Alternative zur Konsumgesellschaft: Minimalismus

Minimalismus
minimal

Minimalismus steht zum Einen für eine Richtung in der Kunst und Musik. Dies ist hier nicht gemeint.

Zum Anderen steht der Begriff für das Bestreben, ein einfaches Leben zu führen, wirtschaftlich schlank, ohne Überkonsum.

Weniger konsumieren, weniger besitzen, aufs Wesentliche konzentrieren: Der Minimalismus findet immer mehr Anhänger, sowohl absichtliche als auch unabsichtliche

Immer mehr Menschen versuchen mit immer weniger auszukommen, viele gezwungenermaßen, aber auch eine wachsende Zahl von Freiwilligen.

Ausgerechnet in den USA, dem ehemaligen Ort von „mehr, größer, weiter, schneller“, finden sich zahlreiche bloggende Vertreter des Minimalismus. Die US-amerikanische Blogosphäre ist stark bevölkert von Minimalisten.

Der ohnehin sinkende Wohlstand der westlichen Nationen zwingt viele dazu, sich für wenige Dinge zu entscheiden, die sie im Besitz behalten wollen. Viele Minimalisten machen hier aus der Not eine Tugend.

In diesem Artikel gehe ich den folgenden Fragen nach:

  1. Was bedeutet Minimalismus im Sinne dieser Bewegung?
  2. Welchen Nutzen bring Minimalismus?
  3. Welche ersten Schritte kann ich gehen, um Minimalismus zu leben?
  4. Gibt es etwas, was daran nicht stimmt oder nicht funktioniert?

Teil 1: Was beinhaltet die Minimalismus-Bewegung?

Die Bewegung ist offenbar nicht auf Initiative einer Modeagentur oder eines Think Tank ins Leben gerufen worden, so dass es keine eindeutige Definition gibt. (Oder doch, und sie haben es diesmal nur cleverer angestellt.)

Axel Haitzer vom Einfach-Bewusst-Blog beschreibt die Essenz von Minimalismus als „ohne unnötigen Ballast leben“ und nennt als wesentliche Punkte Verzicht auf

  • materiellen Überfluss
  • unnötige Beziehungen
  • unnötige Aufgaben

Organisierte Einkaufs-Disziplin

Einige Minimalisten verordnen sich selbst Einkaufsverbote, „Shopping Bans“ und versuchen, einen Monat, ein Quartal oder ein Jahr lang keinerlei neue Kleidung und neue Elektronik zu kaufen, jedenfalls nichts außer Essen und dem Allernötigsten.

Darüber veröffentlichen sie Erfahrungsberichte und Statistiken und veranstalten informelle Wettbewerbe. Im Netz diskutiert man dann die erlangten Erfahrungen und entdeckt materielle suchtartige Fixierungen.

In meinem Fall ist die Fixierung ganz klar auf DVDs. Ein Jahr lang keine neuen DVDs kaufen? Für mich der blanke Horror. Dafür kaufe ich meine Filme in Paketen und Sonderangeboten. Auf diese Weise ist es günstiger als Kino.

Teil 2: Welchen Nutzen bringt Minimalismus?

Zum einen spart man Geld. Weniger kaufen bedeutet weniger Geld ausgeben.

Weniger Zeugs nimmt weniger Platz weg und macht weniger Arbeit, beim Saubermachen und beim nächsten Umzug sowie bei Instandhaltung und Pflege.

Weniger Besitz bedeutet, ich muss mir weniger Sorge um den Besitz machen.

Viele Minimalisten berichten von mehr Freiheit, mehr Raum in der Wohnung, leichterem Lebensgefühl und mehr Zeit.

Die materielle Reduzierung führt dann oft auch zu einer inneren Besinnung, was dem Minimalisten im Leben wichtig ist.

Teil 3: Welche ersten Schritte kann ich gehen, um Minimalismus zu leben?

ZEUGS WEGSCHMEISSEN !!

Überlegen Sie, was Sie wirklich brauchen, und welcher Besitz Sie tatsächlich nur belastet.

Kaufen Sie für eine Weile keine neue Kleidung oder Elektronik und beobachten Sie Ihre Reaktion darauf.

Versuchen Sie, kostenpflichtiges Entertainment zu reduzieren und erfahren Sie, wie es ist, ohne das zu leben.

Wenn Sie Essen kaufen, essen Sie es wirklich auf.

Teil 4: Gibt es da irgendetwas, was nicht stimmt?

Mitunter beschleicht mich der Verdacht, ob diese Bewegung nicht vielleicht doch von einem geschickten Think Tank erdacht wurde, um die westlichen Gesellschaften darauf zu konditionieren, im Sinne von Aldous Huxleys Brave New World, Armut zu lieben.

Wer in einem schicken Apartment in Manhattan wohnt, dem geht es sicher besser, wenn er entrümpelt und dadurch mehr Platz hat.

Auch mit einer 1-Zimmer-Wohnung in München oder Hamburg hat man sicherlich mehr Platz mit weniger Krams.

Wenn dieselbe Person dann aber noch minimalistischer werden soll und mit 20 Chinesen in einem Schlafraum von 20 m² in Etagenbetten übernachten soll, ändert sich möglicherweise ihre Haltung dazu.

Der Überfluss trägt uns noch

Solange die westlichen Gesellschaften noch im Überfluss leben, tonnenweise Lebensmittel wegwerfen und auch noch Arbeit über dem Existenzminimum entlohnen, ist das Ganze sehr schick und fein.

Unter diesen Umständen bedeutet Minimalismus sogar Luxus: Mehr Geld, weniger Stress. Wenn man Arbeit hat.

Sollten sich diese Umstände allerdings ändern, kann das Ganze sehr schnell sehr unspaßig werden. Wenn der Lebensstandard in Westeuropa weiter sinkt, wird die persönliche Einschränkung irgendwann vom persönlichen freiwilligen Luxus zur allgemeinen erzwungenen Armut. Wird das geschehen? Ich habe keine Ahnung.

Es wird auch herausfordernd sein, einem armen Bauern in China, der nun im chinesischen Aufschwung endlich zu Wohlstand kommt, klarzumachen, dass er den SUV nicht braucht. Minimalismus wird nicht zur gleichen Zeit für alle sein.

Einerseits kommt es mir sehr entgegen, wenig materiellen Besitz zu haben, und ich halte eine Beschränkung auf das Wesentliche auch für gut – solange sie tatsächlich freiwillig stattfindet und nicht wegen Zwang oder Druck.

Bild: jonas-svidras

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (3 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...
Print Friendly, PDF & Email

4 Kommentare

  1. Sehr interessanter Ansatz im Artikel und ich sehe das genauso.
    Solange man freiwillig auf etwas verzichtet ist es auch okay. Doch gerade hier in Deutschland macht sich ein immer weiter umsichgreifender Zwangsverzicht für bestimmte Bevölkerungsgruppen breit. Niemand geht freiwillig an die Tafel um sich Lebensmittel zu kaufen etc.

    Also, warten wir mal ab wie sich das alles hier noch entwickelt, was obsiegt – freiwilliger oder zwangsweiser Verzicht.

    Gruß Pit

4 Trackbacks / Pingbacks

  1. Leben ganz ohne Geld - Alternative Lebensweisen
  2. Teilen ist das neue Haben? - Alternative Lebensweisen
  3. Alternativ wohnen: Leben im Bauwagen - Alternative Lebensweisen
  4. Wie werde ich ein Minimalist? - Alternative Lebensweisen

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*