Alternative zur Angst vor Ausländern: Tatsächliche wirtschaftliche Integration

Angst, Flucht, Migration
"Es gab mal irgendwo irgendwann einen Ausländer, der hat ein Auto geklaut"

Ein Vorschlag zur tatsächlichen Integration von einer Million Zuwanderern

DISCLAIMER: Mein Eindruck ist, dass die Problematiken der massenhaften Zuwanderung nach Europa nach dem Willen der Politik gar nicht gelöst werden SOLLEN, dass sie viel mehr gerade dazu gedacht sind, die Gesellschaft zu destabilisieren. Für den Fall, dass ich mich irre, ist hier ein machbarer Vorschlag für eine tatsächlich umsetzbare Lösung.

Als Erstes oute ich mich hiermit als Ausländerfreund. Ich glaube, dass Deutschland ohne Einfluss fremder Kulturen eine trostlose Horrorvision wäre. Wir brauchen Nicht-Deutsche in Deutschland.

Dabei denke ich gleichzeitig nicht, dass alle Einwanderer Heilige oder Fachkräfte sind. Ich denke auch nicht, dass alle Zuwanderer Verbrecher und Vergewaltiger sind.

Wie immer, bin ich für eine differenzierte Betrachtung.

Menschen kommen nach Westeuropa aus den verschiedensten Gründen. Manche fliehen vor Krieg, viele fliehen vor Armut und Elend. Krieg, Armut und Elend wurden aus verschiedensten Gründen verursacht. Ein Teil liegt in den Kulturen und Mentalitäten vor Ort und dortigen Konflikten.

Ein Teil liegt in Kriegen und politischen Maßnahmen, die vor langer Zeit stattgefunden haben, ein weiterer Teil in jetzt andauernden Konflikten („Konflikt“, Fremdwort, oft benutzt für unprovozierten Massenmord).

Bestandsaufnahme ohne Vorbehalte, so weit möglich

Auslöser für diesen Artikel war mein Irritiertsein darüber, dass zum Thema Migration keine breite faktenbasierte Diskussion möglich scheint.

Wenn ich sage „Es gab mal irgendwo irgendwann einen Ausländer, der hat ein Auto geklaut“, ohne zu spezifizieren, ob dieser Ausländer aus Polen, Belgien, Nigeria oder Liechtenstein stammte, werde ich von vielen sofort als Nazi kategorisiert. Könnte ja auch ein Deutscher gewesen sein, der in Albanien als Ausländer war und das Auto eines Albaners geklaut hat. Aber bloß nicht so weit denken!

Wenn ich sage „Möglicherweise (wohlgemerkt: MÖGLICHERWEISE, nicht gesichert) sind nicht alle öffentlichen Statistiken zur Problematik vollkommen unfehlbar fehlerfrei und frei von subjektiven Gruppeninteressen“, dann werde ich von vielen als pathologischer Gutmensch eingestuft.

Wenn ich ein Foto von einem Marienkäfer oder einem Teebecher oder einem Grashalm poste, heißt es, ich sei frauenfeindlich.

Was ist hier los ??

Während der größte Teil der Menschheit damit beschäftigt ist, sich gegenseitig mit Sandkuchenformen zu bewerfen, habe ich versucht, in meiner persönlichen psychologischen Entwicklung die Reife des dritten Lebensjahres zu überschreiten.

Wie gut das gelungen ist, mögen andere beurteilen. Oder auch nicht. Was bringt schon das Beurteilen? Ich tue das dauernd. Bisher hat es noch nie was gebracht.

Am erschreckendsten an der gesamten „Debatte“, die keine ist, finde ich, wie wenig die Fakten betrachtet werden. Vor ein paar Tagen hatte ich eine kurze Unterhaltung mit einer sonst recht intelligent wirkenden Künstlerin, die meinte, „Mal ehrlich: Wer interessiert sich für Fakten? Pfft!!“

Was ich daraus gehört habe: Ist doch auch egal. Ob sie das so gemeint hat, weiß ich nicht. Ich finde es jedenfalls nicht egal.

