Alternativer Kleidungsstoff: Hanf

Hanf ist eine hochinteressante Pflanze, deren Nutzen sehr weit über das Berauschen hinausgeht.

Die längste Zeit der Menschheit wurde Hanf zur Herstellung von Seilen und Fasern genutzt. Die Samen lieferten Nahrung und gesundes Öl.

Erst zwischen 1925 und 1935 wurde Hanf langsam illegalisiert.

Als ich im Mai 2017 das Thema Hanf als Kleidungsstoff recherchierte, war ich erschüttert über das, was ich an Informationen fand. Wenn diese Informationen wahr sind, dann finde ich es schwer zu glauben, dass diese Pflanze verboten wurde, insbesondere im Vergleich zu dem, was bei der Verwendung Baumwolle an Ressourcen verbraucht wird.

Idee für ein nachhaltiges Unternehmen

Das Ganze begann nach einem Treffen mit dem Inhaber von Premium Cola, Uwe Lübbermann, im Sommer 2016.

Danach begann ich, meine eigenen Ideen für ein nachhaltiges und sozialverträgliches Unternehmen zu entwickeln.

Damit war ich ein knappes Jahr lang beschäftigt.

Es sollte ein Unternehmen werden, wo Mitarbeiter fair bezahlt werden, wo Mitarbeiter über 50 eingestellt werden und Mütter mit Kindern. Es sollte möglichst wenig Umwelt-Sauerei verursachen und in der Lieferkette kurze Transportwege haben.

Von den vielen Ideen blieben nach mehreren Prüfungen zwei übrig: Erdbeer-Limo und schwarze T-Shirts aus Hanf.

Was könnte bunter und aufregender sein als schwarze T-Shirts?

Dazu gibt es auch eine Produktstory, die über den reinen Nutzen hinausgeht.

Also begann ich erstmal zu forschen, wie das Ganze funktionieren könnte. Wo kriege ich Hanf überhaupt her, wie löse ich das Problem des illegalen THC, was kostet die Verarbeitung, haben wir Infrastruktur innerhalb 2.500 km von einem deutschen Standort, wo die Verarbeitung stattfinden kann, kriege ich Mitarbeiter dafür?

Dabei stieß ich auf einige sehr interessante Informationen.

Hanf ist ein Universalmaterial

Aus Hanf wurden jahrtausendelang Nahrungsmittel, Kleiderstoffe, Papier und Seilfasern gewonnen.

Die ersten Levi’s Jeans waren aus Hanf gemacht. Es sollten Arbeiterhosen sein, und Hanf ist besonders widerstandsfähig und haltbar. Das Material wurde gegen Baumwolle ausgetauscht, weil Hanf illegal wurde.

Johannes Gutenberg druckte die berühmte Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier.

Die Ford Motor Company baute in den 1940ern Autos aus Kunststoff, der auf Hanf basierte.

Madame Perrier baute über 300 Häuser aus Hanf-Beton.

In chinesischen Kulturen wurden bereits 800 v. Chr. Seile aus Hanffasern geflochten. Sie liegen weicher in der Hand und sind reißfester als viele andere Fasern.

Die Samen liefern Nahrungsmittel als solche oder ausgepresst als Hanföl.

Bei der Produktion von Dämmstoffen wird Hanf heute (Stand: Mai 2017) wieder verwendet.

Dazu kommen medizinische Wirkungen von Hanf.

Hanf ist im Anbau umweltschonend

Als ich vor einer Weile bereits erfuhr, wie viel Wasser bei der Produktion von Baumwolle draufgeht, kippte ich fast aus den Latschen.

Hanf dagegen holt sich sein Wasser einfach aus dem Boden, ohne besondere Bewässerung. Die Wurzeln graben sich dazu bis zu 150 cm tief in die Erde.

Hanf wächst schnell und überholt Beikraut (politisch korrekter Neusprech für das alte „Unkraut“), so dass man auch keine Unkrautvernichtungsmittel benötigt.

Die Hanfpflanze ist auf ganz natürliche Art und Weise resistent gegen Krankheiten und Schädlinge.

regional

Hanf wächst in sehr verschiedenen Klimaten, auch in Deutschland auf offenem Feld.

Dadurch entfallen die langen Transportwege wie bei Baumwolle, die rund um die Welt reist, ehe sie zu Kleidung wird: Ernte, Faserung, Färbung und Verarbeitung zu Kleidung finden oft in verschiedenen Ländern statt, teilweise in verschiedenen Kontinenten.

Bei der „biologisch angebauten“ Baumwolle werden vielleicht weniger Pestizide verwendet. Trotzdem braucht die Pflanze enorme Mengen an Wasser. Die Transportwege sind auch für die „biologische“ Baumwolle lang.

Hanf wurde seit jeher auch in Nordeuropa angebaut, zu Fasern geformt und verarbeitet.

Bekleidung aus Hanf

Die Hanffaser zählt zu den robustesten Naturfasern überhaupt. Ihre besonderen hautklimatischen Eigenschaften, ihre Nassfestigkeit und ihr überaus angenehmes Tragegefühl machen sie zu weit mehr als nur einer Alternative zu den etablierten Textilfasern. Hanftextilien wirken temperaturregulierend und schützen zuverlässig von schädlichen UV-Strahlen.

Weil weder beim Anbau noch bei der Ernte und Verarbeitung schädliche Chemikalien eingesetzt werden müssen, kommen HanfTextilien giftfrei auf die Haut. Das macht Bekleidung aus Hanf auch für Allergiker empfehlenswert.

