen Fällen sogar extra zahlen!

Ebenso muss ich den Rundfunkbeitrag zahlen, für Programme, die ich nicht konsumiere und die mich Null interessieren.

Große Investitionen

Gerade für größere Anschaffungen und Investitionen brauchen wir ein Wertaufbewahrungsmittel, in dem Werte angespart und schließlich investiert werden können. Infrastruktur wie das Straßennetz, Schulen usw. muss in irgendeiner Weise finanziert werden.

Langfristig wäre hier sicherlich ein System denkbar, in dem Tauscheinheiten angespart werden.

So lange die deutschen Steuergesetze noch gelten, ist das Tauschen problematisch (so weit es über gewöhnliche Nachbarschaftshilfe hinausgeht), insbesondere hinsichtlich der Umsatzsteuer.

Als Alternative formiert sich die Bewegung des Minimalismus, in welcher die Menschen versuchen, mit sehr wenig Geld zu leben.

Fazit

Wie bereits oben bemerkt, ein gänzlich geldloses Leben ist in Deutschland derzeit nicht machbar.
Ein weitgehender Verzicht auf Geld ist in vielen Ländern möglich. In Deutschland funktioniert es wegen der Überflussgesellschaft.

In manchen anderen Ländern ist es möglich, weil es wärmer ist und man wenig Geld für Heizung und Strom benötigt.

Die bisherigen Experimente mit Geldlosigkeit haben gezeigt, dass viele Menschen bereit sind zu teilen und ihren Überfluss abzugeben.

Solange dies freiwillig geschieht, sehe ich dabei auch keinerlei Problem.

Bücher zum Thema

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Viele gute, aber auch einige fundiert kritische Rezensionen hat das Werk von Raphael Fellmer erhalten. Die Rezensionen sprechen u.a. die Problematik an, dass ein geldloser Lebensstil in der dargestellten Weise eben nicht von allen gleichzeitig gelebt werden kann.

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Sehr gemischt bewertet wird das Buch von Heidemarie Schwemer. Die Idee wird geliebt, aber der Inhalt für zu seicht befunden.

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Bild: Yassine_Noamani

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11 Kommentare

  1. Vielen Dank fuer diesen Artikel.

    Ich selbst Lebe seit ueber einem Jahr ohne Geld ohne mich demnach bevor ich diesen Schritt gang intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

    Informationen sind im Internet reichlich vorhanden wenn es darum geht die Frage wie es Moeglich ist ohne Geld zu leben. Die aber fuer meine EInschaetzungen entscheidende Frage ist die nach dem Warum.

    Aus dieser Frage heraus springt naemlich nicht nur ein Verstaendniss fuer die Motivation sondern erweitert ebenfalls die Perspektive zum Thema, weckt dadurch Interesse und beantwortet das wie nahezu in gleichem Atemzug.

    Meine Hauptmotivation warum ich frei von Geld lebe hab ich in folgendem Artikel formuliert: http://ohnegeldumdiewelt.blogsport.de/leben-frei-von-geld-warum/

    Sollte der Artikel lesenswert sein, vielleicht magst du das ein oder andere ja noch in deinen Text uebernehmen.

