Sechs unbequeme Wahrheiten, die Ihren Charakter verbessern können

nach Ideen von David Wong, Editor des Crack Magazine

Insbesondere in meiner Rolle als Controller habe ich oft die unangenehme Aufgabe, an die Wirklichkeit zu erinnern. Dazu gehören fundamentale Dinge wie

  • Wenn der Unternehmer Geld ausgibt, ist es danach ausgegeben
  • Gravitation beinhaltet, dass Massen sich anziehen
  • Eine größere Zahl ist größer als eine kleinere

Sie verstehen. All diese lästigen Dinge.

Manchmal treibt mich mein narzisstisches Sendungsbewusstsein dorthin, ein paar lästige Dinge aufzuschreiben.

Falls Ihre Karriere gerade großartig läuft, wenn Ihr Leben spannend ist, wenn Ihre Beziehungen funktionieren, ist dieser Artikel nicht für Sie. Schönen Tag noch.

Für alle anderen – ich bitte Sie, etwas auszuprobieren. Benennen Sie 5 Dinge, die an Ihnen beeindruckend sind. Aufschreiben oder laut in den Raum rufen.

Aber, hier ist der Haken: Sie dürfen keine Dinge auswählen, die Sie SIND (ich bin ehrlich, nett, usw.), sondern nur Dinge, die Sie TUN (nationale Schachmeisterschaft gewonnen, manage die Kinder sehr gut, mache erstaunliche Pasteten…).

Wenn Sie das schwierig finden, dann ist dieser Artikel für Sie, und Sie werden ihn hassen. Als mir diese Dinge offenbart wurden, habe ich sie auch gehasst. An vielen Tagen hasse ich sie immer noch.

Andererseits wünschte ich, jemand hätte mir diese Wahrheiten früher im Leben nahegebracht und ich hätte sie früher verstanden.

In Stichworten:

  1. Die Welt interessiert nur, was sie von Ihnen bekommen kann
  2. Die Hippies hatten unrecht
  3. Was Sie tun, muss nicht zwingend Geld bringen, aber es muss Menschen nützen
  4. Sie hassen sich selbst, weil Sie nichts tun
  5. Wer Sie „tief innen sind“ hat nur Bedeutung, soweit es Sie zum Handeln bringt
  6. Alles in Ihnen wird gegen Veränderung kämpfen

Wahrheit 1: Die Welt interessiert nur, was sie von Ihnen bekommen kann

Angenommen, der Mensch, den Sie am meisten lieben, liegt nach einem Unfall blutend am Boden und schreit vor Schmerz. Jemand kommt angelaufen und sagt „Geh mal zur Seite.“ Er zückt ein Taschenmesser, um eine Operation durchzuführen.

Sie fragen ihn „Sind Sie Arzt?“

Er antwortet: „Nein.“

„Aber Sie wissen, was Sie tun, oder? Sie sind Krankenpfleger oder sowas?“

Der andere reagiert genervt. Er sagt Ihnen, er sei ein netter Mensch, ehrlich, pünktlich, ein toller Sohn, mit einem reichen Leben voller erfüllender Hobbies, und außerdem flucht er nie.

Warum soll das jetzt helfen, wenn ein geliebter Mensch dabei ist zu verbluten? Kann er jetzt operieren oder nicht?

Jetzt regt der Andere sich wirklich auf. Warum sind Sie so selbstsüchtig? Warum respektieren Sie nicht all seine anderen Qualitäten? Er denkt jedes Jahr an den Geburtstag seiner Freundin! Angesichts eines so reinen Charakters, ist es wirklich relevant, ob er medizinische Kenntnisse hat?

Ähm…ja… Schon wichtig. Wenn man jemanden aufschneidet, sollte man Grundkenntnisse haben, welche Blutgefäße sich wo befinden, und sowas.

Hier ist die böse Wahrheit über die Welt der Erwachsenen: Sie befinden sich jeden Tag in einer ähnlichen Lage, wenn auch nicht durchgehend so dramatisch. Nur, Sie sind der verwirrte Typ mit dem Taschenmesser. Der Rest der Gesellschaft ist das blutende Unfallopfer.

Warum lehnt die Gesellschaft Sie ab?

