Gender-Gaps

Seit etwa Sommer 2016 verfolge ich diverse Diskussionen zum Thema der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

Zuerst folgte ich mehreren Diskussionen auf Facebook. Ich recherchierte ein bisschen selbst und beschloss dann, meine Teilnehmer-Gruppen anonym zu diesen Themen befragen. Die Antworten waren von Kurs zu Kurs sehr ähnlich.

In diesem Artikel gehe ich auf 3 Themen ein:

  1. Kompetenzvermutung: Wird Frauen weniger zugetraut?
  2. Pay Gap: Erhalten Frauen weniger als Männer für die gleiche Arbeit?
  3. Sexuelle Belästigung: Wo ist die Grenze?

Zu den Themen gebe ich zum Einen meine persönlichen Eindrücke wieder und zum Anderen die Ergebnisse meiner Befragungen. Das sind keine wissenschaftlichen Statistiken, eher ein Stimmungsbild. Schließlich berichte ich über meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema, die naturgemäß weniger umfassend sind als eine Massenstudie.

Die Befragten sind Frauen größtenteils im Alter von 40 bis 50, viele mit Kindern, die vorwiegend auf Sachbearbeiter-Ebene gearbeitet haben und auch weiter arbeiten wollen.

Teil 1: Kompetenzvermutung

Ich entdeckte eine Facebook-Diskussion, in der behauptet wurde, Frauen würde generell immer und überall weniger zugetraut, weil sie Frauen sind.

Ich startete eine Recherche dazu und fand nichts Aussagefähiges. Also fragte ich in der Diskussion nach, ob es dazu wissenschaftliche Studien gäbe. Mir wurde ein Link geschickt zu einer Studie, die ich aber für etwa 100 US-Dollar kaufen müsste.

Damit hatte ich allerdings die Stichworte für meine Suche: „Gender based inference of competence“. Mit diesen Suchbegriffen kam ich auf eine Studie aus dem akademischen Bereich, in welcher tatsächlich geschlechtsspezifische Unterschiede in der Kompetenzvermutung beschrieben wurden –in BEIDE Richtungen. Das heißt, in manchen Fällen wurden Frauen von Männern als weniger kompetent eingestuft, in manchen Fällen wurden Männer von Frauen als weniger kompetent eingestuft.

Als ich wiederum diesen Link in die Diskussion einfügte, kam nichts mehr.

In Steuerkanzleien, in denen ich viel gearbeitet habe, sagten mir einige Berater, dass sie für Buchhaltung und Lohnabrechnung Frauen vorziehen, weil diese das besser könnten.

Meinung der Teilnehmerinnen: Vorwiegend nein

Wenn ich Teilnehmerinnen meiner Kurse befragte, antwortete die Mehrheit, ihnen würde nicht weniger zugetraut, weil sie Frauen sind.

Einige machten Unterschiede je nach Branche und Umfeld. So berichtete eine weibliche Führungskraft aus der IT, sie hätte es schwer gehabt, sich gegen die Männer durchzusetzen.

Meine eigenen Erfahrungen: Frauen können vieles besser

Ich habe mit meinem eigenen Einzelunternehmen seinerzeit (1998-2009) sechs oder sieben Leute beschäftigt, nicht zugleich, sondern nacheinander, für befristete Aufgaben.

Meine Erfahrung war, dass die Frauen bessere Leistungen lieferten, weniger nachfragen mussten und insgesamt einfacher in der Kommunikation waren.

Eine Studentin hätte ich sehr gerne als Unterstützung behalten, aber sie landete dann einen hochbezahlten Berater-Job bei einem bekannten Unternehmen. Ihr konnte ich auf einfach mal Video-Rohmaterial geben und sie machte daraus ein gescheites Vortrags-Video, oder sie gab solide Tips zur Kommunikation, die dann auch funktionierten.

Die männlichen Mitarbeiter waren auch OK, brauchten aber mehr Erklärungen, um etwas hinzukriegen.

Im Sommer 2018 bin ich mit einem Buch und einem Internet-Projekt befasst, an denen jeweils auch eine Frau beteiligt ist. Deren Mitwirkung ist von allerhöchster Qualität.

Teil 2: Gender Pay Gap

Was ist jetzt dran am Gender Pay Gap?

Erhalten Frauen deutlich weniger Geld für die gleiche Arbeit?

Der Faktenfinder der Tagesschau unterscheidet zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Pay Gap.

Auch in der ZEIT findet sich eine differenzierte Betrachtung.

Unbereinigt bedeutet: Hier wird nicht berücksichtigt, dass Frauen oft niedriger bezahlte Berufe wählen als Männer, dass sie sich öfter für Teilzeit entscheiden und auch nicht so aktiv in Führungspositionen drängen.

Der unbereinigte Pay Gap in Deutschland lag offiziell in 2014 bei 21,6%.

Wird um Berufswahl, Stundenzahl und Hierarchieposition bereinigt, so soll, je nach Quelle, ein Unterschied von 5,5% bis 6% herauskommen.