Die Hanffaser ist ausgesprochen hautfreundlich. Die ganz spezifische mikroelektronische Spannung der Hanffaser, die genau dem gleichen Spannungsklima unserer Haut entspricht, gleicht Spannungen aus und lädt sich nicht künstlich auf. Aus diesem Grund kann die Hanffaser als das exakte Gegenteil zur Kunstfaser bezeichnet werden. Hanfbekleidung wirkt damit leicht und entspannend.

Hanfkleidung kann bis zu 30 Prozent der Feuchtigkeit aufnehmen, die am Körper während des Tragens entsteht. Die Hanfkleidung bleibt dabei selbst angenehm trocken auf der Haut und damit ist ein idealer Begleiter an heißen Sommertagen.

In Hanfkleidung entsteht weniger Schweißgeruch, deshalb muss sie auch seltener gewaschen werden. Aufhängen an der frischen Luft genügt meistens, um einen Großteil des Körpergeruchs entweichen zu lassen. Dies führt wiederum zu einem geringeren Verbrauch an Ressourcen.

Hanffaser ist sehr widerstandsfähig, schmutzabweisend und reißfest, was sie auch als Arbeitsbekleidung in den unterschiedlichsten Berufen ideal macht. Trotzdem ist die Faser angenehm zu tragen.

Kleidungsstücke aus Hanf halten tendenziell länger als solche aus Baumwolle.

Unternehmerin Sina Trinkwalder von manomama hat bereits Hanf-Jeans hergestellt, aus regionalem bayrischem Hanf. Am 16.05.2017 habe ich in ihrem Shop aber keine Hanf-Jeans mehr gefunden.

Aber dann werden alle ihre T-Shirts und Socken rauchen und sind dauernd high!

Es gibt spezielle Sorten von Industrie-Hanf mit einem THC-Gehalt von maximal 0,2%. Da müsste man schon einen ganzen Kleiderschrank rauchen, um überhaupt etwas zu bemerken.

Aktuelle technische Probleme (Stand: Mai 2017)

Seit den 1990er Jahren wird versucht, Hanf wieder in die Textilindustrie zu integrieren, insbesondere die speziellen Sorten mit minimalem THC-Gehalt.

Fehlende Infrastruktur in Deutschland

Um 2012 herum erklärte mir eine polnische Textilunternehmerin, sie würde ihre Kleidung gerne in Deutschland fertigen lassen, aber es gäbe für Textilien kaum noch eine funktionierende Infrastruktur, kaum geeignete Maschinen, kaum geeignete Mitarbeiter.

Deutsche Firmen lassen Kleidung mit Hanfanteil in China fertigen. Sie würden gerne in Deutschland produzieren, aber sie erleben ähnliche Probleme.

Hanf ist leicht anzubauen, aber schwierig zu ernten und zu verarbeiten, jedenfalls als Textilfaser, während Samen und Öl sich deutlich leichter gewinnen lassen. Bei der Ernte mit den derzeit (Mai 2017) vorhandenen Erntemaschinen wird ein guter Teil der Pflanze zerstört und jedenfalls nicht so geerntet, dass die Industrie die Fasern leicht nutzen kann.

Problem der maschinellen Verarbeitung

Moderne Spinnmaschinen haben Probleme mit den Unregelmäßigkeiten der Hanffasern und verarbeiten bestenfalls ein Gemisch aus Hanf und Baumwolle.

Deshalb bestehen alle Hanf-Kleidungsstücke, die ich im Mai 2017 recherchiert habe, auch aus einem Gemisch von Hanf und Baumwolle, wobei der Hanf tendenziell 55% ausmacht.

Kai Nebel vom Forschungsteil der Hochschule Reutlingen hat ein Verfahren entwickelt, mit dem sich auch „schlecht“ geernteter Hanf zu Textilfasern machen lässt. Er beschäftigt sich daneben u.a. mit dem Recycling von Textilien.

Darüber wurde berichtet in einem Beitrag des TV-Magazins „Nano“. Interessanterweise ist das Thema bis auf diesen Fernsehbeitrag fast gänzlich aus dem Medien verschwunden (Stand: Mai 2017).

Umweltbilanz versus Produktivitätsrechnung

Zum Stand Mai 2017 ist das Hauptproblem der Hanffaser die Schwierigkeit der Verarbeitung. Hanf schlägt Baumwolle in der Umweltbilanz um größte Längen, unter den Aspekten Anbau, Logistik und Haltbarkeit.

Aber es hapert an der Verarbeitung. Die Faser ist schwierig für die Kleidungsproduktion aufzubereiten.

Diese Schwierigkeiten zeigen sich in den Kosten. Noch ist Kleidung aus Hanf in der Herstellung deutlich teurer als Kleidung aus Wolle und Baumwolle.

Ein Ansatz aus der Schweiz

In der Schweiz, wo man so Manches besser macht als in Deutschland, hat die Schweizer Forscherin Dr. Marianne Leupin von der Hochschule Wädenswil ein Verfahren entwickelt, mit dem Hanf auf sogenannten Rotorspinnern verarbeitet wird und zu Fäden der Stärke 50tex gemacht wird. Das heißt, ein km Hanffaden wiegt 50 Gramm.

Das Ergebnis nennt man auch eine „cottonisierte Hanffaser“.

Damit könnte man T-Shirts weben, während Jeans etwa eine Stärke von 100tex benötigen.

Dies könnte zur Lösung des Produktivitätsproblems beitragen. An diesem Faden werde ich einmal weiter ziehen.

HAVE FUN!

 

Titelbild: jasper-m

 

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