International arbeiten: Die Digitalen Nomaden

Digitale Nomaden
Unterwegs sein und arbeiten

International arbeiten, an verschiedensten Plätzen der Welt: Digitale Nomaden, junge Menschen mit Rucksack und Laptop ziehen aus, um die Welt zu erobern – manche haben ein wirtschaftliches Auskommen, andere nicht.

Mir persönlich begegnete der Begriff „Digitaler Nomade“ zum ersten Mal im Profil von Brian Clark von studiopress, als ich mein erstes WordPress-Theme von dort kaufte.

In diesem Artikel gebe ich meine Gedanken zum Digitalen Nomadentum wieder und stelle vor allem den Blog vor, der nach meinen Recherchen (Stand: März 2017) der beste für Digitale Nomaden ist, nämlich wirelesslife.de von Sebastian Kühn.

Die Vier-Stunden-Illusion

Weithin bekannt geworden ist das Konzept des Digitalen Nomaden durch das Buch „Die 4-Stunden-Arbeitswoche“ von Timothy Ferriss. Es ist ein nettes kleines Buch mit ein paar feinen Anregungen, aber die 4-Stunden-Arbeitswoche des globalen Kleinunternehmers läuft nur darauf hinaus, dass er selbst weniger arbeitet, weil andere Menschen in Niedrigstlohnländern umso mehr Stunden für ihn arbeiten.

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Die Niedriglöhne sind bei jedem Staat ein Schritt in seiner wirtschaftlichen Entwicklung, und die Zustände der schottischen Industriearbeiter um das Jahr 1750 lassen selbst Textilarbeiter in Bangladesh im Jahre 2017 schaudern.

Gegen schottische Arbeiter von 1750 schwelgen sie in unvorstellbarem Luxus. Das mit den Niedriglöhnen mag also OK sein, das ist ein Schritt auf dem Weg.

Die Schotten haben interessanterweise auch mit Textilien begonnen. Inzwischen haben sie eine ganz gute Infrastruktur und sind auch ansonsten gut weiter gekommen. Wenn sie sich nicht dauernd besaufen und verkloppen würden, wären sie sicherlich noch viel weiter.

tallinn sharonang
Tallinn, Estland: Die beste digitale Infrastruktur der Welt

In Bangladesh kann es gut so ähnlich laufen. Wo war Hongkong vor 50 Jahren und wo ist es jetzt? Zumindest ist es nicht mehr die verlängerte Werkbank der Spielzeugindustrie. Singapur? Auch da ist die Zeit der Hungerlöhne vorbei.
Was die 4-Stunden-Woche aber auch ist, wie jedes Versprechen von „mühelos und garantiert erfolgreich“, es ist bestenfalls halbwahr. In diesem Fall werden die Mühen nur teilweise auf andere abgewälzt.

Das Gefälle nutzen: Von teuer nach billig

Auch die Digitalen Nomaden ziehen hauptsächlich nach Thailand, Malaysia und andere Niedrigpreisländer. Mit Gütern und Dienstleistungen, die sie in Europa, USA, Kanada und Australien zu entsprechenden Preisen verkaufen, leben sie selbst zu südostasiatischen Mieten und Essenspreisen.

Eine ganz normale Nutzung des Lohngefälles. Dies tut die gesamte globale Wirtschaft, und ich sehe nichts Verkehrtes darin. Ich tue das auf meine Weise auch.

Nix wirklich Neues: Altes Arbeiten mit neuer Datenleitung

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Bangkok / Krungthep

Was ich bisher über Digitale Nomaden gelesen habe, läuft hinaus auf verschiedene Arten des Remote-Arbeitens. Ob man administrative Arbeiten online erledigt oder ein Dropship-Business über das Internet betreibt, das ist alles alter Traubensaft in neuen Kabeln.

Telefonische Beratung gibt es schon lange, und jetzt läuft es halt über Skype.

Die verflixte Wirklichkeit: Es bleibt eben schwierig

Wie mein großer Held Walter Giller in „Locker vom Hocker“ immer wieder sagte: „Tja, meine Damen und Herren – es bleibt eben schwierig.“ Das gilt online wie offline.

Was in der digitalen Welt ebenso oft vergessen wird wie in der Offline-Welt: Damit ein Unternehmen langfristig als Unternehmen funktionieren kann, braucht es zahlende Kunden. Keine Kunden, kein Business.

Jedes Business erfordert viele unangenehme Konfrontationen und Tätigkeiten, die man verabscheut. In meinem Fall mit mildem Asperger ist es das Netzwerken. Für andere ist es Buchhaltung oder Verkehr mit Behörden.