Viele Menschen fühlen sich besorgt. Ich fühle mich auch besorgt. Ich habe aber in den letzten Jahren genug über meine eigene Unfähigkeit gelernt um zu wissen, dass meine emotionale Lage gänzlich unabhängig von einer realistischen Einschätzung der Fakten ist. Also schaue ich mir erstmal die Fakten an und lasse das innere Emotions-Drama ruhig weiterlaufen.

In einer „Diskussion“, die den Namen nicht verdient, wo die eine Seite die andere wechselweise als pathologische Gutmenschen oder als menschenverachtende Nazis beschimpft, wollte ich versuchen, erst einmal eine wertfreie Bestandsaufnahme zu machen, so weit mir dies möglich ist.

Der Einfachheit halber bin ich also gleichzeitig pathologischer Gutmensch und menschenverachtender Nazi. Wer will, wird „Argumente“ für beide Seiten in diesem Text finden.

Dabei bin ich bereit, über einige Dinge komplett falsch zu liegen. Ich liege öfter mal falsch und kann das auch zugeben. Andere werfen lieber mit Sandkuchenformen. More power to you.

Und ich lag auch immer wieder falsch mit verschiedenen Einschätzungen. Vermutlich habe ich immer noch kein ausreichendes Bild, um die Situation wirklich zu verstehen.

Sind alle Ausländer Verbrecher?

Ende März 2017 habe ich mir die Arbeit gemacht, zumindest grob durch die offizielle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des BKA von 2015 zu gehen, und zwar die Version mit Tatverdächtigen nach Nationalität. Es handelt sich um eine große, aber gut strukturierte Excel-Mappe.

Dabei habe ich vor allem auf Gewaltverbrechen und auf Eigentumsdelikte geschaut, also Mord, Totschlag, Einbruchdiebstahl, Autodiebstahl, Verbrechen gegen die sexuelle Selbstbestimmung und Körperverletzung.

Wohlgemerkt, die oft angeführten Vergehen wie Passfälschung, Verstoß gegen Aufenthaltsbestimmungen usw. habe ich außen vor gelassen. Ich habe mich ausschließlich mit Vergehen befasst, die Menschen ernsthaften körperlichen und/oder wirtschaftlichen Schaden zufügen.

Die als nicht-deutsch geführten Tatverdächtigen machten jeweils Anteile zwischen 30% und 39% der Gesamtzahl an Tatverdächtigen aus.

Stelle ich dem gegenüber, dass nach verschiedenen Angaben ca. 21% Ausländer in Deutschland leben, so sind, simple statistische Tatsache, Nicht-Deutsche unter den Tatverdächtigen überproportional vertreten. Nicht mit dem Faktor 8 oder gar 16, wie ich an manchen Stellen gelesen habe, nicht mal Faktor 4. In 2015, laut der offiziellen Statistik, liegt der Faktor zwischen 1,43 und 1,86.

Dies wohlgemerkt 2015. Interessant finde ich, dass es auf April 2017 zugeht und die PKS für 2016 zumindest um 8 Uhr morgens am 29.03.2017 noch nicht verfügbar ist.

Die PKS 2016 des Hamburger Landeskriminalamtes war dagegen bereits online. Ein grobes Auschecken der Delikte Einbruchdiebstahl, Delikte gegen das Leben und gegen die sexuelle Selbstbestimmung, zeigt grobe Faktoren zwischen 2 und 3 der nichtdeutschen Tatverdächtigen gegenüber der Gesamtzahl.

Als Controller mit etwas Erfahrung (seit 1998) habe ich eine Ahnung davon, dass man Statistiken nicht allzu voreilig interpretieren sollte, weder in die eine noch in die andere Richtung. Noch ist mir unklar, wann jemand als nicht-deutsch geführt wird, wie genau die Zählverfahren aussehen, ob da Datensätze unterschlagen oder umgruppiert werden, weiß ich alles nicht.

Bei der Hamburger LKA-Statistik steht das alles dabei, werde ich beizeiten mal lesen. Da ich selbst nach meinem dritten Lebensjahr nicht mehr mit ungenauen Informationen und Soundbytes zufrieden bin, möchte ich Sachverhalte wirklich verstehen, anstatt emotional herumzukreischen.