    lg Paul

  2. @ Paul Free – wie sieht es mit dem Strom aus, um das Laptop, das Tablet oder den Computer anzuschalten und ihn benutzen zu können? Wie sieht es mit der Internetverbindung aus, wird hierbei eine fremde Verbindung genutzt, die ein anderer bezahlen darf? Wie sieht es bei Reperaturen am Fahrrad oder PC aus, wenn man die Festplatte kaputt geht, der Bildschirm versagt, ein Scharnier bricht, der RAM Riegel kaputt geht, der Kühlkörper verstopft ist und die CPU überhitzt? Falls Strom von Solarpanel kommt, wie wurde das selbst zusammengebaut? Vermutlich musste man dafür erst Geld ausgeben? Sitzen Sie nackt in der Gegend rum oder wurde die Baumwolle und die Polyesterregenjacke vorher nicht aus Indien, Vietnam oder China für sie gewebt und dann rübertransportiert? Haben Sie im Hinterhof eines Supermarktes einmal abgelaufene Sachen konsumiert und Bauchschmerzen bekommen und haben Sie dann die Krankenversicherung nicht gebraucht, damit Sie überhaupt behandelt werden (Pharmaindustrie = Hightech-Produkte die Jahrzehnte-lang getestet wurden, Arzt = Expertise + spezialisierte Geräte und Arzneien, RTW, Infrastruktur wie Straßen, Strom, Wasser etc., Güterverkehr der das Benzin zum Befüllen der Autos transportiert, der die Kohle zum Kraftwerk bringt)? Waren Sie schon einmal allein im Wald und haben sich nicht gefreut, dass man im Notfall noch per Handy erreichbar sein kann? Es muss also IMMER Geld dafür investiert werden, damit ich Dienstleistungen (=Expertise) und komplexe nötige Produkte (=Spezialisierung) kaufen kann, die ich selbst nicht erbringen kann. Selbst bei einem eigenen Acker benötigt man Werkzeuge, sonst nährt er nicht richtig. Und irgendwann fallen die Zähne aus. Man weiss ja noch nicht einmal mehr, wo man ist, dank fehlendem GPS und Kartenmaterial in unbekannter Region. Ist es nicht unbequem, wenn es draußen um die 0 Grad kalt ist und man kein Dach überm Kopf hat? Ist es nicht gefährlich, wenn ich unter der Brücke überfallen werden kann? Ist es nicht blöd, dass man ohne Adresse keine Korrespondenz erfüllen kann? Ohne Geld geht gar nichts. Ich fluche auch immer auf der Arbeit über das Geld oder über die Tausend Abhängigkeiten, die man gegenüber Familie, Bekannten, Behörden, Chef & Gesellschaft hat. Aber ich sage mir das oben gesagte immer wieder selbst zu mir – das ist die einzigste Option, wie es funktioniert, denn kein Mensch gibt von sich aus freiwillig Geld oder Besitz ab und wenn, dann nur in den seltensten Fällen, wenn man Glück hat und dann auch nur temporär für einen kurzen Zeitraum oder gegen Gegenleistung wie Arbeit oder Tauschen. Klar, man kann in „günstigere“ Länder mit geringeren Lebenshaltungskosten ziehen, aber ich hätte da teils keine Lust nachts oder spätnachmittags die öffentlichen Straßen zu überqueren und außerdem lebt man dann teils „wie am Arsch der Welt“ sehr abgeschieden und einsam und man weiß, dass Tiere und Menschen die Gesellschaft brauchen. Ich sehe das Thema Geld als Hassliebe, Geld zerstört Unmengen an Ressourcen und Gesellschaftsschichten und lenkt Gedanken in für Geld-gerichtete Bahnen, was sehr oft schlecht ist. Man kann dem Druck nur entgehen, indem man selbst wirtschaftlich wird. Weniger konsumieren und nur das kaufen, was wirklich gebraucht wird und somit nur das arbeiten müssen, um das wenige konsumieren und gebrauchen zu können. Ich denke mir auch manchmal „oh mann, schickes Cabrio, hätte ich auch gerne“, aber am Ende denke ich mir „zum Glück musste ich nicht dafür über 5 Jahre arbeiten gehen und konnte somit meine Rrente aufstocken, hatte was warmes zu essen auf dem Tisch, hatte ein paar Hobbies, hatte bei Wehwechen ein Krankenhaus in der Nähe, ein paar Zahnbehandlungen und konnte hier und da kurz in der Welt reisen“. Und – man kann sehr oft neidisch sein „auf die da oben“. Aber wenn man mal den Zahnarzt sieht, wie der seinen dritten Porsche fährt und man mit dem Farrad übers Ackerfeld vom Supermarkt kommend, fährt, muss man sich immer wieder sagen – ja, derjenige hat ja auch was dafür geleistet, über 10 Jahre länger gelernt, zig Fortbildungen, hohe Verantwortung, kleine Praxis gegründet, Risiko eingegangen und Mehrwert-produzierend. Dann ist das ok. Wo es mir allerdings den Magen verdreht, ist, wenn Dutzende schweigend illegal Vermögen aufbauen ohne passende und äquivalente Mehrwerte dafür zu schaffen – davon gibt es leider auch viel zu viele. Wer nicht viel verdient, der muss seine Ansprüche runterschrauben, wer dann langsam die Schnauze voll vom wenigen Komfort im Leben hat, der hat dann die richtige Motivation, mehr Geld zu verdienen (z.B. raus aus der Assi-Wohngegend zu kommen und in ein Familienstadtteil der bürgerlichen Mitte in guter Lage einzuziehen). Und wie verdient man Geld? Indem man dem Geld nicht hinterherrennt und es verflucht, sondern indem man die Interessen der Menschen bedient. Das ist über alle Jahrzehnte die beste Sicherheit. Wenn ich selbst etwas nicht kann, es mir zu riskant oder zu aufwendig ist, ich nicht das nötige Werkzeug oder Startkapital dafür habe, dann ist es doch ein Produkt oder Service, was es wert, anzubieten? Denn die meisten anderen Menschen werden damit auch ihre Probleme haben und nach einer Lösung suchen und gerne dafür bezahlen, da sie es brauchen und nicht erledigen können. Summa summarum – Hassliebe Wirtschaft & Geld, Geld verdienen & arbeiten lassen, Mehrwert schaffen und somit mehr Geld verdienen, dabei aber konstant nur die Fixkosten bedienen (keine hohen Ansprüche haben = das ist gefährlich und eine Spirale nach oben) und sich ab und zu Luxus gönnen, den Menschen ohne Geld eben nicht haben können (Reisen mit Flugzeug oder Schiff, PKW, Zug, Bus = alles für Leute ohne Geld nicht möglich; fremde Welten und Kulturen sehen, was im Leben erLEBEN). Ich finde das nicht ok, wenn Leute sagen „ich kann ohne Geld leben“, dann aber die Plastikkarte beim Arzt zücken, mit dem Smartphone telefonieren, im Internet surfen, Essen auf dem Tisch haben und von A nach B weit und schnell kommen können und beim ersten Regen ihre Funktionsjacken und wasserfesten Wanderschuhe rausholen. Oftmals geht das nur, weil andere eben dafür arbeiten gehen und das Geld erwirtschaften. Tasuchhandel würde alles verkomplizieren, denn was hat einen bestimmten Wert in wessen Augen? Andererseits funktioniert aber heutzutage die Option „Ansprüche runterschrauben, weniger konsumieren = weniger arbeiten = mehr Zeit zu leben“ nicht mehr, da man exakt so runtergewirstchaftet wird, dass der Stundenlohn so berechnet ist, dass man nur mit Vollzeit und Überstunden überleben kann, was ich ebenfalls eine Frechheit finde, da das den Stress, die Existenzangst erzeugt. Alle Optionen mit bedingunslosem Grundeinkommen sind bisher daran gescheitert, da die Industrie das natürlich nicht will, denn nur abhängige Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter. Es scheitert aber auch an allen arbeitenden Menschen, denn wieso kann sich einer zurücklehnen und ausschlafen und frei am Tag rumlaufen, wenn ich den ganzen Tag arbeiten muss, um das gleiche zu erhalten?

