Was in Stellenanzeigen im Rechnungswesen steht und was damit gemeint ist

Manche Begriffe, Ausdrücke und Bezeichnungen finden sich immer wieder in Stellenanzeigen für Jobs im Rechnungswesen.

Aber was bedeuten die Begriffe? Leider heißen sie auch nicht immer dasselbe. Manche Ausdrücke werden auch unklar verwendet. Ich habe darum ein paar der häufigsten Begriffe erklärt, mit ihren häufigsten Bedeutungen.

Im konkreten Fall ist es unerlässlich, genau nachzufragen, was der Arbeitgeber genau meint, damit der Bewerber einschätzen kann, ob er genügend Vorkenntnisse mitbringt.

Vorbereitung der Buchhaltung / Vorbereitende Buchhaltung

Gerade dieser Text hat zwei verschiedene Bedeutungsdimensionen, die aber zwei gänzlich verschiedene Niveaus an Vorkenntnissen erfordern.

Bedeutung 1: Alles, was vor der Buchhaltung passiert, also vor allem Sortieren, Kontieren und Ablegen von Belegen. Diese Arbeit ist also relativ einfach, weil man hier mit relativ wenigen Kenntnissen einsteigen kann. Der Ausdruck ist hier wörtlich zu verstehen; die eigentliche Buchhaltung wird hier vorbereitet.

Bedeutung 2: In der anderen Bedeutung ist alles gemeint, was den Jahresabschluss vorbereitet. Hier soll tatsächlich gebucht werden, auf mehr oder weniger hohem Level. Es kann damit gemeint sein, laufende Geschäftsvorfälle zu verbuchen wie Eingangsrechnungen, Ausgangsrechnungen, Bank, Kasse, Darlehen und Zinsen.

Eventuell kommen dazu aktive und passive Rechnungsabgrenzung, Abstimmung von Verbindlichkeiten und Anlagevermögen oder Überprüfung der Privatkonten bei einer Personengesellschaft – also die Vorbereitung aller Positionen, bevor der Jahresabschluss endgültig erstellt wird.

Monatsabschluss / Quartalsabschluss

Auch dies kann sich auf zwei gänzlich verschiedene Niveaus beziehen.

Es gibt den fachlichen und den technischen Monatsabschluss. Der technische Teil ist relativ einfach und erfordert das Drücken / Klicken von ein paar Knöpfen. Der fachliche Teil ist so komplex wie die Buchhaltung des betreffenden Unternehmens / Konzerns. Bei einem kleinen Unternehmen gibt es da meistens wenig zu beachten, bei einem großen und komplexen Unternehmen sehr vieles.

Bedeutung 1: Technischer Monatsabschluss heißt lediglich, dass der Monat „zugemacht“ wird, dass also nicht mehr in dem betreffenden Monat gebucht werden kann bzw. darf. Man überträgt evtl. noch im Stapel befindliche Buchungen ins Journal, schreibt alles fest und schließt, so weit in der Software technisch möglich, den Datums-Zeitraum.

Bedeutung 2: Beim fachlichen Monatsabschluss geht es vor allem um korrekte periodische Abgrenzung – also darum, dass alle Erfolge in die zugehörige Periode gebucht werden.

Das heißt, Vorauszahlungen werden so umgebucht, dass der Aufwand / Ertrag in der Periode landet, in welche er gehört.

Abschreibungen sollten monatlich gebucht werden. Außerdem kann die Bewertung von Vorräten ein Thema sein (bei größeren Unternehmen).

Je nachdem, wie groß und komplex das Unternehmen ist, kann der Monatsabschluss eine extrem anspruchsvolle Aufgabe sein – oder eben sehr einfach.

Jahresabschluss

Hier gilt genau dasselbe wie beim Monatsabschluss. Der technische Abschluss ist in den meisten Programmen relativ einfach.

In den Annoncen ist hiermit aber so gut wie immer die fachliche Mitarbeit am Jahresabschluss gemeint. Also periodische Abgrenzung, Vorratsbewertung, Rückstellungen, Abschreibungen, u.a.

Abstimmung

Hier gibt es mehr als zwei mögliche Bedeutungen.

Abstimmung heißt meistens entweder periodische Abstimmung (richtiger: Abgrenzung) oder die Abstimmung von Kontensalden. Es werden Salden miteinander verglichen, interne oder externe. Differenzen müssen dann natürlich geklärt werden.

Bedeutung 1: Debitoren und Kreditoren (OPOS) abstimmen. Das heißt, ich frage den Lieferanten, wie viel Forderungen er gegen mich hat, und vergleiche das dann mit meinen Verbindlichkeiten an ihn. Umgekehrt mache ich dasselbe mit meinen Kunden. Die Suche nach Differenzen ist hier schlimmstenfalls mittelschwer; man sucht falsch zugeordnete Zahlungen, fehlende Skonto-Buchungen u.ä.

Bedeutung 2: Andere externe Salden mit internen Salden vergleichen. Dies kommt vor z.B. bei Darlehen, wo Zinsaufwand und Jahressaldo verglichen werden. Differenzen sind hier meistens schnell geklärt.

Bedeutung 3: Abstimmen von Verrechnungskonten, interne oder externe. Oft gibt es Verrechnungskonten, auf denen Leistungsaustausch zwischen verschiedenen Unternehmen verrechnet wird, bevor eine Zahlung stattfindet. Dies können Kunden sein, Lieferanten oder Unternehmen innerhalb eines Konzerns. Die Klärung der Differenzen kann hier sehr einfach oder sehr komplex sein, das hängt davon ab, wie komplex der Leistungsaustausch ist.

Bedeutung 4: Abstimmung interner Salden. Hat die Buchhaltung die gleichen Zahlen für Umsätze und Provisionen wie der Vertrieb? Hat das Lager die gleichen Bestände wie die Buchhaltung? Usw. Auch hier ist die Suche nach Differenzen so schwierig, wie die Prozesse kompliziert sind.

Bedeutung 5: Der komplexeste Fall ist die Konsolidierung von Konzernbilanzen. Hier müssen sämtliche Bilanzpositionen aller Konzernunternehmen miteinander abgestimmt werden, damit die zusammengefasste Bilanz für den Konzern erstellt werden kann. Konzernbilanzierung ist eine sehr umfangreiche und schwierige Materie.

Bedeutung 6: Hier wird der Begriff „Abstimmung“ nicht korrekt verwendet; gemeint ist die periodische Abgrenzung. Auch hier gilt, bei einem kleinen Unternehmen sind tendenziell 1-2 Positionen abzustimmen, bei einem Großkonzern hunderte von Positionen.

Kontenklärung

Hier soll überprüft werden, ob auf bestimmten Konten richtig und vollständig gebucht wurde.

Kommunikation ist unerlässlich

In keinem Fall werden Sie darum herum kommen, genau nachzufragen, was mit einzelnen Positionen gemeint ist.

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer unklarer Ausdrücke. Als Controller ist meine Lieblingsanforderung „gute Excel-Kenntnisse“ (oder sehr gute, hervorragende, usw.). Wie gut ist gut? Hierzu habe ich an anderer Stelle eine Präzisierung versucht.

Nach meiner Erfahrung hat der Inhalt einer Stellenanzeige sowieso nicht allzu viel zu tun mit der tatsächlichen Aufgabe.

Deshalb: Fragen Sie freundlich und sachlich nach.

Viel Erfolg!

Bild: geralt

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