Und wieder eine, die es gegen großen Widerstand geschafft hat

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade „Mutmachgeschichten“ von PinkMind.

Ich habe es inzwischen aufgegeben, vorherzusagen, wer von meinen Kursteilnehmern beruflich erfolgreich wird und wer nicht.

Ich hielt mich mal für enorm schlau und dachte, ich könnte das anhand von ein paar Kriterien beurteilen.

Eine mehrjährige eigene Studie bewies mir, dass ich öfter falsch lag als richtig.

Wenn ich dachte, aus der Frau wird mal richtig was, die war 3 Jahre später immer noch arbeitssuchend. Der junge Mann, der auf mich sehr konfus wirkt, wird einen Monat später kaufmännischer Leiter eines mittelständischen Unternehmens.

Was lernen wir daraus? Wenn ein Lehrer oder eine „Autorität“ (griechisch für: armes Würstchen mit Profilneurose) Dich einschätzt, muss das nicht zwingend richtig sein.

Einen meiner ersten Kurse unterrichtete ich mehrere Monate, durch die gesamte kaufmännische Grundausbildung hindurch. Kaufmännisches Rechnen, Grundlagen BWL, Grundlagen der Buchhaltung, Buchhaltung mit Lexware und DATEV.

Die Damen und Herren haben mehr oder weniger keine Ausbildung, die irgendwie zum Kaufmännischen passt. Aber alle sind motiviert und machen gut mit. Wir kommen gut voran. Dieser Kurs gehört zu den liebsten Erinnerungen meiner Dozententätigkeit.

Dabei ist auch eine junge Dame aus der Türkei. Bei ihr läuft das alles nicht so gut. Im dritten Monat bringt sie immer noch recht vieles durcheinander, bucht falsch herum, verwechselt alles Mögliche.

Dabei ist sie immer am Lachen, immer gut drauf.

Ich denke, sie sollte eher im Veranstaltungsbereich arbeiten oder etwas mit Kindern machen, weil sie permanent positive Energie verbreitet.

Nach ein paar Monaten ist auch dieser Kurs zu ende.

Zweiter Anlauf, auch mit Hindernissen

Zwei Jahre später sehe ich die Dame wieder. Sie nimmt wieder an einem Buchhaltungs-Kurs teil. Mit ihrem charakteristischen breiten Lächeln sagt sie mir, sie hält fest an ihrem Traum von der Karriere in der Buchhaltung. Ich denke, mal sehen.

Es läuft ähnlich wie beim ersten Mal. Mit sehr viel Wohlwollen arbeitet die Dame auf Dreierniveau.

Der Kurs endet mit einem soliden Notendurchschnitt.

Im Job

Ein paar Wochen später ruft die Dame mich an, sie hätte jetzt einen Buchhaltungsjob. Ich denke, mal sehen, wie das läuft.

Ob sie mich bei Gelegenheit mal was Fachliches fragen darf. Ja, klar. Ich erhalte solche Anfragen öfter mal.

Manchmal kommt dann tatsächlich irgendwann eine Nachfrage, meistens kommt gar nichts.

Und, nach ein paar Wochen meldet sie sich, sie hätte eine Reihe fachliche Fragen, ob wir uns mal zusammen setzen können.

Ich sage, gerne. Wir verabreden uns um Ende November herum.

Ein erhellendes Treffen im Dunkeln

Als der Abend des verabredeten Tages kommt, ist es eine bitterkalte stockfinstere Nacht. Es ist um 17 Uhr völlig dunkel.

Wir sind bei einem Vietnamesen verabredet. Sie ruft an, sie steckt im Schneetreiben fest.

Ich habe keine Lust mehr, im Restaurant zu warten und nehme den nächsten Bus zurück in mein Home Office. Ein paar Stunden später kommt sie dorthin.

Aus irgendwelchen Gründen geht die Deckenbeleuchtung meines Büros nicht. Wir sitzen uns im Schein meiner Schreibtischlampe auf Bürostühlen gegenüber.

Sie ist außerordentlich gut vorbereitet. Sie hat Dokumente aus dem Betrieb mitgebracht, hat aber alle vertraulichen Inhalte geschickt entfernt. Sie stellt sehr gezielte Fragen, die man so nur stellen kann, wenn man ernsthaft in der Materie steckt.

An anderer Stelle habe ich bereits beschrieben, wie viel Kompetenz man demonstrieren kann durch das Stellen qualifizierter Fragen.

Ich bin sehr beeindruckt. In dieser Weise habe ich die Dame noch nie erlebt. Überhaupt erlebe ich selten, dass jemand so ambitioniert und so gut vorbereitet ist.

Es scheint auch eine Seite ihrer Persönlichkeit durch, die ich vorher niemals wahrgenommen hatte zwischen all dem Lachen, nämlich eine Frau, die sehr gut strukturiert und klar und tough ist und genau weiß, wo es für sie langgeht.

Und weiter aufwärts

Noch ein paar Wochen später ruft sie wieder an. Sie erzählt wie nur jemand erzählen kann, der die Materie wirklich versteht.

Sie ist in einem international aufgestellten Unternehmen zur Alleinbuchhalterin befördert worden. Ich freue mich und denke, das passt auch. Sie ist wirklich gut orientiert und macht nun Karriere in einem Bereich, in dem sie arbeiten wollte.

Der Mutmach-Faktor dabei

Zuerst wiesen alle Hinweise in eine andere Richtung.

Aber die Dame hat es geschafft und ist sogar noch weiter gekommen als sie dachte.

Es kann also auch später noch klappen, wenn es vorher lange nicht geklappt hat.

HAVE FUN!

Von meiner Seite vielen Dank an Sandra von Pink Mind für die Idee zu dieser Blogparade. Die Parade läuft bis zum 30. November 2016.

Bild: geralt

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3 Kommentare

  1. Lieber Alexander,
    Vielen Dank für deine Teilnahme an meiner Blogparade und für deinen gelungenen Beitrag. Ich freue mich sehr und denke, dass deine Schilderung vielen Menschen Mut machen wird, trotz anfänglicher Schwirigkeiten ihre beruflichen Ziele zu verfolgen.
    Liebe Grüße Pink

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  1. Mutmachgeschichten- die das Leben schreibt
  2. Liebster Award - rechnungswesen-lehrer

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