    • Hallo Thomas, vielen Dank für Deinen ausführlichen, hervorragend argumentierten Kommentar. Dies sind in etwa die Gedanken, die ich zu dem Thema inzwischen auch entwickelt habe. Die größte Problematik beim Thema „geldlos“, wie im Artikel auch angerissen, sehe ich darin, dass die „Geldlosen“ vom Überschuss derer profitieren, die Geld und Güter erwirtschaftet haben. Z.B. die gesamte Infrastruktur, Straßen, Gebäude, Elektrizität, Heizbrennstoffe, usw. Sie sind also nicht wirklich geldlos, es sieht nur so aus für den, der nicht genau hinschaut. Ich habe von der Auseinandersetzung mit dem Thema profitiert. Ich habe mich gefragt, was ich denn „brauche“ und wie sehr ich mich abrackern muss bzw. wie abhängig ich mich machen will. Ganz ohne Abhängigkeit geht gar nix. Aber WIE abhängig will ich mich machen? Was bin ich bereit für Geld zu tun und was nicht? Welche Dinge erzeugen einen hohen Wert für die Gesellschaft, werden aber nicht in Geld gemessen? Z.B. Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, Nachbarschaftshilfe, usw. Und, ja, manche nutzen das System aus, manche mit viel Geld, manche mit sehr wenig. Manche häufen auf unintegere Weise Geld an. Das Thema ist vielschichtig. Danke, dass Du auch differenziert darüber nachdenkst.