 

Warum respektiert Sie niemand?
Die Gesellschaft ist voller Menschen, die etwas BRAUCHEN. Häuser, Essen, Unterhaltung, erfüllenden Sex.

Sie stehen vor diesen Bedürfnissen mit dem gezückten Taschenmesser.

Entweder Sie lernen, etwas gut zu machen, oder die Welt wird Sie ablehnen. Dabei ist es nicht wichtig, wie freundlich oder höflich Sie sind. Sie werden arm sein, allein, draußen in der Kälte.

Das ist gemein, krass, materialistisch? Was ist mit Liebe und Freundlichkeit? Sind die nicht auch wichtig? Ja, sind sie. So lange das Ergebnis davon ist, dass andere Menschen bei Ihnen etwas bekommen, was sie woanders nicht bekommen.
Denn:

Wahrheit 2: Die Hippies hatten unrecht

In dem erstaunlichen kleinen Film „Glengarry Glenn Ross“ gibt es eine beeindruckende Szene. Der Darsteller Alec Baldwin hat für diese Szene einen Oscar erhalten, auch wenn dies sein einziger Auftritt im ganzen Film ist, der nur ca. 10 Minuten dauert.

Baldwin spricht zu einer Gruppe von Verkäufern. Er eröffnet ihnen, dass sie alle gefeuert werden, wenn sie nicht verkaufen.

„Netter Kerl? Mir scheißegal. Guter Vater? Fick Dich! Geh nach hause und spiel mit den Kindern. Wenn Ihr hier arbeiten wollt, dann verkauft!”

Er ist brutal, rücksichtslos und tendenziell soziopathisch. Gleichzeitig macht er eine ehrliche und zutreffende Ansage über das, was die Welt von Ihnen erwartet.

Nur, in der wirklichen Welt ist fast niemand so ehrlich mit Ihnen. Kritisches Feedback wird von Gebern wie Nehmern so sehr gefürchtet, dass die meisten Leute entscheiden, Sie lieber weiter scheitern zu lassen.

Mir als Dozent begegnet dieses Phänomen in abgeschwächter Form immer mal wieder.

Ich frage meine Klassen oft, was sie wollen und stelle mehrere Optionen zur Auswahl.

Wenn dann Vorschläge kommen, die sinnvoll sind, setze ich sie um.

Meistens kommt aber nichts. Die amorphe Masse starrt vor sich hin. Ich weise die Teilnehmer mehrfach eindringlich darauf hin, dass sie es in der Hand haben, etwas zu verändern.

Einige finden es aber besser, sich 2 Wochen durch das Kursmodul zu quälen, nichts zu sagen und sich dann HINTERHER zu beschweren – natürlich hinter meinem Rücken.

Intelligentere Schulleiter fragen dann die Teilnehmer, ob sie denn Herrn Meneikis direkt mal Vorschläge unterbreitet haben. An der Stelle starren sie wieder vor sich hin.

Tatsächlich finde ich fundierte Kritik sehr gut. Die größten Verbesserungen meines Unterrichts kamen aus spezifischer Kritik und konstruktiven Vorschlägen von Teilnehmern.

„Wer mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert wird, kann sagen, wow, super, hier kann ich etwas lernen und mitnehmen. Er kann auch beleidigt sein und sich über den Tonfall der Aussage aufregen oder Phantasien entwickeln, warum der Verkünder der Wahrheiten vermutlich ein Heuchler ist. Letzteres wäre die Standard-Reaktion des Narzissten.“
(The Last Psychiatrist’s Blog)

Selten habe ich mich so ertappt gefühlt wie bei diesem Zitat.

Tatsache ist, ob Sie im Leben wirtschaftlich vorankommen, wird sich zu einem großen Teil danach richten, wie sehr Sie eher bitter oder eher konstruktiv sind.

Fight Club und Zivilisationskritik

Manche antworten an dieser Stelle gerne mit einem Zitat des Charakters Tyler Durden aus dem Kultfilm „Fight Club“: „Du bist nicht Dein Job!“

Diese Aussage ist missverständlich. Tyler Durden betrieb ein florierendes Unternehmen mit der Produktion von Kosmetikseife (hergestellt aus dem Fett, das reichen Frauen von Schönheitschirurgen abgesaugt wurde) und baute darüber hinaus den Fight Club auf.

