Das Leben ist Lernen: Meine Blogthemenbiographie

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade, zu welcher Steffi von stefleifotografie aufgerufen hat. Es geht darum: Wie habe ich mich in Bezug auf mein Blogthema entwickelt? Was habe ich gelernt, was will ich noch lernen?

Eine Auswahl aus den Fragen von Steffi:

  1. Warum fesselt Dich ausgerechnet Dein Thema?
  2. Wie bist Du dazu gekommen?
  3. Welche Erlebnisse und Erfahrungen (gut und schlecht) haben Dich besonders geprägt?
  4. Wo und wie hast Du besonders viel über Deine Leidenschaft gelernt?
  5. Was machst du heute anders als früher?
  6. Welche Steine lagen Dir im Weg?
  7. Welche Schritte würdest Du heute überspringen?
  8. Warum betreibst Du Deine Leidenschaft heute so, und nicht anders?
  9. Wo willst Du hin?…

Frage 1: Warum fesselt Dich ausgerechnet Dein Thema?

Vielleicht ist „Fesseln“ das falsche Wort. Was mich immer interessiert hat, war Lernen und Entwicklung von Menschen.

Wie komme ich von dem Ort, an dem ich bin, zu dem Ort, an den ich gelangen will? Wie lerne ich schnell? Wie kann ich anderen helfen, schnell zu lernen? Auf welchen Ebenen ist Lernen überhaupt möglich, oder gibt es Themen, bei denen Lernen mich nicht weiter bringt bzw. wo das Lernen auf einer anderen Ebene stattfinden muss?

So erhielt ich in meinen Zwanzigern sehr oft das Feedback, ich sei theatralisch, übertrieben, unecht und beziehungsunfähig – während ich selbst meinte, ich sei völlig authentisch. Da blickte ich überhaupt nicht durch und konnte damit gar nichts anfangen, war verzweifelt. Bis ich meinen Mentor Warren Barigian traf.

Er bezeichnete sich als „Lehrer“ und seine Klienten als „Schüler“, aber er „unterrichtete“ nicht in dem Sinne, wie die meisten von uns es verstehen. Er „unterwies“ den Körper seiner Klienten in einer Reihe extrem unvergnüglicher Körperübungen und gab dem Wort „Schmerz“ eine ganz neue Erfahrungsdimension.

Warum auch immer, danach hatte mein Körper „gelernt“, anders zu sein und anders zu fühlen. Nun erhielt ich das Feedback, ich sei ausgeglichen und sehr authentisch.

Selbst unterrichte ich Rechnungswesen auf einer sehr intellektuellen Ebene. Ich habe den Verdacht, dass noch eine andere Ebene mitschwingt, und manchmal schreiben mir Teilnehmer Mails oder Karten, ich hätte ihnen mehr beigebracht als Rechnungswesen. Das kann ich aber nicht benennen oder klar definieren.

Frage 2: Wie bist Du dazu gekommen?

Meine Mutter war Lehrerin. Mein Vater ist Steuerberater. Und ich lehre nun Menschen einige Inhalte, die auch im Beruf des Steuerberaters zentral sind, plus ein paar andere Inhalte. Vielleicht bin ich wegen dieser Dynamik hier gelandet.

Nachdem ich mein zweites Business in die Pleite getrieben hatte, aus reiner Doofheit, und als der Markt für freie Controller beim Finanzcrash mit crashte, kriegte ich den Tip, ich könne doch gut Themen erklären (ein Feedback, das immer wieder kam), ich solle es doch mit Unterrichten versuchen.

Dienstag bei der ersten Schule vorgestellt, Donnerstag ein Anruf, ich könne Montag anfangen. Seitdem permanente Folgeaufträge, und wegen ziemlich guter Bewertungen, immer weitere Folgeaufträge. Seit November 2009 bis jetzt, September 2018.

Frage 3: Welche Erlebnisse und Erfahrungen (gut und schlecht) haben Dich besonders geprägt?

Ich finde Feedback wichtig, angenehm oder unangenehm.

Angenehmes Feedback bestärkt mich in dem, was ich möglicherweise „richtig“ mache, zumindest in dem, was Teilnehmer gut finden.

Unangenehmes Feedback bringt mich auch weiter.

Erstes Beispiel war mein zweiter Kurs, in dem insbesondere ein Teilnehmer an allem, was ich machte, etwas auszusetzen hatte. Schließlich forderte der Rest der Klasse ihn auf, statt dauerndem Gemecker ein paar konstruktive Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Das tat er auch, und zwar sehr spezifisch und sehr präzise. Diesem Feedback verdanke ich, dass meine Übungsfälle inzwischen ziemlich strukturiert aussehen. Der Teilnehmer hieß mit Vornamen Osama, das stimmt wirklich.

