Alternatives Geld: Alte und neue Modelle

alternatives Geld

Das heutige Geldsystem ist über die Jahrhunderte immer wieder in die Kritik geraten. Es sei ungerecht, ausbeuterisch und unnatürlich.

Das moderne Fiat-Geld sei betrügerisch.

Zur Erklärung: Fiat-Geld, also „Vertrauens-Geld“ bedeutet, dass die Währung nur auf Glauben bzw. gegenseitigem Vertrauen basiert, nicht auf irgendwelchen materiellen Werten, wie z.B. Gold oder Silber.

Was ist an dieser Kritik dran und welche Alternativen gibt es?

In diesem Artikel geht es um die derzeit geläufigen Vorschläge zu anderen Systemen des wirtschaftlichen Austausches.

Ich umreiße zunächst die wesentlichen Punkte der Vorschläge und skizziere grob Argumente dafür und dagegen.

Insbesondere wird immer wieder behauptet, das moderne Geldsystem würde Gewalt erzeugen, und neue, alternative Systeme würden das nicht tun. Werfen wir mal einen Blick darauf.

Ein Punkt, auf den ich in diesem Artikel nicht eingehe, ist die steuerliche Problematik alternativer Währungen. Die Bemessungsgrundlage und Art der Besteuerung von Umsätzen und Gewinnen in Ersatzwährungen ist problematisch.

Hier die grundsätzlichen Konzepte:

  1. Ganz ohne Geld leben
  2. Zinsloses Geld
  3. Edelmetalle
  4. Virtuelles Geld
  5. Regionalwährungen
  6. Tauschwesen

Vorschlag 1: Ganz ohne Geld leben

Das absolute Extrem ist die Abschaffung jeglicher Tauscheinheit. Jeder bringt seine Arbeit in die Gemeinschaft ein, tut das, was er/sie am liebsten mag oder am besten kann, und am Ende profitiert die gesamte Gemeinschaft.

Niemand wird direkt entlohnt. Alles gleicht sich am Ende aus, weil alle teilnehmen.

Dieses Modell hat vermutlich zehntausende von Jahren lang funktioniert. In manchen Kulturen funktioniert es immer noch. Die taz berichtete 2011 vom Stamm der Piraha, bei dem es angeblich ganz gut funktioniert. Wie wahr dies ist, habe ich nicht überprüft.

Allerdings: Viele Befürworter dieses Ansatzes schweben in der Illusion, die Abschaffung des Geldes bedeute die Abschaffung von Besitzneid und Gewalt. Dies stimmte nicht für die steinzeitlichen Frühkulturen, und es stimmt möglicherweise nicht für alle geldlosen Kulturen von heute.

Das Ausmaß der Gewalt in Frühkulturen war vielfach enorm, auch wenn es dort kein Geld gab.

Vorschlag 2: Zinsloses Geld

Kaum ein anderer Mechanismus des Geldsystems wird so intensiv kritisiert wie der Zinseszins. Der Zinseszins führt dazu, dass sich die Geldmenge zwangsläufig immer weiter vergrößern muss, damit sowohl Zinsen als auch Schulden bezahlt werden können.

Diese Aussage ist zunächst mathematisch richtig. Wenn ein Teil des im Umlauf befindlichen Geldes geliehen ist und der Schuldner das Darlehen plus Zinsen zurückzahlen muss, so muss er entweder Geld aus dem Nichts schaffen oder er muss anderen Menschen ihr Geld wegnehmen.

Weiter gedacht, muss er andere Menschen umbringen, damit diese das Geld nicht verbrauchen. Blöd für die Volkswirtschaft: Tote Menschen neigen dazu, recht wenig zu kaufen.

Im Laufe der Geschichte hat es immer wieder Abschnitte mit zinslosem Geldwesen gegeben. Die Tatsache, dass es nicht gewinnbringend war, Geld zu horten, führte zu fortlaufenden Investitionen. Oft war die Folge eine wirtschaftliche Blütezeit.

Hat eine Abwesenheit von Zinsen zur Abwesenheit von Gewalt geführt? Man betrachte die Geschichte des Mittelalters. Es gab in den Zeiten zinsloser Währungen starkes wirtschaftliches Wachstum. Aber Gewaltlosigkeit?

Die Kirche proklamierte immer wieder „Wer Zinswucher betreibt, sei verdammt zur Hölle!“ Ob dies ein gewaltloser Ansatz ist, kann ein Theologe wohl besser beantworten als ich.

Und, warum sollte ein Investor sein Geld zur Verfügung stellen, wenn er nichts dafür bekommt? Wer bezahlt die Kommunikation zwischen Unternehmer und Investor? Wer bezahlt dem Investor sein Risiko? Sollte man den Markt, auch den Geldmarkt, überhaupt mit Verboten belegen?

