4 Tricks wie Sie andere beeindrucken ohne beeindruckend zu sein

131102-achtung_satire_JPG_SMALLWie Sie schwache Menschen beeindrucken, ohne wirkliche Fähigkeiten erwerben zu müssen

Diese Tricks werden seit zig Jahren von Scharlatanen, Trickbetrügern und selbst ernannten Gurus verwendet. In den letzten Jahren fasst man diese drei Gruppen zusammen unter der Berufsbezeichnung „Coach“.

Ja ja, ich weiß, es gibt ein paar vernünftige Coaches. Aber nicht viele.

Allerdings eine wichtige Vorbemerkung: Diese Tricks beeindrucken nur schwache Menschen.

Menschen, die selbst denken, sich selbst hinterfragen und wenigstens gelegentlich pro-aktiv etwas unternehmen, sind von diesen Tricks NICHT beeindruckt. Aber wie viele sind das schon? Eben. Also haben Sie eine sehr breite Basis, an der Sie sich austoben können.

Die Tricks bestehen im Wesentlichen aus „Truisms“, also Aussagen, die garantiert immer wahr sind, wie „Du hattest schon mal Probleme in Deinen Beziehungen, manchmal größere und manchmal kleinere.“ Ach echt?

Wenn ich merke, dass so etwas für mein Gegenüber zu platt ist, gibt es vier Klassiker, die mit den meisten Leuten funktionieren. „Funktionieren“ bedeutet hier ausdrücklich NICHT, dass die Tricks einen Gewinn an Wahrheit oder Nutzen bringen, denn sie sind für den anderen völlig nutzlos. Aber sie beeindrucken viele Leute.

Trick 1: Sagen Sie ihnen, sie seien „zu verspannt“.

Man kann Anfängern in egal was immer sagen, sie seien zu verspannt – denn Anfänger sind meistens verspannt. Fortgeschrittene sind etwas weniger verspannt. Selbst Meister sind bisweilen verspannt.

Die beeindruckende Wirkung dieses Tricks wird dadurch unterstützt, dass sich, besonders seit den 1960ern, die Illusion verbreitet hat, es gäbe so etwas wie eine umfassende „Selbstsicherheit“, die wir anstreben sollten, einen Zustand fast permanenter Entspannung, Kompetenz und innerer Sicherheit. Diesen Zustand gibt es aber nicht.

Trick 2: Sagen Sie „Du bist zu sehr im Verstand“

Einem Anfänger kann ich auch sagen: Du bist zu sehr im Verstand – Wachstum und echtes Verstehen kommt nicht aus dem Verstand. Das ist wahr. Meistens, wenn wir etwas Neues beginnen, versuchen wir es erst einmal aus dem Verstand heraus.

Der Verstand verspricht uns eine Illusion von Sicherheit. Diese Illusion wirkt ziemlich echt, ist es aber nicht. Aber wir fallen immer wieder darauf herein.

Trick 3: „Du bist im Mangelbewusstsein!“

Der Mensch ist fast ununterbrochen im Mangelbewusstsein. Das ist genetisch so programmiert, weil unsere Vorfahren bis vor ca. 10.000 Jahren nicht überleben konnten ohne Mangelbewusstsein.

Besonders in der Selbsthilfe-Bewegung der 1960er hat sich aber die Illusion verbreitet, wir könnten „nur durch eine Entscheidung“ mal eben so in das Bewusstsein von Überfluss wechseln.

Die heutige Realität der westlichen modernen Gesellschaften ist ja Überfluss. Aber das Mangelbewusstsein ist eben NICHT eine Entscheidung, sondern ist materiell im Gehirn als Automatik verankert. Offenbar gibt es Möglichkeiten, diese zu überwinden bzw. zu umgehen, aber das ist nicht „nur eine Entscheidung“, sondern ein längerer Prozess.

Sage ich meinem Gegenüber also „Du bist im Mangelbewusstsein“, dann liege ich sehr wahrscheinlich richtig. Aus der Nummer kommen wir auch so gut wie nicht raus.

Trick 4: Erwähnen Sie die Angst vor „Versagen“ und Ablehnung

Was ist „Versagen“ wirklich? Abgesehen davon, wenn ich beim Entschärfen einer Bombe „versage“ (was danach kommt, kann mir dann ziemlich egal sein) oder irgendetwas, das REALE Konsequenzen hat, bedeutet „Versagen“ meistens, dass ein paar Leute der Meinung sind, ich hätte etwas nicht gut genug gemacht.

Das Urteilsvermögen dieser Leute ist meistens auch nicht besonders ausgebildet. Das menschliche Urteilsvermögen insgesamt ist wahrhaftig nicht doll, das liegt an unserer beschränkten Perspektive und unserer beschränkten Wahrnehmung. Insofern ist es relativ egal, wenn andere Leute über mich urteilen.

Wohlgemerkt, Urteilen ist etwas anderes als durchdachtes, spezifisches Feedback, das sich auf mein Verhalten und meine Handlungen bezieht, nicht auf die Bewertung meiner Person.

Urteile sind irrelevant. Die Urteile Anderer über mich, meine Urteile über Andere oder meine eigenen Urteile über mich selbst. Sie haben keinen relevanten Inhalt.

Aber Urteile sind verbunden mit sozialem Status. Ich fürchte den Verlust von Status. Die Leute, die mir den Status gewähren oder wegnehmen, sind mindestens genau so beschränkt wie ich. Deshalb ist auch ihr Statusdenken völlig irrelevant.

Leider reagiert mein Gehirn aber auf niedrigen Status mit Stress, obwohl dies in der modernen Gesellschaft völlig unsinnig ist. Ich komme aus der Nummer aber nicht raus.

All diese Dinge kann ich anbringen, um andere zu beeindrucken.

Das wirkt erstmal kompetent, wenn mein Gegenüber schwach, jung, unerfahren und unsicher ist. Es nützt ihm aber nichts.

Wenn ich wirklich Fähigkeiten hätte, würde ich mich nicht darauf beschränken, Probleme zu benennen, sondern würde praktisch nutzbare Lösungen anbieten.

Der Punkt ist nur, dass es für diese 4 Probleme keine praktisch nutzbare Lösungen gibt.

Sie sind Teil des menschlichen genetischen Erbes.

Mit sehr viel Lebenserfahrung werden sie etwas leichter zu handhaben. Das war’s dann aber auch.

Die Verspannung geht bestenfalls zurück, wenn ich meinen Arbeitsbereich wirklich gut beherrsche – sie geht dann aber auch nur zurück, so lange ich mich in meinem Arbeitsbereich befinde. Sobald ich das Gelände verlasse, das ich kenne, ist die Verspannung sofort zurück.
Innere Sicherheit, die wir alle haben wollen, gibt es nicht.

Wenn Sie also andere beeindrucken wollen, ohne Nutzen zu bringen, sind dies 4 mögliche Ansätze.

VIEL ERFOLG!

 

Titelfoto: Philipp_Stegmann

 

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Comments

  1. Gelungene Satire! Das ist wirklich wahr. So beeindruckt man Leute, die schwächer sind.

  2. Haha, diese Tricks werden oft angewendet. Ich war auch schon hier und da davon beeindruckt.

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