Angeblich wurde die Polizei des Bundeslandes Brandenburg angewiesen, Fälle mit nicht-deutschen Tatverdächtigen gar nicht mehr in die Statistik aufzunehmen. Dies ist ein aufgeschnapptes Gerücht, dessen Wahrheitsgehalt ich nicht beurteilen kann.

Verschiedene Polizeigewerkschaften haben öffentlich ihr Misstrauen in die PKS bekundet und geäußert, erstens gäbe es mehr Kriminalität, zweitens sei der Ausländeranteil höher. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass nicht alle Polizeigewerkschaften ausschließlich von Rechtspopulisten gesteuert werden und vermute eine Tendenz in Richtung Wahrheit.

Hier wird nun oft argumentiert, die Zugewanderten sind hauptsächlich junge Männer, und junge Männer neigen in der ganzen Welt mehr zu Gewaltverbrechen als etwa alte Frauen. Diese Aussage ist wahr.

Also, eine endgültige Bewertung habe ich hier nicht und werde sie wohl auch nie haben.

Mathematik oder das Gesetz der Himbeermarmelade

Unternehmensberater Gerald Weinberg formulierte das Gesetz der Himbeermarmelade: Wenn ich eine gegebene Menge Himbeermarmelade auf eine größer werdende Fläche verteile, wird die Menge Himbeermarmelade je Quadratzentimeter sinken.

Wenn ich dickere Himbeermarmelade will, brauche ich entweder mehr Marmelade oder eine kleinere Fläche.

So ähnlich ist es mit einem Sozialsystem: Wenn ich mehr Menschen habe, die Auszahlungen aus dem System erhalten, dann habe ich folgende Optionen:

  • Auszahlungen pro Person sinken
  • Einzahlungen pro Person steigen
  • Mehr Einzahler
  • Weniger Zahlungsempfänger

Ist das jetzt mehr Gutmensch oder mehr Nazi? Ich würde sagen, das ist Mathematik und Physik.

Aber wie viele Leute verstehen das? Holt schnell die Sandkuchenformen!

Es ist also so, dass die neu Zugewanderten die Sozialsysteme zum gegenwärtigen Zeitpunkt (März 2017) vorrangig belasten und wenig entlasten, da die meisten von ihnen derzeit Leistungen empfangen und die wenigsten ins System einzahlen.

Liegt das daran, dass sie gute oder schlechte Menschen sind? Das hat damit überhaupt nichts zu tun.

Trotzdem vorsorglich schon mal mit Sand werfen! Verdammter Mathematik-Nazi-Gutmensch!

Nach verschiedenen Schätzungen kostet ein Neueinwanderer ohne Arbeitsstelle pro Monat ca. 1.000,00 EUR. Die Bundesländer schätzen, dass die Zuwanderung in ihrem jetzigen Zustand 22 Milliarden EUR pro Jahr kosten wird.

Ob diese Zahl optimistisch oder pessimistisch gerechnet ist, ob sie überhaupt gerechnet ist, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie eine reine Zweckbehauptung, vielleicht ist sie das Ergebnis differenzierter Überlegungen.

Hier wird nun oft argumentiert, wenn die Zahlen sich in etwa in diesem Rahmen bewegen, dann kosten uns selbst zehn Jahre Flüchtlingskrise weniger als die Bankenrettung, welche 236 Mrd. EUR verschlungen hat (vermutlich war’s mehr und wird noch mehr).

Diese Aussage ist, rein linear mathematisch gesehen, richtig. Sie berücksichtigt nicht langfristige Entwicklungen und zusätzliche Dynamiken.

Ob es dafür spricht, eine Million Leistungsempfänger aufzunehmen und dann noch zwei Millionen Familienmitglieder nachziehen zu lassen, mag jeder selbst einschätzen.

Subjektives Sicherheitsempfinden

Beim Frühstück mit einer hochintelligenten Kollegin, die ich sehr schätze, sagte sie mir, sie fühle sich abends nicht mehr sicher und würde nach 19 Uhr nicht einmal mehr öffentliche Verkehrsmittel nutzen, seit einige Zuwanderer durch intensive Belästigungen aufgefallen sind.