Tyler Durden war sein Job, durch und durch.

Was er vermutlich meinte ist, Sie sind nicht ein öder, doofer Bürojob voller sinnloser Rituale und nutzenfreier Tätigkeiten.

Was Sie aber sehr wohl sind, ist der Nutzen, den Sie in der Welt stiften.

Nebenbei, genau hier liegt ein konzeptioneller Bruch, weshalb Tyler Durdens Fight Club als eine inspirierende Bewegung begann, in der angeödete Büroangestellte leere Rituale hinter sich ließen. Er baute aber nichts Konstruktives auf, so dass der Fight Club schließlich zu einer recht sinnleeren terroristischen Vereinigung wurde, die nur zerstörte, ohne wirksame Alternativen zu bieten. Aber das ist ein eigenes Thema.

Verschobene Prioritäten

Warum werden Chirurgen mehr respektiert als Autoren von Groschenromanen?

Ja, es trifft zu, dass die moderne Gesellschaft zum Teil seltsame Prioritäten setzt. Für Altenpflege wird ein sehr viel niedrigerer Stundenlohn gezahlt als für die Wartung von Kfz. Dies hat vielfältige Gründe.

Eine Mutter, die sich wirklich und tatsächlich um ihre Kinder kümmert, erhält von einigen Menschen um sie herum weniger Anerkennung als die Directrice eines Modelabels. Von manchen erhält sie mehr Anerkennung. Von mir zum Beispiel. Für mich gibt es wohl keine albernere Branche als die Modebranche.

Robert Altman versuchte, mit seinem Film „Pret-A-Porter“, die Modebranche zu parodieren. Die Zuschauer stellten jedoch fest, dass es gar nicht möglich ist, die Modebrache noch alberner darzustellen, als sie ist.

Tom Cruise gehört einer interessanten Vereinigung an, die sich selbst als „Religion“ bezeichnet. Ist er deshalb pleite gegangen? Nein, im Großen Ganzen bleibt er weiterhin ein großartiger Schauspieler und Action-Darsteller.

Er macht etwas besser als alle anderen. Seine Filme werden weiterhin angeschaut. In Deutschland von ein paar Leuten weniger.

Gitarrist Eddie van Halen behandelte seine Bandkollegen teilweise auf sehr merkwürdige Art. Er bleibt der beste Rockgitarrist der Welt, und deshalb besuchen die Menschen seine Konzerte.

Sie müssen das nicht mögen.

Ich mag nicht, wenn es regnet. Aber: Es regnet trotzdem. Wasser verdunstet, steigt auf, und fällt wieder runter. Ist so.

Sie sind kein flacher, armseliger Kapitalist?

Wahrheit 3: Was Sie tun, muss nicht unbedingt Geld einbringen, aber es muss Menschen nützen

Nehmen wir mal ein Beispiel, das kein Geld erfordert.

Ein Haufen junger Männer läuft herum und beschwert sich, dass sie keine Frauen abkriegen, obwohl sie die nettesten Kerle der Welt sind.

Wie Alec Baldwin in „Glengarry Glenn Ross“ sagte: Wenn Sie hier arbeiten wollen, verkaufen Sie!

Netter Kerl? Scheißegal, verkaufe!

Attraktive Frauen haben eine ähnliche Haltung. Sie sagen es nur meistens nicht so direkt. Sie reagieren indifferent bis gar nicht.

Das Double von Scarlet Johansson in der Buchhandlung investiert eine Stunde pro Abend in ihre Gesichtspflege und fühlt sich schuldig, wenn sie mehr zu Mittag isst als einen Salat. Sie wird in 10 Jahren Ärztin sein. Und was tun Sie?

Wie, das heißt, ich kriege keine attraktive Frau ab, außer ich habe einen guten Job und verdiene viel Geld?

Nein. Sie rationalisieren es nur auf diese Weise, um zu beweisen, dass die jungen Frauen alle oberflächlich und selbstsüchtig sind.

Was haben Sie zu bieten? Sind Sie klug? Witzig? Interessiert, kreativ? OK, was TUN Sie, um diese guten Eigenschaften in der Welt anzuwenden?

Netter Kerl? Ach ja…

Schöne Frauen treffen 48 nette Typen am Tag.

