Cash Flow: Eine leichtsinnige Kennzahl

„Herr Meneikis, können Sie mal aufhören mit Ihrem Realismus? Sie ruinieren all unsere schönen Illusionen!“
(Ein Kritiker)

Ich behaupte: Wer die eigenen Ideen vom Gewinn und vor allem seine Gewinn-Entnahmen auf dem Cash Flow basiert, rechnet zu optimistisch. Schlimmstenfalls verzehrt er mittelfristig die Substanz seines Unternehmens.

131128-cash-flow-formelDer Cash Flow ist (akademisch) der „zahlungswirksame Gewinn“. Man rechnet den Aufwand heraus, der nicht unmittelbar zu Geldabflüssen führt.

Konkret vor allem Abschreibungen und Zuführungen zu langfristigen Rückstellungen.

So soll der Gewinn ermittelt werden, der in Geld im Unternehmen bleibt.

Dies ist aber sehr voreilig. Im Moment der Abschreibung eines Anlagegutes fließt kein Geld aus dem Unternehmen, das ist richtig.

Aber bei der Anschaffung des Anlagegutes ist sehr wohl Geld aus dem Unternehmen geflossen. Und die Abschreibungen werden in die Preise einkalkuliert, damit Geld zurückfließt, damit später ein neues Anlagegut gekauft werden kann, wenn das bisherige abgenutzt ist.

Wird das Geld aus den Abschreibungen also nicht für neues Anlagevermögen verwendet, wird die Substanz des Unternehmens abgebaut.

Ein ähnliches Problem gibt es mit den langfristigen Rückstellungen. Welche Rückstellungen sind denn langfristig? Im Wesentlichen Pensionsrückstellungen und Garantierückstellungen.

Bei den Garantierückstellungen besteht das Risiko, dass jederzeit ein größerer Garantiefall eintritt und dass das Geld benötigt wird.

Bei den Pensionsrückstellungen scheint es nur so, als würde im Moment der Einbuchung der Rückstellung – Altersvorsorgeaufwand an Pensionsrückstellung – kein Geld abfließen. Tatsächlich fließt Geld an ganz anderer Stelle ab, auf ganz anderen Konten, vorrangig bei dem Aufwand für die Rückdeckungsversicherung, die für fast alle betrieblichen Pensionen abgeschlossen ist (der sich dann wieder in einen Vermögensgegenstand verwandelt).

Das Geld bei den „nicht zahlungswirksamen“ Aufwendungen fließt also nicht unmittelbar ab, aber mindestens mittelfristig wird es benötigt, um die Substanz des Unternehmens zu erhalten.

Unternehmer sollten sowieso nicht zu viel Gewinn entnehmen. Aber wer den Cash Flow entnimmt, verzehrt die Substanz seines Unternehmens.

 

Titelfoto: Capri23auto

 

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