Zielerreichung durch Visualisieren

LilliAssi30062010-A_SQUAREErfahrungen mit Visualisierung

verfasst von Lilli Cremer-Altgeld

Wie erreichen wir ein Ziel, das uns wichtig ist?

Darüber habe ich bereits vor Kurzem geschrieben. Wir schreiben das Ziel auf – und denken regelmäßig daran, immer mal wieder.

Mein Ziel war es, ein Markt- und Kommunikationsforschungsinstitut zu gründen. Während meiner Kindheit bereits war mir aufgefallen, dass Menschen zu viel von dem hatten, was sie nicht wollten, und zu wenig von dem, was sie gerne sein und haben wollten. Markt- und Sozialforscher/innen konnten, so meine Überlegungen, zwischen beiden Seiten eine Brücke schlagen. Das war mein Antrieb.

Von Unternehmern wusste ich, dass sie danach strebten, genau das Produkt herzustellen, das die Konsumenten haben wollen. Dazu müssen sie natürlich wissen, wie dieses Produkt sein soll. Z.B. Limonade: Wie genau soll sie schmecken, wie viel Kohlensäure soll hinein, wie soll die Farbe sein, die Konsistenz, der Geruch?

Politische Ansprache

Oder, ein anderes Thema: Politik. Wie sollte die Ansprache der Bundesregierung an die Bürgerinnen und Bürger sein? In welcher Form? Mit welchen Worten? In welchen Sprachen? Was soll kommuniziert werden – auf welche Art? Was heisst verständlich? Was für Beispiele sollten man anführen? Wo sind Möglichkeiten? Wo sind Grenzen? Was geht? Was geht nicht?

In dieser Welt der Fragen fühlte ich mich heimisch – und ich konnte mir gut vorstellen, mit Hilfe von Forschung eine Dolmetscherin für die beiden Seiten zu sein. Diese Vorstellung kam immer wieder zu mir. Und ich erlaubte es ihr: In der Bahn, in Wartezimmern, vor dem Einschlafen, in den Pausen, wenn meine aktuelle Arbeit gerade nicht so spannend war – und immer wenn ich Lust und Laune hatte.

Mir war es wichtig, erstmal nicht darüber zu reden. Die anderen könnten mich vielleicht etwas verrückt halten.

Die Idee einer angestellten Tätigkeit konnte ich mir nicht wirklich für mich vorstellen. Schon meine Eltern hatten mehrere Geschäfte. Selbständigkeit war geradezu selbstverständlich für mich.

Dass ich eines Tages – 1985 – fast über Nacht Leiterin eines Forschungsinstituts geworden bin, kann ich manchmal heute noch nicht glauben. Aber ich kann es erklären.

Zum Beispiel mit der Methode der ‚Visualisierung’. Um es einmal bildlich zu sagen: Viele Wege führen nach Rom. Man/frau kann zu Fuss gehen. Mit dem Fahrrad fahren. Mit Inlineskates und mit Rollschuhen – mit dem Motorrad, Auto, dem Bus, der Bahn, dem Jet. Je nach Vorliebe, Gewohnheit und Entfernung. Ähnlich ist es auch mit der Zielerreichung. Man kann unterschiedliche Techniken wählen.

Eine Methode von vielen ist die ‚Visualisierung’.

Vielleicht wissen Sie nicht, was damit gemeint ist. Hier ein Beispiel: Stellen Sie sich eine Sportlerin vor, die sich auf ihren Wettkampf vorbereitet. Dann – aus heiterem Himmel – erlebt sie einen Unfall. Der Arzt verordnete vor allem eins: Bettruhe. Rund zwei Wochen vor Spielbeginn. Eine Katastrophe. Aber die Eiskunstläuferin gibt nicht auf. Sie will gewinnen. Dafür will sie trainieren. Aber wie, wenn sie sich nicht bewegen darf?

Es war bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo/Italien: Die Eiskunstkunstläuferin Tenley Albright stürzte beim Training und zog sich schwere Verletzungen zu. Der Arzt verordnete ihr Bettruhe. An weiteres Training war nicht einmal zu denken.

Was hätte Tenley tun sollen? Schmollen? Über ihr Schicksal weinen und wehklagen? Nach Hause fahren? Die junge Athletin nahm es sportlich. Sie überlegte sich, was sie noch tun konnte – und dachte nicht daran, was für sie nicht mehr möglich war.

Eissportlerin Tenley visualisiert sich zum Sieg

Ihr Kopf war gesund. Ihr Geist war wach. Und ihr Enthusiasmus auf dem Höhepunkt. Sie erinnerte sich daran, was sie die Trainer gelehrt hatten: wie sie die Kraft ihres Denkens nutzen konnte, um die beste Leistung zu erbringen. Auch, wenn es mal nicht so läuft wie geplant.

Und so liess sie den Ablauf ihrer Kür immer wieder vor ihrem inneren Auge ablaufen. Und sie prägte sich dabei jede Einzelheit aller Bewegungen genau ein.

Später erinnerte sie sich: „Obwohl ich mit dem verletzten Knöchel noch wenige Tage vor Beginn der Spiele nicht einmal richtig auftreten konnte, hatte ich das Gefühl, gut in Form zu sein. Inzwischen weiss ich, dass es an den Visualisierungsübungen lag, die inzwischen zum Trainingsprogramm der Eisläuferinnen gehören.“

Das war die richtige Entscheidung. Tenley Albright gewann mit verletztem Fuss die Goldmedaille im Eiskunstlauf der Damen bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina D’Ampezzo. In den 80er Jahren wurden die Ursachen des Erfolgs bei Spitzensportler/innen wissenschaftlich besonders gründlich erforscht.

8 Techniken für den Erfolgskurs

Der leitende Sport-Psychologe des United States Olympic Committee, Shane Murphy, blickt zurück: „1987 brachte ich im Olympischen Trainingszentrum in Colorado Springs ein gross angelegtes Forschungsprojekt auf den Weg, um die mentalen und physischen Voraussetzungen für den Erfolg zu ermitteln … im Laufe der Jahre haben meine Kollegen und ich mehr als 4.000 Spitzensportler interviewt … Die Untersuchungen haben den eindeutigen Beweis erbracht, dass Spitzensportler einige oder alle acht Techniken nutzen, um sich auf Erfolgskurs zu bringen …:

1. Aktionsorientierung
2. Kreatives Denken
3. Produktivitätsanalyse
4. Ruhe bewahren
5. Konzentration
6. Emotionale Stärke
7. Mobilisierung von Energiereserven
8. Festhalten am Erfolgskonzept.“

Bei meiner Institutsgründung hatte ich instinktiv das Richtige getan: Visualisieren – und dabei Freude & Begeisterung empfinden. Und ich war sicher, dass ich es schaffe. Auch wenn ich insgeheim nicht immer daran glauben konnte.

Herzlichst
Ihre
Lilli Cremer-Altgeld

LINKS:

Tenley Albright
http://www.sports-reference.com/olympics/athletes/al/tenley-albright-1.html
http://sportsillustrated.cnn.com/siforwomen/top_100/47/

Lilli Cremer-Altgeld
http://lillicremeraltgeld.blogspot.com/
http://koelnercoachhochbegabte.blogspot.de/
http://hochbegabungspresse.blogspot.com/

 

Titelfoto: TheDigitalArtist

 

 

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