Der Patient verblutet auf der Straße. Können Sie operieren oder nicht?

„Also, ich bin nicht sexistisch, rassistisch oder gierig, oberflächlich oder gewalttätig! Nicht wie diese anderen Idioten!“

Tja, wenn Ihre beste Leistung ist, eine Reihe von Schwächen aufzuzählen, die Sie nicht haben, dann treten Sie zurück vom Patienten. Da gibt es einen witzigen, ambitionierten Typen, der fähig ist, zu operieren. Der ist schon auf den Weg.

Das bricht Ihr Herz? OK, na und? Werden Sie jammern oder etwas daraus lernen?

Ich habe selbst in meiner Schulzeit darüber gejammert, dass die Mädchen nicht mit mir gehen wollten, sondern mit den Deppen. Das war in meinem Fall allerdings ein Irrtum.

Das waren gar keine Deppen, sondern Jungs, die Einiges anzubieten hatten.

„Ich bin ein guter Zuhörer!“ Wirklich? Das heißt, Sie sind bereit, still dazusitzen, um mit einer schönen Frau Zeit zu verbringen?

Stellen Sie sich vor, da gibt es diesen anderen Mann in ihrem Leben, der das auch kann, aber der kann außerdem noch singen und singt ihr abends etwas vor.

„Ein netter Typ“ ist etwa wie die Reklame eines Restaurants, das damit wirbt, dass man von seinem Essen nicht krank wird.

Und wie kriegt man jetzt die schönen Frauen?

Sollte ich jetzt ein Buch darüber lesen?

Nur dann, wenn der erste Schritt in dem Buch ist, „Werden Sie die Person, in deren Nähe sich schöne Frauen aufhalten wollen“.

Der Schritt wird immer wieder ausgelassen. Die Frage, die gestellt wird, ist „Wie kriege ich einen Job?“ und nicht „Wie werde ich jemand, den Arbeitgeber haben wollen?“ Es wird gefragt „Wie werde ich von attraktiven Frauen gemocht?“ anstatt „Wie werde ich die Art Person, die attraktive Frauen mögen?“

Letzteres könnte dazu führen, dass Sie tatsächlich etwas tun müssen…

„Aber warum kann mich nicht jemand nur für das mögen, was ich bin?“

Ihre Mama kann.

Alle anderen BRAUCHEN ETWAS.

“Aber ich kann nichts!”

Gute Nachrichten: Tun Sie etwas oft genug, und Sie können fast alles lernen. Als Säugling war ich kein guter Dozent. Mit 20 war ich nur unbedeutend besser. Jetzt, mit 47 (im Mai 2016) erhalte ich meistens recht gute Bewertungen von Teilnehmern.

Schlechte Nachrichten: Sie haben keine Wahl. Wenn Sie hier arbeiten wollen, dann verkaufen Sie.

Wenn Ihre Traumfrau Ihnen einen Tag lang mit der Kamera folgen würde, wäre sie beeindruckt von dem, was sie sieht? Würde sie Teil dieses Lebens sein wollen?

Nebenbei bemerkt, schöne Frauen werden überbewertet.

Als ich zur Schule ging, hätten die Mädchen nicht auf mich gepisst, wenn ich gebrannt hätte. Nach vielen Jahren der Arbeit an mir selbst, tausenden von Ablehnungen (keine Übertreibung), tausenden von Interaktionen mit Frauen, etlichen Trainings, undramatischen Konfrontationen mit Disco-Türstehern und Polizisten, wurde ich endlich die Schlampe, die ich sein wollte und kriegte die attraktiven Damen ins Bett. (Natürlich auch ein paar unattraktive, zum Üben.)

All die Arbeit, nur zum festzustellen: Nach dem dritten Mal Sex sehen sie alle gleich aus. Extra-attraktiv oder durchschnittlich, egal. Wenn die erste Schicht Hormone aufgebraucht ist, werden andere Dinge wichtiger.

Wahrheit 4: Sie hassen sich selbst, weil Sie nichts tun

Wahrscheinlich lehnen Sie sich selbst nicht ab, weil Sie ein negatives Selbstbild haben oder weil andere gemein zu Ihnen waren.

Sie lehnen sich selbst ab, weil Sie NICHTS MACHEN.