Meinung der Teilnehmerinnen: Vorwiegend ja

Beim Befragen meiner Teilnehmerinnen kam etwas anderes heraus. Etwa zwei Drittel sagten, sie hätten für gleiche Arbeit um die 15% weniger Geld brutto erhalten als männliche Kollegen.

Um die 20% sagten, sie hätten bis zu einem Drittel weniger erhalten.

Einige sahen keinen Unterschied, und eine sagte, sie hätte mehr Brutto erhalten als ihr eigener Mann, für den gleichen Job beim gleichen Arbeitgeber.

Nun decken meine Befragungen nicht die gesamte Demographie ab und erst recht nicht das gesamte Spektrum der Gehaltsniveaus. Ich habe auch keine präzise Wissenschaft betrieben und auch keine exakten Zahlen notiert. Das ist alles ungefähr.

Aber die oft geäußerte Behauptung, der Pay Gap sei „ein Mythos“ oder „Bullshit“, scheint mir nicht mehr haltbar.

Meine eigenen Erfahrungen: Mehr Leistung, mehr Nutzen, mehr Geld

Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, nach meiner Erfahrung performten die Frauen in meinem eigenen Unternehmen besser. Deshalb gab ich ihnen auch nach kurzer Zeit mehr Geld.

Teil 3: Sexuelle Belästigung: Wo ist die Grenze?

Die meisten normal denkenden Menschen würden wohl zustimmen, dass zusammenhanglose Griffe an Brüste oder Schritt ganz klar sexuelle Belästigung sind, soll heißen, nicht im Zusammenhang mit einem freiwillig einvernehmlich herbeigeführten intimen Beisammensein.

Was mich überrascht hat war die Initiative, auch verbale Äußerungen als sexuelle Belästigung zu bezeichnen. Bei offensichtlichen Schimpfworten oder abwertenden Bezeichnungen kann ich das zumindest nachvollziehen. Ich kann auch nachvollziehen, dass Komplimente von jemandem, der in der Machthierarchie der Arbeitsstelle über der Frau steht, beunruhigend sein können.

Aber sowas wie „Sie sind hübsch“ von einem, der keinerlei Macht über die Frau hat? Ist das sexuelle Belästigung?

Meinung der Teilnehmerinnen: Überwiegend nein

Fast alle Frauen, die ich befragt habe, auch außerhalb meiner Kurse, haben mir gesagt, ein nicht-anzügliches Kompliment von jemandem ohne Machtgefälle ist keine sexuelle Belästigung.

Nur eine war der Meinung, alle Komplimente, bei denen sie sich subjektiv unwohl fühlt, seien sexuelle Belästigung. Für einen Rechtsstaat ist es natürlich kompliziert, damit umzugehen, wenn subjektive Empfindungen zur Grundlage von Verurteilungen gemacht werden sollen. Das war ihr aber egal. Was ihr nicht passt, ist kriminell. Viel Glück mit der Herangehensweise.

Komplimente von Chefs und Vorgesetzten werden differenziert betrachtet. Kann daneben sein oder auch nicht, das hängt von vielen Faktoren ab.

Genereller Tenor in den Kursen ist, dass die #metoo-Bewegung an vielen Stellen übertreibt und dass dadurch die Situation für Frauen, die statt patziger Worte körperliche Gewalt erfahren haben, schlechter wird, weil sie in der allgemeinen Dauerempörung untergehen.

Meine eigenen Erfahrungen: Kaum brauchbar

Ich habe in meinen abenteuerlichen Jahren ein paar Dinge gesehen und erlebt, die für diesen Blog nicht geeignet sind.

Mich haben schon öfter Frauen in den Hintern gekniffen und als „knackig“ bezeichnet. In der Sauna hat auch mal ein Herr meinen Penis umfasst, als ich im Halbschlaf war. Ich habe ihn freundlich abgewiesen.

All das habe ich offensichtlich überlebt. Als Mann habe ich aber auch keine große Angst in solchen Situationen. Von daher sind meine eigenen passiven Erfahrungen nicht brauchbar in dieser Diskussion.

Wenn ich Komplimente mache, sind diese meistens zahm. Ich habe aber auch Komplimente gemacht, die durchaus eindeutig waren, wenn ich den Eindruck hatte, dass es vertretbar war. Soll heißen: Kein Machtgefälle, keine bedrohliche Situation, und ein bereits etabliertes Maß an Rapport . Seit 2016 tue ich das nicht mehr. Es gibt immer noch Situationen, in denen ich es angemessen fände, aber ich habe keine Lust, mich mit der Dauerempörung zu befassen.

Fazit zu den Gender-Gaps

Wie viel oder wenig Frauen zugetraut wird, hängt offenbar stark vom Umfeld ab, ist aber weniger geschlechtsspezifisch als an anderen Stellen dargestellt.

Der Pay Gap existiert offenbar zumindest in den unteren Einkommenssegmenten stärker als an anderen Stellen berichtet.

Was sexuelle Belästigung angeht, so scheint das Gros der Frauen resilienter zu sein als einige BerichterstatterInnen.

 

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