Als kleiner, männlicher bleicher schwabbeliger Fettsack ziehe ich zu wenig erotische Aufmerksamkeit auf mich, um sexuell belästigt zu werden. Ich kann in keinster Weise einschätzen, wie die reale Situation für Frauen derzeit ist.

Das „Schlimmste“, was mir passiert ist, so um 2003 herum, als ich im Halbschlaf in der Sauna lag, hat ein offensichtlich schwuler Mann mein Geschlechtsteil deutlich umfasst. (Damals war ich noch jung, schlank und hübsch.) Ich habe ihm gesagt, dass ich daran kein Interesse habe, er hat sich verabschiedet, und das war’s.

Dabei ist mir bewusst, dass das Machtgefälle von Mann zu Frau in den meisten Fällen ein ganz anderes ist, und dass das Angstgefühl auch ein ganz anderes sein muss. Auch, als ich das letzte Mal nachgelesen habe, gab es für Männer kein Risiko, schwanger zu werden. Deshalb kann ich das nicht beurteilen.

Als ich Ende März 2017 in Hannover übernachtete, fühlte ich mich auch nicht sehr sicher, in einer etwas abgehalfterten Gegend neben der Innenstadt.

Die Ängste und Sorgen mancher Menschen sind vorhanden, wertfrei und zunächst teilweise unabhängig von den Fakten. Wenn diese Ängste nicht angesprochen werden dürfen und ohne jedes weitere Hinterfragen als Rechtspopulismus abgetan werden, dann kommt das dabei heraus, was herauskommt.

Wenn dann gleichzeitig alle tatsächlich vorhandenen entlastenden Argumente als pathologisches Gutmenschentum beschrien werden, haben wir das, was wir jetzt haben (Stand: März 2017).

Bei uns in Hamburg passiert insgesamt wenig. Wir haben seit der Befriedung der notorischen Hafenstraße keine No-Go-Zones, wie etwa Essen.

Das Bestehen rechtsfreier Räume finde ich völlig unakzeptabel, und Zonen, in welche die Polizei nicht hinein kann, finde ich auch völlig unakzeptabel.

Wahrnehmung ungleicher Strafverfolgung

Ebenso kann ich nachvollziehen, wenn die Bevölkerung darüber wütend ist, dass nicht-deutsche Täter mit mehr Nachsicht behandelt werden als deutsche Täter. Ich wäre eher für mehr Nachsicht für alle, aber ich bin auch ein Hippie-Weichei.

Bei allen nachvollziehbaren Schwierigkeiten, die das mit sich bringt, ich denke, alle Nicht-Deutschen, die schwere Körperverletzung oder Vergleichbares begehen oder Eigentumsschaden von über 25.000,00 EUR pro Geschädigtem verursachen, sollten den Heimweg antreten.

Ich meine hier nicht den Teenager, der mal versehentlich auf einen Käfer tritt oder eine Bierdose aus dem Supermarkt klaut. Ich meine Verursachung von realem, substanziellem Schaden.

Ein solches Handeln würde auch den Bürgerkrieg weit nach hinten verschieben. Aber das erfordert wieder eigenes Denken. Also, weitgehend aussichtslos.

Invade and Invite

Ob jetzt 1% oder 0,1% der Zuwanderer besonders gewaltbereit sind, in jedem Fall halte ich es für offensichtlich, dass die derzeitige Strategie unvorteilhaft ist: Erst Länder bombardieren bzw. die Bombardierung indirekt zu unterstützen, und dann die Bombardierten hierher einzuladen.

Vom kanadischen Radiomoderator Stefan Molyneux (mit dem ich nicht in allen Punkten einig bin) habe ich dazu den Begriff „Invade and Invite“ gehört – Invasion durchführen und dann einladen.

Egal, wie man zu Krieg steht, wenn ich Menschen erst lange bombardiere und dann zu mir einlade, halte ich es für durchaus möglich, dass der eine oder andere etwas verstimmt ist über das Bombardiertwerden. Mir würde das jedenfalls nicht gut gefallen, wenn meine Stadt zu Geröll gebombt wird.