Nicht einmal Sie selbst können „sich lieben nur für sich“.

Rechnen Sie nach: Wie viel Zeit verbringen Sie damit, etwas zu konsumieren, was von anderen gemacht wurde? Fernsehen, Musik, Computerspiele? Wie viel Zeit verbringen Sie damit, selbst etwas zu schaffen? Nur eines von diesen beiden erhöht Ihren Wert als Person.

Sie meinen, nur die inneren Werte zählen?

Wahrheit 5: Wer Sie „tief innen sind“ hat nur Bedeutung, soweit es Ihre Handlungen beeinflusst

Während meiner Coaching-Ausbildung traf ich Dutzende angehender Coaches und Berater.

Sie stellen sich bei Parties als Coaches oder Berater vor. Tief innen drin glauben sie an ihren Kern als beratender Mensch.

Was nur fehlt, sind Beratungen und Coachings, die sie erbracht haben und die andere Menschen als nutzbringend erlebt haben.

Aber ist das wichtig? Ist nicht der tiefe innere Kern das Wesentliche?

NNNEEEEEIIIIINNNNNN !!!!!!!

Manche sagen: „Ich weiß, ich bin in Ordnung.“ Wahrscheinlich stimmt das. Andernfalls müssten sie ja auch harte Arbeit investieren, um etwas zu verändern.

Der Mann, der mit nichts anfängt und dann seiner Familie ein Haus baut, tut es wegen dem, wer er tief innen ist.

Wer Sie tief innen sind, das ist der Boden, auf dem Ihre Früchte wachsen.

Aber da gibt es seine Sache, die Sie wissen sollten, und die viele nicht akzeptieren wollen:

Sie sind nichts AUßER der Frucht.

Niemand interessiert sich für den Boden. Wer Sie „innen drin sind“ ist bedeutungslos abgesehen von dem, was es für andere Menschen produziert.

Sie haben starkes Mitgefühl für arme Menschen. Großartig. TUN Sie etwas als Ergebnis dieses Gefühls?

Wenn nicht, tun Sie Folgendes: Strecken Sie den Mittelfinger einer Hand fest aus.

Platzieren Sie den Mittelfinger nach oben zeigend auf der Sitzfläche eines Stuhls. Setzen Sie sich ohne Hose auf den Mittelfinger.

Diese armen Kinder. Sie sind in meinen Gedanken. Oh ja, das wird denen sicher sehr viel nützen.

Immer, wenn ich höre, „Ich werde für Sie beten“, denke ich, juhuu, das bringt wirklich enorm viel.

„Erkennet sie an ihren Früchten, die sie tragen. Jeder Baum, der keine guten Früchte trägt, wird gefällt und ins Feuer geworfen.“
(Jesus von Nazareth)

Schon damals haben sich nur wenig Leute über diese Botschaft gefreut.

Wahrheit 6: Alles in Ihnen wird die Verbesserung bekämpfen

Der menschliche Verstand ist ein Wunder, und zu keiner anderen Gelegenheit arbeitet er intensiver als wenn es darum geht, Verbesserungen zu vermeiden.

Sie sind ausgestattet mit mehreren Schichten von Verteidigungsmechanismen, die alles abwehren, was etwas ändern könnte. Fragen Sie jeden beliebigen Süchtigen.

Auch jetzt erfindet Ihr Verstand reflexartig Gründe, das Gelesene abzuwehren. Hier ein paar Beispiele für Standard-Strategien:

Alle Kritik als Beleidigung interpretieren

Wie, der nennt mich faul und wertlos? Ein guter Mensch würde so etwas nie sagen! Er hat das nur geschrieben, damit er sich überlegen fühlen kann! Ich denke mir jetzt meine eigene Beleidigung aus, sooo!

Auf den Botschafter konzentrieren, um die Botschaft zu vermeiden

Wer ist DER, um mir zu sagen, wie ich leben soll? So überheblich! Das ist nur ein Blogger mit wenig Lesern. Ich werde etwas recherchieren, das mir beweist, dass er dumm ist, und dass alles, was er sagt, dumm ist! Der ist so eingebildet!

