Was Sie reden ist fast egal: Der Einfluss von Stimme und Körpersprache

Wie Sie Körpersprache für das Vorstellungsgespräch optimieren

Körpersprache ist wichtiger als Wortsprache

nach Ideen von Julie Lerner von EatDrinkJobs

Wir glauben oft, es sei so wichtig, was wir sagen.

Nach diversen Studien wird unsere Kommunikation durch die Worte beeinflusst, die wir sagen – zu ca. 7%.

Deutlich stärkere Wirkung haben Klang und Variationen unserer Stimme – mit ca. 13%.

Die stärkste Wirkung aber hat unsere Körpersprache mit ca. 80%.

Ob wir dominant sind oder unterwürfig, ob wir uns sicher fühlen oder unsicher, einladend oder zurückgezogen, ob und wie wir auf Fragen reagieren.

Körpersprache kann unser Gegenüber für oder gegen uns einnehmen und kann uns selbstsicher oder unsicher aussehen lassen.

Wie Sie sich körperlich präsentieren, sendet eine starke Botschaft an den Empfänger. Die Botschaft vermittelt innere Sicherheit oder Unsicherheit, Entspanntheit oder Anspannung, ein tatenfreudiges oder zögerndes Wesen, usw.

Wir unterschätzen oft die Wirksamkeit dieser Signale. Tatsächlich sind viele Gesten, die wir für rein menschlich halten, bereits im Tierreich genetisch verankert. Eine schöne Dokumentation darüber finden Sie auf youtube unter dem Titel „Going Ape“. Die Doku ist auf Englisch, aber das sollten Sie in der modernen Arbeitswelt sowieso können. Wenn nicht, lernen Sie es.

Je nachdem, welche persönlichen Merkmale für die jeweilige Position wichtig sind, wird Ihr Gegenüber auf manche Signale mehr achten, auf andere weniger.

Im Rechnungswesen brauchen Sie naturgemäß nicht das Maß an Offenheit und Charme wie ein Verkäufer oder ein guter Kellner, aber eine gewisse Stabilität und ein Mindestmaß an innerer Sicherheit sollten vorhanden sein.

Manche Coaches und Trainer kommen jetzt auf die Idee, Ihnen beizubringen, wie Sie kompetente, selbstsichere Körpersprache imitieren können.

Dies geht oft nach hinten los. Ein wunderschönes Beispiel finden Sie in dem Film „Get Shorty“, wo Gene Hackman als abgehalfterter Filmregisseur versucht, die Körpersprache des coolen, starken Chili Palmer (John Travolta) zu imitieren, um einen Mafiaboss (Dennis Farina) einzuschüchtern. Das funktioniert überhaupt nicht, und er wird vom Mafiaboss übelstens malträtiert.

Ein kompetenter Personaler wird auch durchschauen, wenn Ihre Körpersprache aufgesetzt, unecht oder bemüht ist. Er wird tendenziell erkennen, ob Sie die Persönlichkeit, die Sie vorspiegeln wollen, auch wirklich besitzen.

Und wenn das nicht der Fall ist, wird er dies bemerken. Er wird Sie wahrscheinlich nicht auf den Boden werfen und in die Rippen treten wie jener Mafiaboss, aber die Chancen auf eine Einstellung sinken mit Sicherheit.

Zum Teil können wir durch das Einüben von bestimmten Körperhaltungen und Posen unsere innere Psychologie beeinflussen und einige Aspekte unserer Persönlichkeit verstärken – innerhalb gewisser Grenzen. Einen schönen Vortrag dazu finden Sie bei Amy Cuddy auf youtube. Der Vortrag ist auch auf Englisch.

Auch wenn Sie keine Seminare besuchen wollen, gibt es ein paar Grundsätze, die Sie beachten sollten.

Nicht versuchen, zu fälschen

Wie oben erwähnt, kompetente Gesprächspartner sind darauf geschult, Körpersprache als Lügendetektor zu benutzen.

Besser ist es, so entspannt zu sein wie möglich und mit Ihrem Körper in Kontakt zu sein, so gut es geht.