Und nicht alle Menschen haben das Unterscheidungsvermögen, dass die Bombardierer andere sind als diejenigen, die sie aufnehmen. Also gut möglich, dass sich Aggressionen im Gastland auch auf die Gastgeber entladen.

Gewaltkultur

Was ebenfalls oft angeführt wurde, die zugewanderten jungen Männer stammen zum großen Teil aus Kulturen, in denen Gewaltanwendung viel verbreiteter und akzeptierter ist als im Deutschland des Jahres 2017.

Im Rahmen von anderen Überlegungen zweifle ich im Moment daran, ob Kindesmisshandlung allein in jedem Fall dazu führt, dass die Misshandelten selbst zu Tätern werden.

Ich gehe aber davon aus, dass das Misshandeltwerden innerhalb einer Kultur, die das einfach hinnimmt, tendenziell zu einer höheren Gewaltbereitschaft führt.

In mehreren Fällen habe ich im deutschen Fernsehen türkischstämmige Jugendliche sagen hören, dass sie eher dazu neigen, „Stress zu machen“ als deutsche Jugendliche. Das lasse ich als unkommentierte, unbewertete Selbsteinschätzung, die möglicherweise nicht repräsentativ ist, mal so stehen.

In der Schweiz scheint dies interessanterweise nicht der Fall zu sein. Das könnte daran liegen, dass die Schweiz ihren neuen Mit-Bewohnern ganz anders gegenüber tritt als Deutschland.

Ich wähle bewusst das Wort Mit-Bewohner, denn akzeptierter Mit-Bürger der Schweiz wird wohl niemand, der nicht in mindestens zehnter Generation dort geboren ist.

Ich war erstaunt, wie viele Menschen in Turbanen und Kaftanen ich in Basel und Luzern umherlaufen sah. Und trotzdem kaum Berichte von Terror und Übergriffen. Liegt dies daran, dass die Schweizer Medien Dinge verschweigen, oder managen die das nur anders?

Eine andere Perspektive

Ein sehr kritisches PDF, das sich zumindest durch solide Quellenangaben auszeichnet, interpretiert die vorliegenden Daten sehr viel pessimistischer als ich. Ich habe leider nicht die Zeit, alle Quellen zu studieren und zu hinterfragen.

Die Autorin geht auch weit hinaus über das Darstellen von Rohdaten, sondern stellt eine Reihe Überlegungen an. Diese kann ich zu diesem Zeitpunkt (Ende März 2017) weder bestätigen noch widerlegen.

Meine Empfehlung: Lesen, kritisch lesen, selbst nachforschen. Ach nein, das erfordert ja eigenes Denken! Schnell zurück in den Sandkasten!

Schmelztiegel in der Neuen Welt?

New York City ist oft als „Schmelztiegel“ bezeichnet worden.

Nach meinen zwei Besuchen dort, 1994 und 1998, habe ich einen anderen Eindruck gewonnen. Die verschiedensten Kulturen leben nebeneinander, aber kaum miteinander.

An einem Ort denke ich, im jüdischen Viertel Wiens im Jahre 1920 zu sein, auf der Straße Juden in orthodoxer Tracht. 200 Meter weiter ist plötzlich alles auf Chinesisch. Noch ein Stückchen weiter, si puo mangiare molto bene.

Es ist also eher eine gemischte Platte mit den Zutaten nebeneinander als eine Sauce mit vermischten Zutaten.

Selbst Angela Merkel hat öffentlich gesagt, „Multikulti ist gescheitert!“

Das Miteinander von sehr verschiedenen Kulturen ist wohl kaum möglich, das Nebeneinander ist dagegen gut möglich.

Das war jetzt ein Haufen Zeugs. Und wo ist nun die Lösung?

Ein aus meiner Sicht sehr brauchbarer Vorschlag ist, einfach mit der Bombardierung wehrloser Staaten aufzuhören, damit Migranten dorthin zurückkehren können, und sie dort beim Wiederaufbau zu unterstützen. Das wäre kostengünstiger und würde die Menschen nicht langfristig entwurzeln.