Auf den Tonfall konzentrieren, um den Inhalt nicht zu hören

Ich lese hier nur, bis ich einen Witz finde, den ich aus dem Kontext reißen kann, damit er beleidigend wirkt, und mich ausschließlich darauf konzentrieren. Ein einziges Wort, das mir nicht passt, kann ein ganzes Buch unsichtbar machen!

Ihre eigene Geschichte neu schreiben

So schlecht ist das bei mir alles nicht! Letzten Monat kam ich mit Selbstmorddrohungen daher, aber jetzt geht es mir besser! Wenn ich einfach so weitermache, wird es am Ende besser werden. Ich bekomme meine große Chance. Dem schönen Mädchen tue ich weiter ein paar Gefallen, und dann wird sie zu mir kommen!

So tun, als ware jede Selbstverbesserung irgendwie ein persönlicher Ausverkauf

Jetzt soll ich all meine Manga-Comics loswerden, 6 Stunden täglich zum Fitness-Training gehen und Bräunungsspray benutzen? Denn das ist DIE EINZIGE ANDERE OPTION.

Undsoweiter.

Leiden ist tröstlich. Darum ziehen viele Menschen es vor. Glück braucht persönlichen Einsatz.

Und Mut. Solange Sie nicht erschaffen, kann auch niemand das kritisieren, was Sie erschaffen haben.

Wie viel leichter, sich zurückzulehnen und die kreativen Schöpfungen Anderer zu kritisieren. Der Film ist blöd. Diese Kinder sind verzogen. Deren Beziehung ist furchtbar.

Der reiche Typ ist oberflächlich. Dieser Autor ist ein Trottel. Ich hinterlasse einen Kommentar mit Beschimpfung. Guck mal, ich habe etwas kreiert!

Oh, warten Sie, habe ich das vergessen? Ja, was immer Sie erschaffen – ein Gedicht, eine neue Fertigkeit, eine neue Beziehung – Sie werden schnell umringt sein von Unkreativen, die es schlechtmachen. Wahrscheinlich hinter Ihrem Rücken.

Die drücken lediglich ihre eigene Angst aus. Die Arbeit anderer herunterzumachen ist eine Ausrede, nichts zu tun. Warum sollte ich etwas kreieren, wenn die Kreationen anderer Leute so schlecht sind? Ich hätte längst einen Roman geschrieben, aber ich warte noch auf gute Ideen.

Solange sie nichts erschaffen, ist alles perfekt und unkritisierbar.

Falls sie doch etwas Kreatives schaffen, dann zur Sicherheit mit distanzierender Ironie. Sie machen es absichtlich schlecht, um deutlich zu machen, dass dies nicht ihre realen Bemühungen sind. Eine REALE Kreation ihrerseits wäre außerordentlich. Nicht wie der Müll, den Sie gemacht haben.

Ein Jahresplan

Wie wäre es hiermit: Ab jetzt nehmen Sie sich ein Jahr, um etwas zu lernen oder zu erschaffen, das anderen Nutzen bringt.

Was auch immer das ist, aber machen Sie es gut genug, dass es wirklich einen Fußabdruck in der Welt hinterlässt.

Lernen Sie WingTsun oder Tanzen oder Töpfern. Lernen Sie backen, bauen Sie ein Vogelhaus, filmen Sie einen Porno. Machen Sie intelligente Videos für YouTube. Schreiben Sie für einen einflussreichen Blog.

Entscheidend ist, setzen Sie sich hiermit kein Ziel für sich selbst ( Freundin/Freund finden, viel Geld verdienen…) sondern konzentrieren Sie sich auf eine Fähigkeit, die Sie wertvoll FÜR ANDERE macht, wenn auch nur ein bisschen. Den nächsten Level eines Online-Spiels zu meistern gehört möglicherweise nicht dazu. Oder doch, wer weiß.

„Ich habe kein Geld für einen Kochkurs!“ Dann googeln Sie “Kochen lernen”. So finden Sie Rezepte und Anweisungen sowie Kochvideos.

Werden Sie es tun? Die meisten Leute labern und tun nichts. Und lesen dann, dass die Welt miserabel ist wegen der Freimaurer und Illuminaten.

Wenn Sie etwas tun, steigen Ihre Chancen.

Viel Erfolg!

Bild: Jacopo Vignali, ca. 1650; Quelle: wikimedia commons

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