In der Geschichte kam es auch immer wieder zum Zusammenbruch der Wirtschaft, weil Schulden und Zinsen nicht mehr bezahlbar waren. Wenn irgendwann sowieso alle Schulden gestrichen werden, sind Zinsen auch nicht dauerhaft schädlich.

Ich habe keine endgültige Antwort auf die Frage, ob Zinsen sinnvoll sind oder nicht. In der nächsten Zeit (Stand: April 2015) werde ich mich damit weiter beschäftigen.

Vorschlag 3: Edelmetalle als Geld

Gold und Silber sind seltene Metalle, und weil ihr Wert allgemein anerkannt ist, wurden sie oft als Währung eingesetzt. Bis in die 1960er Jahre waren viele Währungen der Welt durch Gold oder Silber gedeckt, welches in den Tresoren der Staaten lagerte.

Wollte der Staat Ausgaben tätigen, war er auf eine Menge Edelmetall angewiesen. Gab es innerhalb der eigenen Landesgrenzen nicht genug Edelmetalle, musste man ausziehen und einem anderen Staat welche klauen.

Gold unterliegt keiner Inflation, schlimmstenfalls einer Deflation.

Wer heute einen eleganten Business-Anzug kauft, legt dafür in etwa die gleiche Menge Gold auf den Tresen wie er im antiken Rom für eine Toga bezahlt hätte. Ein komfortables Haus im alten Ägypten kostete etwa die gleiche Goldmenge wie ein komfortables Haus heute in Deutschland kostet, technischer Fortschritt inclusive.

Über das Zustandekommen des Goldpreises gibt es verschiedene Theorien. Es gibt anscheinend auch keine verlässlichen Angaben über die Menge an Gold, welche sich oberhalb des Erdbodens befindet.

Wir können wohl sehr sicher festhalten, dass die Ära der Edelmetalle als Geld nicht gewaltloser war als die heutige Ära des Fiat-Geldes.

Vorschlag 4: Virtuelles Geld

Virtuelle Währungen wie der Bitcoin sind eine junge Erfindung. Ursprünglich wurde der Bitcoin von seinem Gründer (welcher das Pseudonym „Satoshi Nakamoto“ verwendete, was ziemlich sicher nicht sein wahrer Name ist) erdacht, um globale Finanztransaktionen kostenlos abwickeln zu können.

Später entstand die Idee, Bitcoin als Währung zu nutzen.

Um Bitcoin in die eine oder andere Richtung zu beurteilen, habe ich zu wenige Informationen.

Die Tatsache, dass führende Banker dagegen sind und versuchen, Bitcoin zu dämonisieren, spricht aber sicherlich für das Konzept.

Bitcoin ist, ebenso wie weitere virtuelle Währungen, zwangsläufig an Elektrizität gebunden.

Vorschlag 5: Regionalwährungen

Der Chiemgauer, das Schwundgeld von Wörgl, der Roland im Bremer Umland, dies sind Beispiele für regionale Währungen. In Hamburg versucht ein Verein, den „Hummel“ als Regionalwährung zu etablieren.

Eine der Grundideen ist, dass eine Regionalwährung auch in der Region ausgegeben wird und damit kleine Unternehmen unterstützt, im Gegensatz zu multinationalen Konzernen.

Den Regionalwährungen ist auch eigen, dass sie keinen Anreiz bieten, sie zu horten, weil sie ein Verfallsdatum haben. Wer die Geldeinheit länger behalten will, muss eine Wertminderung hinnehmen. So behält das Geld eine gewisse Umlaufgeschwindigkeit.

Bisher überwiegen die positiven Berichte über Regionalwährungen.

Allerdings tauschen die meisten Bürger auch nur einen Teil ihres Geldes in Regionalwährung, nicht ihr gesamtes Geld.

Ob diese Art des Geldes die Gewalt reduziert, wage ich nicht vorherzusagen.

Vorschlag 6: Tauschwesen

Anders als bei Vorschlag 1, dem Leben gänzlich ohne Geld, gibt es im Tauschwesen zwar auch keine physische Geldeinheit, aber eine Tauscheinheit, nämlich die Arbeitszeit.

Jemand erbringt eine Leistung und bekommt dafür Punkte gutgeschrieben.

Dabei gibt es verschiedene Ansätze In manchen Tauschnetzwerken wird einfach Arbeitsstunde gegen Arbeitsstunde getauscht, ob es sich dabei um Teppichsaugen, Wandstreichen, Möbelschleppen oder Rechtsberatung zu internationalen Verträgen handelt.

In anderen Netzwerken gibt es verschiedene „Klassen“ von Leistungen, bzw. der Wert einer Arbeitsstunde kann auf verschiedene Weisen verhandelt werden.

Ein solcher freier Austausch birgt wahrscheinlich wenig Gewaltpotenzial, solange er wirklich freiwillig ist.

Was ist Ihre Meinung? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Bild: jaydeep_

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