Gemeinschaftlich arbeiten in der Genossenschaft

Genossenschaft
Gemeinsamkeit

Dieser Artikel befasst sich mit der Unternehmens-Rechtsform der Genossenschaft besonders im Hinblick darauf, in wie weit eine Genossenschaft ein „gesünderes“ Arbeitsumfeld begünstigt.

Für welche Art Vorhaben sind Genossenschaften geeignet?

Welche Vorteile hat die Genossenschaft für diese Vorhaben?

Die Genossenschaft ist eine Rechtsform für Unternehmen, die ihrer Natur nach mehr auf gemeinschaftliche Werte ausgerichtet ist als auf egoistisches Gewinnstreben.

Die Genossenschaft ist eine Kapitalgesellschaft. Sie unterliegt somit auch strengeren Regeln der Buchführung als Personengesellschaften und muss ihren Jahresabschluss offenlegen.

Sie unterliegt der Körperschaftsteuer; Ausschüttungen des Gewinnes unterliegen fast den gleichen Regeln wie bei anderen Kapitalgesellschaften, mit einigen wenigen Ausnahmen.

Ein Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben.

Genossenschaften müssen gesetzlich Mitglieder eines Prüfungsverbandes werden, dort eine Aufnahmegebühr zahlen und ihre Jahresabschlüsse dort prüfen lassen.

Bei der Aufnahme von Gesellschaftern in eine Kapitalgesellschaft entsteht ein relativ großer bürokratischer Aufwand, u.a. ist der Gang zum Notar zwingend. Bei der Genossenschaft ist dies nicht der Fall. Mitglieder können eintreten und austreten; dies wird lediglich über eine Mitgliederliste dokumentiert.

Anders als bei anderen Rechtsformen, steht die Gewinnoptimierung der Genossenschaft nicht im Vordergrund, sondern die Förderung des Wohles der Genossen (Mitglieder). Die Genossen können Privathaushalte sein oder Unternehmen.

In den Wirtschaftswissenschaften unterscheidet man 2 Arten von Genossenschaften:

  1. Fördergenossenschaften: Fördern die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder. Die meisten Mitglieder sind aber keine Mitarbeiter der Genossenschaft
  2. Produktivgenossenschaften: Das Unternehmen stellt ein Produkt her bzw. bietet eine Dienstleistung. Die Genossen sind die Mitarbeiter.

Die traditionellen Werte der Genossenschaft sind:

  • Selbsthilfe (Die Mitglieder helfen sich selbst als Gruppe)
  • Selbstverantwortung (Mehr Freiheit bedeutet mehr Verantwortung)
  • Demokratie (Mitglieder haben Stimmrecht)
  • Gleichheit (Mitglieder sind weitgehend rechtlich gleichgestellt)
  • Billigkeit (Es soll nach allgemeinem Gerechtigkeitsempfinden gehandelt werden)
  • Solidarität (Die Mitglieder verfolgen eine gemeinsame Sache und den Vorteil aller Mitglieder)

Bei den meisten Genossenschaften geht es darum, einen Wert für die Genossen zu schaffen, den der Einzelne allein nicht schaffen könnte.

Aus einem Werbespot der Volksbanken: „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“

Sehr deutlich ist dies z.B. bei den Wohnungsbaugenossenschaften, die mit vereinten Kräften ein günstiges, modernes, gepflegtes Wohnen schaffen können, in Mietshäusern, die der Einzelne nicht finanzieren und instand halten könnte.

Eine sehr erfolgreiche Genossenschaft ist z.B. die DATEV, die Buchhaltungs-Software für ihre Genossen – im Wesentlichen Steuerberater – zur Verfügung stellt.

Die Geschichte der DATEV begann mit der Überlegung, dass Buchhaltung mit Computern eine große Arbeitserleichterung sein würde, allerdings zu einer Zeit, als Computer riesengroß und für einzelne Steuerberater unbezahlbar waren.

Die DATEV stellte damals also hauptsächlich Rechnerzeit zur Verfügung, zusammen mit einer Software, die, wie das damalige deutsche Steuerrecht, noch nicht allzu komplex war.

Durch den technischen Fortschritt ist die Rechnerzeit weniger interessant geworden, aber die Software der DATEV, die seither stetig weiter entwickelt wurde, gehört zu den besten auf ihrem Gebiet. Bei den Anpassungen der Kontenrahmen und der Software an das aktuelle Steuerrecht ist die DATEV schneller als alle anderen Anbieter von Buchhaltungssoftware.

Sehr klare wirtschaftliche Ziele verfolgen z.B. die Einkaufsgenossenschaften.

Sie können mit erheblicher Marktmacht für ihre Mitglieder – Supermärkte – einkaufen und so natürlich bessere Preise und Lieferkonditionen aushandeln als der Einzelne.

Die bisher größte bekannte Produktivgenossenschaft ist der spanische Mondragón-Konzern im Baskenland, mit Milliardenumsätzen.

Mondragón produziert unter anderem Waschmaschinen, Sportausrüstung und Tierfutter.

Noam Chomsky nannte in einem Interview 1994 Modragón als Beispiel für ein Unternehmen, das von Mitarbeitern geführt wird. Die Mitarbeiter bestimmen hier zwar nicht direkt selbst, aber sie wählen die Manager.

Bei der Produktivgenossenschaft sind die Beschäftigten Miteigentümer und allein deshalb natürlich engagierter als „nur“ Angestellte

Ganz anders als z.B. bei einer Aktiengesellschaft, werden die Geschicke des Unternehmens von den Stimmrechten der Mitglieder bestimmt, nicht von Außenseitern wie Aktionären, die oft sehr weit weg sind und mal mehr, mal weniger vom Business des Unternehmens verstehen.

Außerdem entscheiden die Genossen als Eigentümer selbst, wofür der Gewinn verwendet wird – ob er an die Genossen ausgeschüttet wird oder ob er z.B. für Modernisierungen oder Expansion verwendet wird.

Sie sind ihre eigenen Führungskräfte bzw. wählen ihre Führungskräfte. So wird es die Tendenz geben, niemanden zu wählen, der völlig unrealistische Gewinnerwartungen hat und unsinnige Ziele vorgibt – wie dies manchmal bei sogenannten „Top-Managern“ vorkommt.

Demnach eignet sich die Rechtsform der Genossenschaft für alle, die solidarisch arbeiten wollen und gemeinsam entscheiden wollen, wie der gemeinsam erarbeitete Mehrwert verwendet wird.

Bild: EME

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