Alternatives und nachhaltiges Wohnen im Earthship

Wohnen in einem Gebäude, das ein eigenes kleines Ökosystem ist, integriert in das große Ökosystem darum herum? Und dabei auch noch Müll beseitigen, statt neuen Müll zu verursachen?

Eine der ersten alternativen Bauweisen, auf die ich während meiner Recherchen stieß, war die der Earthships.

Dies sind Gebäude, die weitgehend autark sind, ihren eigenen Wasserkreislauf haben, ihren eigenen Strom erzeugen und eine eigene kleine Landwirtschaft betreiben. Heizung im Winter sowie Kühlung im Sommer erfolgen ohne Brennstoffe oder Elektrizität, durch ein ausgeklügeltes System, das einfach physikalische Gesetze nutzt.

Ein ganz neuer Ansatz

Begründer Michael Reynolds entwickelte eine völlig neue Bauweise, mit ganz neuen Ansätzen. Damit wurde er von Architekten-Kollegen ausgelacht und beschimpft, gar als „Schande für die Zunft“ bezeichnet. Zwischenzeitlich entzog man ihm sogar die Lizenz.

Als besonders radikal und schamvoll wurde seine Idee betrachtet, unter anderem Zivilisationsabfälle als Baumaterial zu nutzen.

Bei den ersten Bauten gab es zahlreiche Schwierigkeiten. Die Entwicklung der Bauweise erfolgte durch einen längeren Prozess von Versuch und Irrtum.

Reynolds war von Anfang an klar, dass es ein längerer experimenteller Prozess sein würde, die wesentlichen Elemente der Bauten ausreichend zu entwickeln. Manche seiner Kunden erkannten dies auch und ließen sich auf das Experiment ein. Andere reagierten auf die unausweichlichen Probleme weniger entspannt und verklagten ihn.

Der Durchbruch nach intensiven Schwierigkeiten

Schließlich startete er ein Pilotprojekt in New Mexico. Der US-Bundesstaat New Mexico  gehört zusammen mit Colorado und Kalifornien zu den Staaten, die Neuerungen gegenüber schnell aufgeschlossen sind. Bald darauf stand eine Earthship Community in Taos, New Mexico.

Später entstanden Earthsips in Südamerika, z.B. Guatemala, und auch in verschiedenen europäischen Ländern.

Die Bauweise der Earthships basiert auf 6 Prinzipien:

  1. Thermalmasse als Wärmespeicher
  2. Bauen mit Zivilisationsabfällen
  3. Erneuerbare Energiequellen
  4. Mehrfachverwendung von Wasser
  5. Abwassernutzung
  6. Erzeugung von Nahrungsmitteln

Alles davon direkt vor Ort und als Teil des ökologischenKreislaufs.

Prinzip 1:Thermalmasse als Wärmespeicher

Die Wände eines Earthship sind sehr dick, viel dicker als die eines konventionellen Hauses. Man baut aus Thermalmasse, teilweise Erde, teilweise Wasser (in versiegelten Glasflaschen), welche die Wärme länger speichert und langsam wieder abgibt.

Prinzip 2: Bauen mit Zivilisationsabfällen

Ein wesentlicher Bestandteil der dicken Nord-, West- und Ostwände sind typischerweise gebrauchte Autoreifen, gefüllt mit komprimierter Erde.

Die dünnere Frontwand ist üblicherweise nach Süden gerichtet und besteht aus Beton, gefüllt mit leeren Getränkedosen oder Plastikflaschen. Hauptbestandteil der Südfront sind allerdings Fensterscheiben.

Prinzip 3: Erneuerbare Energiequellen

Der Großteil des Stromes wird über Photovoltaik (Sonnenenergie) erzeugt, teilweise Windenergie.

Bestandteil der Stromversorgung ist ein besonderes Modul zur Speicherung und Verteilung der Elektrizität, das „Power Organizing Module“ (POM). Ein Teil der elektrischen Geräte wird, wenn möglich, über Gleichstrom betrieben, weil dies das Management vereinfacht.

Die Erhitzung von Wasser erfolgt, so weit möglich, durch Sonnenenergie.

Prinzip 4: Mehrfachverwendung von Wasser

Regenwasser wird aufgefangen und mit natürlichen Materialien (z.B. Kies) gefiltert. Nur der Teil des Wassers, der als Trinkwasser verwendet werden soll, wird durch einen weiteren Filter gereinigt. Das Trinkwasser im Haus kommt aus eigenen Wasserhähnen.

Schwächer gereinigtes Wasser wird zum Duschen und Baden u.ä. verwendet.

Nach dem Duschen usw. wird das Wasser in den nächsten Kreislauf geleitet und gelangt so in die Toilettenspülungen.

Prinzip 5: Abwassernutzung

Das Spülwasser aus den Toiletten mitsamt Inhalt wird dann der hauseigenen Pflanzenwirtschaft zugeführt, von wo es dann wieder ins Grundwasser sickert.

Prinzip 6: Erzeugung von Nahrungsmitteln

Bestandteil eines Earthship ist auch eine eigene Pflanzenwirtschaft. Diese kann verwendet werden, um Gemüse und Kräuter anzubauen.

Nach Angaben der Bauunternehmen selbst sind Earthships etwas teurer im Bau als konventionelle Häuser, langfristig aber günstiger wegen der Einsparungen bei Wasser, Strom und Heizung.

In Deutschland ist die Bauweise noch nicht erlaubt (Stand: April 2015). Insbesondere der Wasserkreislauf ist mit den derzeitigen Regelungen nicht in Übereinstimmung.

Die ursprüngliche Bauweise ist naturgemäß nur für wärmere Klimate geeignet. Es gibt aber erste Anpassungen; in den Niederlanden werden bereits erste Earthships bewohnt, und Universitäten befassen sich mit Anpassungen für nordische Regionen wie Dänemark.

 

Titelbild: wikimedia commons, user Erik Wannee, Public Domain

 

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