Um einige widerwärtige Aspekte und Krötenschluckerei kommt man auch als Digitaler Nomade nicht herum.
Voraussetzung ist auch, dass man ein Produkt oder eine Dienstleistung hat, die sich überhaupt digital anbieten lässt.

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Chiang Mai, Thailand, ein beliebter Hub der Digitalen Nomaden

Die digitalen Produkte

Dies sind vorrangig Info-Produkte, Lernprodukte und Beratung.

Gemüse rein digital anzubauen ist meines Wissens bisher niemandem gelungen. Auch die digitale Schafzucht gestaltet sich schwierig.

Daraus folgt: Es können nicht alle digitale Unternehmer werden, sonst gibt’s bald nix mehr zu futtern.

Es ist wahr, dass man ein ebook beliebig oft verkaufen kann – wenn es denn jemand kauft. Meistens arbeitet man sich den Arsch ab, und das Ergebnis interessiert absolut niemanden.

Info-Produkte und Beratung laufen in den USA nach dem, was ich gehört habe, besser als in Deutschland, wo man den „Neuen Medien“ noch vorsichtig gegenüber steht.

Das Meiste ist nach meiner Meinung auch nicht besonders toll.

Ein „Coach“? Ein „Berater“? Schnell in Deckung!

Nach meiner inzwischen Opa-haften (Jahrgang 1969) Lebenserfahrung, sind die allermeisten Coaches selbst stark lebensuntauglich und haben bestenfalls seichte Ahnung von ihrem Thema. Ich wollte selbst mal Coach werden, erkannte aber glücklicherweise das monumentale Ausmaß meiner eigenen Inkompetenz, um mich gerade noch rechtzeitig von diesem Plan zu heilen.

Wenn ich irgendwo „Persönlichkeitsentwicklung“ lese, übersetze ich das mit „bestenfalls lauwarme Luft, wahrscheinlich neurotisches Gelaber“ und eile zum Notausgang.

Die Leute, die ich in meiner Coaching-Ausbildung (ja, ich habe eine gemacht und dann zu 90% in die Tonne fallen lassen, wo sie hingehört) getroffen habe, die „Berater“ sein wollten, würde ich größtenteils nicht mal in die Nähe meines Business lassen.

Als ich 2009 mein eigenes e-book zur Kundengewinnung für Kleinstunternehmer und Freiberufler schrieb, hatte ich immerhin knapp 12 Jahre Erfahrung als Kleinstunternehmer und Freiberufler auf dem Buckel und konnte auf eine ganz gute Erfolgstrecke verweisen (kurz bevor ich mich in die Pleite wirtschaftete). Inzwischen biete ich das Buch gratis an.

Des Kaisers neues Theme-Design

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Oder wie wäre es mit Kuala Lumpur?

In der schönen Online-Welt ist es genauso wie in der Offline-Welt, dass immer wieder Leute glauben, wenn ich eine Katze einen Fisch nenne, dann kann sie alleine dadurch beliebig lange tauchen.

Und auch bei den Digitalen Nomaden gibt es sicherlich einige, die auf der Flucht sind vor unangenehmen Seiten ihrer selbst und vor selbstgemachten und anderen Problemen.

Dann gibt es schicke Begriffe wie „Vision“ (ach Gottchen, jaja…) und „Selbstverwirklichung“ (vorzugsweise durch Frührente).

Das ist halt alles Warmluft.

Das Unternehmerleben besteht ebenso wie das Arbeitnehmerleben aus schönen und weniger schönen Dingen, inclusive der eigenen und fremden Neurosen, die wir ständig bedienen müssen und wo wahrscheinlich 90% aller Wertschöpfung hinfließen.

Entweder ich stelle einen Wert zur Verfügung, für den andere einen Teil ihres Geldes eintauschen wollen, oder eben nicht. Das fällt manchen Menschen leicht, für mich war es ein jahrelanger Kampf gegen das materielle Verwöhntsein.

Die süßen und bitteren Wahrheiten des Drahtlosen Lebens: wirelesslife

Eine hervorragende und vor allem differenzierte Auseinandersetzung mit dem Leben als Digitaler Nomade bieten die Artikel des Blogs von Sebastian Kühn, „wirelesslife.de“.

Sebastian Kühn liefert keine „garantierten“ Schnell-Erfolg-Rezepte oder ähnlichen Unfug. Er bietet eine neue Perspektive, einen neuen Lebensstil.

Ich wage sogar an dieser Stelle zu behaupten, er bietet ein spirituelles Konzept, ein Begriff, mit dem ich sehr sparsam umgehe. Er bietet ein neues Denken, eine neue Lebensorganisation.

Sebastian Kühn schreibt von einem neuen Verständnis von Arbeit und Zusammenarbeit.