Dieser Vorschlag ist aber wahrscheinlich zu sinnvoll, um umgesetzt zu werden. Außerdem erfordert er, dass eine kleine Gruppe von Arschlöchern auf hohe Gewinne verzichtet, und er erfordert, dass eine größere Anzahl Leute eigenständiges Denken benutzt. Mit anderen Worten: Aussichtslos. Zurück in den Sandkasten!

Im Rahmen meiner Recherchen zum Auswandern, zu Free Cities, Seasteading und Sonderwirtschaftszonen, kam ich auf eine sehr konkrete Idee, wie die neu Zugewanderten im Land bleiben können, wie sie zur nationalen Wirtschaft beitragen können, und wie der deutsche Staat daran ebenfalls gewinnt.

Mein Vorschlag: Schaffung einer Sonderwirtschaftszone mit Industrie

Die Bundesagentur für Arbeit hatte in 2016 ein Statement abgegeben, dass 90% der neu Zugewanderten für den existierenden Arbeitsmarkt nicht integrierbar sind, und zwar ganz und gar nicht. Wenn die Bundesregierung für fünf Jahre mehrere Milliarden in die Weiterbildung stecken würde, könne man den Anteil auf 80% senken.

Als ich im März 2017 begann, an diesem Artikel zu arbeiten, habe ich interessanterweise dieses Statement nirgendwo mehr gefunden. An dessen Stelle sind ganz andere Statements getreten, welche die alte Aussage zwar nicht negieren, aber die Betonung so stark auf andere Aspekte legen, dass der ursprüngliche Sinn verschwindet.

Als ich das damals las, dachte ich mir, da haben wir doch folgende Optionen:

  • Zugewanderte wieder nach hause schicken
  • Zugewanderte mit Sozialleistungen bedenken, bis Staat pleite und Bürgerkrieg
  • Den Arbeitsmarkt verändern

Wenn die Zugewanderten für den deutschen Arbeitsmarkt 2016 größtenteils nicht vermittelbar sind, dann könnte eine Umgestaltung des Arbeitsmarktes helfen.

Auch dieser Vorschlag ist wahrscheinlich zu sinnvoll, um jemals umgesetzt zu werden. Außerdem erfordert er wieder Umgang mit Fakten und eigenes Denken. Ich tippe eher auf die Bürgerkriegs-Version mit viel weiterem Sandwerfen.

Konkrete Ausgestaltung

Sonderwirtschaftszone heißt: Es gibt ein eigenes Territorium mit Steuervergünstigungen und Zollbefreiungen, wie Shenzhen oder Qianhai in China.

Dort würden sich Industriebetriebe ansiedeln. Diese würden sich zunächst im gemeinsamen Eigentum der Kapitalgeber und der Mitarbeiter befinden und nach und nach ins Eigentum der Mitarbeiter übergehen, während das Fremdkapital abgebaut wird.

Als Ort schlage ich ein Gebiet neben dem Bremerhavener Hafen vor. Bremerhaven ist einer der größten Seehäfen Europas, verfügt über eine solide Infrastruktur und über einige der günstigsten Immobilien und niedrigsten Mieten in Deutschland.

Über diesen Hafen könnten Materialien eingeschifft und fertige Erzeugnisse wieder ausgeschifft werden.

Warum Industrie?

Der größte Teil der Zugewanderten hat keine formelle Ausbildung. Das ist kein Vorurteil, sondern ein recht solides Assessment. Es wurde auch veröffentlicht von der Bundesagentur für Arbeit. Ich schätze, im Jahre 2016 wurde die BA nicht ausschließlich von Rechtspopulisten gesteuert.

Angelernte Aufgaben in der Industrie könnten die Zugewanderten schnell ausführen und somit kurzfristig zur Wirtschaftsleistung beitragen.

Sie würden aktiv am Arbeitsleben teilnehmen. Die meisten Menschen wollen zu ihrer Umgebung aktiv beitragen.