      • Das Thema ist unendlich vielschichtig und so komplex, dass man es fast nicht überblicken kann. Aber man kann sich unendlich viel Lebensqualität zurückholen, wenn man Überfluss vermeidet. Man muss es nicht mehr jahrelang erwirtschaften, verwalten, pflegen, lagern sowie verteidigen und was nicht da ist, geht auch nicht kaputt und spart nochmals Geld. Was nochmals Unmengen an Geld spart ist, sich Expertise im Netz zusammenzulesen, Dinge einfach auszuprobieren, bis man nicht mehr weiterkommt und vor allem simple nötige Dinge zu kaufen + sich auf die haltbarsten Dinge zu konzentrieren (am besten mittleres Preissegment, da hier die Firmen die Kunden benötigen und es sich nicht leisten können, sie zu verlieren, da hier die Kundenbindung wichtiger ist als im Billigsegment, wo oftmals 3 Waren mehr auf Dauer kosten wie 1 exakt passende langhaltende Ware, die vielleicht sogar einen Mehrwert mit Reammortisation erzeugt, da ich damit Produkte erzeugen kann, die die Maschine abfinanzieren können) und sich vor einer Bezahlung gründlich und von Emotionen und äußeren Einwirkungen (Duft (z.B. Weihnachtsatmosphäre an überteuerten Buden die ihr Jahresgeschäft in 1,5 Monaten machen, Currywurststand, Parfürmerie etc.), Freunde & Bekannte, ) distanziert. Was mich an dem Thema Geld einfach tierisch aufregt ist, dass egal ob ich jetzt eine Hugo Boss Orange Label Lederjacke für 700 Euro+ kaufe oder einen 2in1 Allroundjacke für um die 100 Euro kaufe oder einen Polyesterblouson für 35 Euro, einen Markenschuh für 120 Euro oder einen Noname-Schuh für 40 Euro, das einzelne Produkt ist meist weniger als 25% des Verkaufspreises wert, d.h. man könnte denken, dass ein Markenprodukt die Löhne der Arbeiter besser bezahlen könnte/steigern könnte. Es wird aber immer billigst möglich produziert und teuerst möglich verkauft. Die Gewinnmaximierung wird immer an oberster Stelle liegen und verschlimmert sich, je mehr Kapital bei den obigen wenigen Prozenten der Gesellschaft sich bündelt, denn das ist dann nicht mehr im praktisch verwertbaren Umlauf, sondern dient nur noch mehr der Kapitalvermehrung. Ich kann dieses elendige „ja, aber wir müssen unsere Gewinne in Forschung und Entwicklung und den Ausbau der Firma und ihre Mitarbeiter investieren…“ nicht mehr hören, denn niemand sagt dabei, zu wie wenig Pozent vom Gewinn das geschieht. Ähnlich wie die Arbeitslosenzahlen auf Arbeitgeberveranstaltungen. Hauptsache niedrige Arbeitslosenquote und alle sind in Arbeit und glücklich und zufrieden. Denkste! Niemand erwärhnt dabei die prekären Arbeitsverhältnisse, die dazu führen, aufstocken zu müssen, niemand erwähnt die Teilzeitangestellten etc. Ich finde es auch perplex, dass ausgerechnet die Stellen mit höchstem Mehrwert am schlechtesten bezahlt werden. Das unterstützt nur den Satz, dass Geld nur den Geld-generierenden Bereich unterstützt. Was aber lässt das Geld arbeiten? Es sind die Menschen! Und genau hier werden sämtliche Kosten auf die Unterschichten abgewälzt, denn alles geht von der Steuer ab. Umschulungkosten? Elternzeit? Pflegekosten von Angehörigen? Krankenkosten? Es dauert unendlich lange, bis eine Firma versteht, dass man den Wein und die Rosinen oder den Honig nicht sofort umsonst eingeschenkt bekommt. Erst muss man was investieren. Bis man in der hochtechnologischen heutigen Zeit anfangen kann, zu arbeiten, hat man schon über 365000 Euro als Mensch gekostet, da Bildung, Gesundheit und Existenz eben nicht umsonst sind. Geld hat immer nur Verantwortung gegenüber Geld. Ich finde es z.B. amüsant, wenn jemand sagt, wie wichtig und verantwortungsvoll der Job oder die Position ist, sie sich dann aber als Finanz-verwaltende Tätigkeit entpuppt, wo schlimmstenfalls Geld verloren geht, aber nicht direkt ein Menschenleben, wohingegen kurioserweise die letztgenannte viel wichtigere WIRKLICH verantwortungsvolle Arbeit meist extrem schlecht bezahlt wird. So kommt es zu den vielen negativen Auswirkungen, die eine Falschsteuerung von Geld nach sich ziehen – kurzfristiges Gewinndenken. Z.B. ist ein günstiges Flugticket damit verbunden, dass Sicherheitsrelevante Teile nicht mehr so stark gewartet/ersetzt werden und Arbeitskräfte im Ausland rekrutiert werden, was zu Verständigungsschwierigkeiten und somit falschen Ergebnissen führen kann + selbst im Ausland werden prozentual die Gehälter dort runtergerechnet, was zu Streiks führt, sofern sich dort überhaupt Gewerkschaften firmieren können. Weiterhin wird dann am Kerosin gespart und es werden ältere Flugzeuge genommen und Mitarbeiter entlassen sowie Arbeitslast auf wenige günstige Mitarbeiter aufgebürgt. An der Oberfläche wird natürlich alles glänzen. Aber hintendran knallt es. Bis zu dem Punkt, an dem der Flieger abstürzt, da plötzliche Dinge wie Wetterumschwung oder Verkehrsaufkommen am Zielflughafen und nötige Alternativausweichziele nicht mit einberechnet wurden, der mit erhöhtem Kerosinbedarf einhergeht. Das kommt alles von oben, wo die Geldverteilung und das Gewinndenken liegt. Geld beachtet am Ende das Menschenleben nicht wirklich. Es wird immer nur dann wieder für die Menschen Geld ausgegeben, wenn man weiss, dass man wieder ans Geld kommt, d.h. man muss die Qualität und den Service so anbieten, dass sich auf lange Sicht bis zu einem schädigenden Prozentteil, sich die Kunden nicht beschweren, damit der Gewinn stabil bleibt. Auch das bedeutet wieder, dass egal ob das Produkt teuer oder billig ist, das Produkt oder der Service maximal billig produziert werden, bis zur Grenze, wo die Kunden es nicht mehr bezahlen werden, sofern Monopolist. Auf lange Sicht sind diese Gedanken lebensschädigend (man erfreut sich an kleinen Dingen meist mehr und manchmal ist es einfach angenehm, nicht darüber nachzudenken), aber sie machen einen bewusst, wie die Welt außerhalb der Familie tickt. Wenn man das weiss, kann man viele Entscheidungen der Anderen voraussehen. Ganz ohne Geld geht es leider dann aber nicht, aber wer nur das Nötigste ausgibt, lebt angenehmer, da weniger Stress, weniger arbeiten, weniger Abhängigkeit, föhere Flexibilität, mehr Sicherheiten, sogar am Ende mehr Gesundheit und mehr Zeit. Alles Dinge, die die Wirtschaft nicht hören will, außer man sagt ihr „dafür habe ich wenige Fehltage und bin nicht zur Mittagszeit todmüde und kann als Werkzeug lange funktionieren“. Wenn man als Arbeitnehmer mal sagen will „ich genieße lieber das Zwitschern der Vögel, die Sonne auf der Haut, gekostet hat mich das nichts“, dann ist das nicht geldwert verwertbar, somit uninteressant für die Wirtschaft, Ähnlich wie Naturschutzgebiete, die am Ende dank der Wirtschaft immer kleiner werden und ganz verschwinden werden, da darunter Ressourcen liegen könnten und der Platz für Fabriken oder renditestarke vermietbare Wohngebiete erzeugen könnte.