Er hat erkannt, was in den USA schon deutlich mehr Menschen erkannt haben, was im erstarrten Deutschland aber erst nach und nach gesehen wird: Der „traditionelle“ Lebenslauf hat schon lange ausgedient und macht keinen Sinn mehr. Eine schnellere Welt braucht beweglichere Strukturen, lebenslanges Lernen ersetzt formalisierte Ausbildungen.

Sebastian berichtet von seinem eigenen ersten Experiment mit der Selbständigkeit, wo er auch das tat, was viele Gründer bereits getan haben: Formalien erfüllen, formelle Strukturen schaffen, statt sich vorrangig um den Kundenwert zu kümmern.

Ob Arbeit nun immer „Spaß“ bringen soll, muss, kann oder nicht, darüber gibt es verschiedene Meinungen. In unseren vollgefressenen Gesellschaften des Nordwestens mit Übergewicht und Autos mit Arschheizung ist die Forderung nach Spaß und „Verwirklichung“ (weiß irgendjemand, was das eigentlich heißen soll?) die nächste Stufe der Bedürfnishierarchie.

Ob das zu einem erfüllteren Leben führen wird oder nur dazu, dass wir verwöhnten Weicheier von den abgehärteten Russen und Südostasiaten einfach weggeklatscht werden, wird sich zeigen oder auch nicht. Denen ist nämlich Spaß und Verwirklichung zum großen Teil egal, aber sie wissen, wie man hart arbeitet.

Gary Vaynerchuk hat mehrfach darauf hingewiesen, dass er, ethnischer Belarusse, die aufgeweichten Fettgesichter, die den größten Teil der westlichen Bevölkerung stellen, einfach hinter sich lässt, weil er stringenter und disziplinierter arbeitet. Ich darf das sagen, weil ich selbst ein aufgeweichtes Fettgesicht bin (Stand: März 2017).

Der Kampf um Kunden: So landen Sie gezielte Treffer mit Facebook, Twitter & Co

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Ehrlich und differenziert

Jetzt, da größere Mengen Digitaler Nomaden um die 10 Jahre lang unterwegs sind, wird sichtbar, wo die Erfolge und Misserfolge liegen. Damit setzt sich der Blog wirelesslife.de auch kritisch auseinander.

Wie man auf dem Blog an den Gastautoren sieht, es gibt doch eine ganze Reihe Digitaler Nomaden, die ihr Auskommen haben, während sie vor allem zwischen Orten mit niedrigen Lebenshaltungskosten pendeln.

Und kritische Stimmen kommen auch zu Wort, etwa über das Glaubwürdigkeitsproblem der Szene.

Echtes Netzwerken und echter Mehrwert

Aus meiner Sicht gibt es sehr wenige Anbieter, sowohl in der analogen als auch in der digitalen Welt, die es schaffen, einen echten Mehrwert zu bieten.

Sebastian Kühn gelingt dies. Neben seinen digitalen Produkten bewegt er auch Menschen und Beziehungen in der materiellen Welt. Ich habe dabei den Eindruck, dass er dabei tiefgehend nachdenkt und nicht auf den schnellen Euro aus ist.

Mit seinen „Workations“ bringt er Menschen zum Austausch zusammen, ohne aber dabei den fetten Reibach zu machen.

Es gibt Beiträge mit konkreten Gebrauchsanweisungen und Tips, die sich in realen Situationen tatsächlich anwenden lassen.

Er netzwerkt mit verschiedenen Profis, darunter Vladislav Melnik vom affenblog, eine DER Top-Adressen für Online-Marketing.

Ich hatte wirelesslife bereits Anfang 2017 in meinen tweet-Loop aufgenommen und poste auf Twitter regelmäßig Artikel von dort, weil ich sie einfach gut und nützlich finde, auch wenn ich selbst kein Digtaler Nomade bin.

Am Ende ist das Leben Offline!

Wer in der realen, materiellen, fühlbaren Welt keinen Nutzen bringt, ist schneller weg, als er da war.

Wie hübsch auch die digitale Aufmachung sein mag, wenn der materielle Nutzen sich nicht manifestiert, was soll ich dann damit?

Wie jeder Markt, so sortiert sich auch der Markt der digitalen Anbieter nach einer euphorischen Startphase in diejenigen, die ihre Kunden finden, und diejenigen, denen das nicht so gut gelingt. Das hat nichts mit „besser“ oder „schlechter“ zu tun. Wenn das so wäre, würde mehr Chopin im Radio laufen.

In diesem Sinne:

HAVE FUN!

Artikelbild: StockSnap

Weitere Bilder – Tallinn: sharonang, Chiang Mai und Bangkok: sasint, Kuala Lumpur: Walkerssk
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