Zweites Beispiel war ein Controller-Kurs bei einer Akademie, die hier vermutlich nicht genannt werden will, der mich tatsächlich von der Kursleitung feuern ließ. Für diesen Kurs arbeitete ich bis tief in die Nacht, um Unterlagen besser zu machen. Ich wurde trotzdem gefeuert, aber jetzt habe ich bessere Unterlagen als je zuvor.

Drittes Beispiel: Ein kleiner Kurs aus sechs Damen, von denen drei auf unsägliche Weise mit ihrer Umwelt umgingen. Kursleitung und andere Kollegen oszillierten ständig zwischen Weinkrämpfen und Nervenzusammenbrüchen, ich hatte Schlafstörungen. Die Ladies fanden an absolut allem, was ich tat oder nicht tat (und was jeder andere tat oder nicht tat), etwas zu bemängeln und benutzten jeden bekannten und unbekannten Trick der psychologischen Manipulation. Es gab nichts Konkretes, was ich tun konnte, aber diese Episode hat mein psychologisches Immunsystem sehr gestärkt.

Frage 4: Wo und wie hast Du besonders viel über Deine Leidenschaft gelernt?

Bereits während des Studiums war Kostenrechnung mein Lieblingsfach.

In der Steuerkanzlei meines Vaters habe ich seinerzeit Buchhaltungen, Jahresabschlüsse, Lohnabrechnungen und Steuererklärungen für Mandanten erstellt und so wurde mir das Thema zur zweiten Natur.

Einer meiner ersten Aufträge in der Kostenrechnung führte mich zu einem besonders beeindruckenden Rechnungswesen-Leiter, der für mich bis heute als Benchmark für top organisiertes Rechnungswesen steht. Ein Jahr später arbeitete ich für einen Steuerberater, der Kundenservice und Präzision als Werte wirklich pflegte, und auch wenn die Interaktionen mit ihm nicht nur angenehm waren, sehe ich ihn als Vorbild. Noch ein Jahr später kam ich zu einem Steuerberater, der mich für sehr anspruchsvolle Aufgaben zu seinen Mandanten schickte. Dabei durfte ich dann mein breites Wissen wirklich anwenden.

Und das Unterrichten lernt man am besten beim Unterrichten.

Frage 5: Was machst du heute anders als früher?

Es ist wohl vor allem eine Sache des Alters, dass ich ruhiger geworden bin.

Anfangs habe ich versucht, möglichst viele Inhalte in einen Kurs zu quetschen; das tue ich nicht mehr.

Ich mache weniger Witze im Unterricht, aus verschiedenen Gründen.

Natürlich haben sich meine Unterrichtskonzepte weiter entwickelt, und allein dadurch, dass ich Kurse jetzt besser einschätzen kann, geht vieles einfacher.

Frage 6: Welche Steine lagen Dir im Weg?

„Steine“ in dem Sinne gar nicht. Ich kam auf relativ einfache Weise in diesen Job. Meine Selbständigkeit insgesamt fand ich deutlich steiniger. Ich brauchte 3 Jahre intensive Arbeit, um von Aufträgen ohne Festanstellung leben zu können.

Ich erlebte dabei sehr viel Ablehnung und viele Irrwege. Mein erstes Business krepierte bereits auf der Startbahn. Nummer zwei war dann relativ schnell airborne, brauchte aber auch 2 Jahre, um die volle Reiseflughöhe zu erreichen. Durch Doofheit und Kurzsichtigkeit warf ich dann selbst genügend Steine, um mich zum Absturz zu bringen.

Frage 7: Welche Schritte würdest Du heute überspringen?

Was den Rechnungswesenlehrer angeht, so würde ich es wieder genau so machen.
Bei meiner Selbständigkeit allgemein hätte ich Business Nr. 1 gar nicht erst gestartet, weil ich mit meinem heutigen Wissen gleich gesehen hätte, dass das nichts wird, weil es zu wenig Kunden gibt, die das interessiert.

Frage 8: Warum betreibst Du Deine Leidenschaft heute so, und nicht anders?

So, wie ich es jetzt mache, hat es sich bewährt.

Die meisten Teilnehmer finden gut, was ich mache, und sie lernen etwas. Aus den Rückmeldungen, die ich erhalte, entnehme ich auch, dass ich die Themen im Detail so wähle, dass sie im späteren Berufsalltag nützlich sind.

Frage 9: Wo willst Du hin?

Ich will ab spätestens Frühjahr 2019 auch wieder Controller-Aufgaben erfüllen.
Wäre auch toll, wenn ich meine eigenen Workshops zu konstruktiver Kommunikation wieder anbieten könnte bzw. wenn dabei sogar mal Geld herauskommt.

 

Bild von unsplash: milkovi

 

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...
Print Friendly, PDF & Email

2 Kommentare

2 Trackbacks / Pingbacks

  1. Schreib doch mal die Biografie Deines Blogthemas! – Steflei Fotografie – der Blog
  2. Schreib doch mal die Biografie Deines Blogthemas – Die Auswertung – Steflei Fotografie – der Blog

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*