Was wir zumindest aus mehreren Jahrzehnten Erfahrung mit Zuwanderern aus der Türkei und dem Iran in Hamburg wissen, ist: Sie sind willens und fähig, ausdauernd hart zu arbeiten. Eine hohe Zahl mittelständischer Hamburger Unternehmen befindet sich im Eigentum zugewanderter Türken und Iraner.

Banker haben mir gesagt, selbst in den schwierigsten Zeiten haben sie am ehesten noch Geschäftskredite an Unternehmen in türkischer Hand vergeben, weil diese zuverlässig und pünktlich getilgt haben, eben weil sie hart und kundenorientiert arbeiten.

Die faulen Schweine wollen doch gar nicht arbeiten, sondern nur schmarotzen!

Ein Teil der Migranten kam hierher mit sehr unrealistischen Erwartungen und unrealistischen Versprechungen. Einige sind sicherlich ebenso arbeitsscheu wie manche Deutsche.

Während arbeitsscheue Deutsche die Option haben, Politiker zu werden, steht dieser Weg den Migranten zunächst nicht offen.

Wahrscheinlich fühlen sich die meisten Menschen besser, wenn sie in irgendeiner Weise zum sozialen System um sie herum beitragen. Ich gehe davon aus, die meisten Migranten sind froh, wenn sie erkennbar zu der Gesellschaft beitragen, die sie aufnimmt.

Warum Sonderwirtschaftszone und nicht über das ganze Land verteilt?

Zu Beginn des Projektes können nichtausgebildete Mitarbeiter keine komplexen Aufgaben übernehmen und fangen mit einfachen Tätigkeiten an.

Die Verrichtung einfacher Tätigkeiten ist zu deutschen gesetzlichen Mindestlöhnen nicht international wettbewerbsfähig. Die Löhne müssten also niedriger sein.

Zu niedrige Löhne mitten im Land würden aber zu einer erheblichen Benachteiligung der Industriearbeiter führen.

Eine Sonderwirtschaftszone ermöglicht zollfreien Import von Kleidung und Lebensmitteln und steuerliche Erleichterungen führen zu einer höheren Netto-Kaufkraft, weil Produkte in der Sonderwirtschaftszone durch die niedrigere Abgabenbelastung zu niedrigeren Preisen verkauft werden können.

Sobald die Mitarbeiter mehr dazugelernt haben, können sie andere Aufgaben übernehmen und zu höheren Löhnen im gleichen Betrieb oder in anderen Betrieben arbeiten.

Die Schweiz schafft es interessanterweise, allerlei industrielle Arbeiten im Inland zu verrichten und international hoch wettbewerbsfähig zu bleiben, und das bei sehr hohen Löhnen. Das Schweizer Modell könnte eine Alternative sein.

Führt das nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Eine Mehrklassengesellschaft haben wir sowieso bereits.

Innerhalb der Sonderwirtschaftszone selbst wären die Industriearbeiter untereinander gleichgestellt.

Durch die Abgabenerleichterungen hätten sie die Möglichkeit, den gleichen Lebensstandard zu erreichen wie Arbeiter im restlichen Staatsgebiet.

Ohne Sonderwirtschaftszone wären die Optionen z.B., dass die Zugewanderten für den gesetzlichen Mindestlohn arbeiten, und selbst das müsste in den ersten Jahren wahrscheinlich zu hohen Anteilen staatlich subventioniert werden.

In der Sonderwirtschaftszone würden die Arbeiter dagegen sofort wirtschaftliche Werte erzeugen, ohne Subventionen, und könnten sofort damit beginnen, Unternehmensanteile zu erwerben.

Eine Parallelgesellschaft für einige Menschen mit Migrationshintergrund gibt es sowieso bereits durch die türkischen Supermärkte und Asia-Märkte, die Einheimischen und zugewanderten Landsleuten gute Produkte zu guten Preisen liefern.

Führt das nicht zur Stigmatisierung der Migranten?

Stigmatisierung beruht nicht auf einer faktenbasierten Einschätzung von Fähigkeiten oder Charakter. Stigmatisierung beruht auf Beurteilen und Verurteilen. Diese sind nicht die Folge von Denken, sondern von erworbenen emotionalen Reflexen.