  3. Hallo Alexander, das ist ein wahnsinnig spannendes Thema! Ich habe auch immer mal wieder davon gehört,dass es Menschen gibt, die das realisiert haben. Anfangs war ich super erstaunt, dass das überhaupt möglich ist. Klar, wenn man irgendwo jenseits der normalen Zivilisation lebt, sicher, aber hier direkt bei uns??? Danke für die verlinkungen ich bin super gespannt was diese Menschen dort berichten! Ich persönlich weiß nicht, ob die Welt besser wäre, wenn das Geld komplett abgeschafft würde. Es wurde ja einmal erfunden, weil es das Leben erleichtern sollte… Nur, was daraus wurde, ist vielleicht nicht das optimalste. Liebe Grüße!

    • Hi Andreas, danke für Deinen Kommentar. Ja, das Geld hat zunächst einige Probleme gelöst. Und, wie viele Lösungen, hat seine Verwendung neue Probleme mit sich gebracht. Wahrscheinlich ist das Geld eine Zwischenstufe, bis jemandem etwas Besseres einfällt, das auch in der Wirklichkeit besser funktioniert und nicht nur in der Phantasie von Idealisten.

  4. Ein sehr spannendes Thema! Ich bin zwar schon länger mit dem Thema Minimalismus beschäftigt, aber ohne Geld? Wow und Respekt an alle, die das schaffen. Ich werde mich mal durch die anderen Beiträge fühlen, habe schon einigen spannenden Input entdeckt – lieben dank dafür!

    P.S. Bin über die Blogparade auf deine Seite gestoßen und denke, dass ich mitmachen werde 🙂

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  1. Leben ohne Geld: Noch ein gelungener Ausstieg? Moneyless Mark Boyle - Alternative Lebensweisen

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