Der Kapitän bleibt an Bord: Die Eigenverwaltung bei der Regelinsolvenz

Text: Katharina Lange

Gerade wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten ist, hat es Sinn, das Steuer in fachkompetente, erfahrene Hände zu legen. Im Insolvenzverfahren ist der Normalfall aber anders. Der Insolvenzverwalter übernimmt die Verantwortung, weil – so die Idee des Gesetzgebers – die Geschäftsleitung ja schließlich bewiesen hat, dass sie überfordert ist.

Allerdings ist in der Insolvenzordnung (InsO) auch eine Alternative beschrieben, die Eigenverwaltung. Sie ist interessant, wenn eine konkrete Perspektive zur Sanierung und Fortführung des Unternehmens gegeben ist. Zudem ist sie deutlich kostengünstiger als ein reguläres Insolvenzverfahren. Durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) wurden die Möglichkeiten zur Eigenverwaltung gestärkt.

Sachwalter statt Insolvenzverwalter

Die Insolvenz in Eigenverwaltung (§§ 270 bis 285 InsO) wird nur auf Antrag des Schuldners, also des Unternehmens, das in die Insolvenz gehen will, gewährt. Erst wenn sowohl die Gläubiger als auch das Insolvenzgericht zugestimmt haben, kann eine Insolvenz in Eigenverwaltung durchgeführt werden, erläutert das kostenlose E-Book zur Regelinsolvenz von www.finkonzept.com.

Um hier kein Risiko einzugehen, sollte der Antrag sorgfältig vorbereitet sein. Ein hinzugezogener Sanierungsberater und Insolvenzfachmann weiß, worauf die Gerichte besonders achten, um festzustellen, ob eine Insolvenzverwaltung in Eigenregie überhaupt Erfolg haben kann, ob das Unternehmen Aussicht auf Rettung bietet und die Geschäftsleitung genügend Zuverlässigkeit ausstrahlt.

Er kennt auch die Möglichkeiten, die eine Insolvenz bietet, zum Beispiel die vorzeitige Kündigung von Miet- und Arbeitsverträgen. Ist der Antrag nicht völlig aussichtlos und sind keine Gründe bekannt, die gegen die Eigenverwaltung sprechen, sollte das Insolvenzgericht bereits im Eröffnungsverfahren einen vorläufigen Sachwalter anstelle eines Insolvenzverwalters bestimmen (§ 270a InsO). Der Sachwalter kontrolliert die Geschäftsführung des Unternehmens und dessen wirtschaftliche Lage.

Er ist also im Interesse der Gläubiger tätig, hat aber weit weniger Befugnisse als ein regulärer Insolvenzverwalter. Im Gegenzug erhält er nur 60 % der Vergütung, und das bedeutet, für die Gläubiger bleibt mehr übrig, um Kredite zu tilgen oder andere Verbindlichkeiten zu begleichen.

Sanierung unter einem Schutzschirm

Ein Sonderfall ist das 2012 neu in das Insolvenzrecht aufgenommene sogenannte Schutzschirmverfahren (§ 270b InsO). Das Schutzschirmverfahren ist möglich, wenn der Schuldner zwar noch nicht zahlungsunfähig ist, der Insolvenzantrag aber wegen drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung bereits gestellt wird.

Auch im Schutzschirmverfahren wird ein Sachwalter statt eines Insolvenzverwalters bestellt. Ziel ist das Erstellen eines Insolvenzplans, nach dem eine Sanierung vorgenommen wird. Der große Vorteil ist auch hier, dass die bisherige Leitung im Amt bleibt und die Geschäfte kontinuierlich weitergeführt werden.

Unterstellt, ein Insolvenzverwalter würde eingesetzt und die Sanierungsbemühungen hätten Erfolg, müsste sich nach Aufhebung der Insolvenz die ehemalige Führung erst mühsam wieder einarbeiten.

So läuft die Eigenverwaltung ab

Für die Vorbereitung des Antrags sollten mindestens zwei, vor allem bei größeren Unternehmen besser vier bis sechs Wochen eingeplant werden. Hat das Gericht der Eigenverwaltung bzw. dem Schutzschirmverfahren zugestimmt, wird ein Insolvenzplan erarbeitet. Auch das dauert einige Wochen. Ein Ziel ist die Entschuldung des insolventen Unternehmens.

Deshalb erhalten die Gläubiger in der Regel auch nur Quoten zwischen 5 % und 20 % ihrer Forderung, wenn keine besondere Sicherung besteht. Auf den Rest müssen sie verzichten. Mindestens genauso wichtig ist aber, das Unternehmen für die Zukunft wieder wettbewerbsfähig aufzustellen – ansonsten ist die nächste Insolvenz vorprogrammiert.

Bis zur Abstimmung der Gläubigerversammlung über den Insolvenzplan vergehen meist zwei bis drei Monate. Der Berater sollte vorab mit den wichtigsten Gläubigern gesprochen haben, sodass einer Zustimmung und der Aufhebung der Insolvenz nichts mehr im Wege steht.

 

Bild: Captain Rosemary B.Mariner, US Navy, Public Domain

 

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