Wenn Leute andere Leute stigmatisieren wollen, finden sie Gründe dafür.

Menschen sind stigmatisiert worden auf Basis ihrer roten Haarfarbe (Viel Spaß in Wales!) oder ihrer dunklen oder hellen oder mittelbraunen Hautfarbe.

Bis mindestens 2% der Menschheit die psychologische Reife von Dreijährigen überschritten haben, geht das so weiter. Das wird nach meiner Schätzung frühestens im Jahr 3000 der Fall sein.

Demnach, alles und nichts kann zur Stigmatisierung einer Gruppe führen, auf Basis beliebiger Merkmale, bis die Beurteilenden anfangen zu denken.

Ob jemand in der Industrie arbeitet oder nicht, hat nichts damit zu tun.

Da die meisten Leute das nachplappern, was „Autoritäten“ (griechisch für: Armes Würstchen mit Profilneurose) in teuren Anzügen ihnen vorplappern, würde man im Zuge des Projektes einen Gesichtsvermieter mit möglichst teurem Anzug umherschicken, der bei den Massen emotionale Reflexe nachkonditioniert, die Industriearbeit mit wohligen Gefühlen und Anerkennung assoziieren.

Laut einigen Berichten unternehmen viele Chinesen große Anstrengungen, um in die Sonderwirtschaftszone Shenzhen zu gelangen und dort industrielle Arbeiten zu verrichten. Nun sind die chinesischen Medien nicht hauptsächlich für ihre freie Berichterstattung berühmt; das Thema würde also eine eigene Recherche erfordern.

Du willst also die Migranten in eine niedrigere Klasse einstufen und in ein Ghetto sperren, damit sie in Sklavenarbeit den fetten Reibach für Neo-Turbokapitalisten wie Dich erschuften!

Für mich wäre ein wichtiger Teil des Deals, dass das Eigentum an den Unternehmen schrittweise an diejenigen übergeht, die im Unternehmen arbeiten, also an die Migranten.

Kapitaldienst (Tilgung und Zinsen) würden nur an die Investoren geleistet, bis die Darlehen voll abbezahlt sind. Ich selbst stehe als Investor nicht zur Verfügung.

Und wenn jemand nun mal nicht in der Industrie arbeiten will?

Das deutsche Grundgesetz garantiert, neben einigen anderen Dingen, die lange nicht beachtet wurden, die freie Berufswahl.

Wenn also jemand nicht in der Industrie arbeiten will, darf er sich woanders bewerben.

Fazit zur industriellen Sonderwirtschaftszone

Dies ist ein Vorschlag. Ich glaube, es ist ein leistungsfähiger Ansatz für die tatsächliche Lösung der Migrationskrise.

Sicherlich habe ich nicht alles bedacht und schätze den einen oder anderen Punkt falsch ein.

Ich kann zugeben, wenn ich etwas falsch einschätze. Ich versuche, über das Reifestadium des Dreijährigen hinaus zu gelangen. Die meisten anderen werden lieber mit Sand. Viel Erfolg dabei!

Vielleicht bringt das den einen oder anderen auf andere gute Ideen.

Wahrscheinlich aber nicht. Wahrscheinlich geht die Sandkastenrangelei weiter.

HAVE FUN!

Bild: creisi

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6 Kommentare

    • Hallo Erich, bei nochmaligem Durchlesen klärt sich das wahrscheinlich. Es geht nicht um Ghetto, sondern um eine Freihandelszone mit freiem Eingang und Ausgang.

  1. Ein sehr ausgewogener, unaufgeregter Text. Was die Kriminalität angeht, da lohnt es sich, in der BKA-Statistik nochmal etwas genauer nach Nationalitäten zu unterscheiden. Ich empfehle einen Blick auf Algerier und alle aus der Gegend, wo mal Jugoslawien war…

  2. Sehr sachlich. Ich würde aber der Empfehlung von Dieter folgen und die BKA-Statistik nochmal differenziert lesen. Die Nationalitäten, die jetzt zu uns kommen, sind in der Vergangenheit stark durch Kriminalität aufgefallen, vor allem Tunesier und Algerier.

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