Achten Sie so gut Sie können darauf, im Vorstellungsgespräch nicht zu zappeln, nicht krumm zu sitzen und nicht mit einem Schreiber herumzufummeln.

Wenn Sie es nicht sowieso tun, machen Sie ein paar Tage vor dem Vorstellungstermin jeden Abend ein paar Minuten Yoga.

Langsamer!

Manche Berater meinen, langsameres Sprechen ist eine gute Idee. Ich weiß, dass es für mich keine gute Idee ist (sonst brauche ich 10 Minuten für jeden Satz), aber für einige Leute ist es das wahrscheinlich.

Was aber eine sehr starke Wirkung hat, ist wenn Sie sich langsamer bewegen.

Nehmen Sie sich einmal auf Video auf, wenn Sie können, mit Ihrer normalen Bewegungsgeschwindigkeit und einer langsameren. In den meisten Fällen werden Sie geradezu einen James-Bond-Effekt feststellen – wie viel kompetenter und sicherer Sie wirken mit langsameren Bewegungen.

Kurze Anmerkung: Das Ziel ist, entspannt-langsam zu sein. Manchmal bewegen sich Menschen verspannt-langsam, insbesondere wenn sie passiv-aggressiv sind. Das wird von vielen als entnervend und unangenehm wahrgenommen.

Lernen Sie gute Körpersprache

In der Vorbereitung ist es sinnvoller, sich auf das zu konzentrieren, was Sie tun sollten, weniger auf das, was Sie nicht tun sollten. Niemand ist perfekt.

Falls Sie während des Vorstellungsgespräches einmal in eine unvorteilhafte Körperhaltung verfallen, nehmen Sie das wahr, ohne sich zu verurteilen oder sich ablenken zu lassen. Nehmen Sie einfach wieder eine vorteilhafte Position ein. Schließlich sollen Sie ja auch nicht bewegungslos dasitzen.

Hier ein paar Punkte, die Sie vor dem Vorstellungstermin mit Freunden üben können:

  1. Augenkontakt: Halten Sie oft Augenkontakt, aber erlauben Sie Unterbrechungen. Wenn Sie wahrnehmen können, wie viel Augenkontakt für Ihr Gegenüber angenehm ist, geben Sie ca. 5% mehr. Das demonstriert Sicherheit. Wenn Sie aber absichtlich zu viel Sicherheit demonstrieren wollen, kann dies instinktiv als Angriff und somit wieder als Zeichen von Unsicherheit interpretiert werden.
  2. Körperhaltung: Sitzen Sie gerade, aber entspannt, lassen Sie Ihre Schultern so fallen, wie sie natürlich fallen. Der Rücken sollte gerade sein, aber nicht im Hohlkreuz.
  3. Zuwendung: Sitzen Sie so, dass Sie Ihrem Gegenüber zugewandt sind. Andere Positionen können als Flucht oder Vermeidung interpretiert werden.
  4. Lehnen: Lehnen Sie sich nicht in Angriffsmanier in den Raum Ihres Gesprächspartners. Lehnen Sie sich nach vorne und zurück, wie es angemessen erscheint.
  5. Hände und Füße: Finden Sie eine bequeme Position für den Anfang, die zeigt, dass Sie engagiert sind, aber nicht angriffslustig. Je entspannter, desto besser. Ihre Füße sollten, wenn möglich, flach auf dem Boden stehen.

Die Hände sollten ruhig bleiben, außer wenn Sie sprechen.

Sofern Sie mehrere Gegenüber haben, variieren Sie Ihre Positionen sinnvoll.

Was sollten Sie am Tage des Vorstellungsgespräches tun?

Körpersprache ist unter anderem ein Ergebnis Ihres Energieniveaus. Hormone wie Adrenalin, Testosteron und Cortison spielen wesentliche Rollen.

Wie schon weiter oben vorgeschlagen, wenn Sie so etwas in Ihrem Leben haben wie Yoga, Meditation oder Kampfkunst, macht es Sinn, diese zur Vorbereitung zu nutzen, allerdings nicht übertrieben.

Bleiben Sie in Ihrem Stuhl, nicht in Gedanken.

Erinnern Sie sich selbst daran,ein Vorstellungsgespräch ist eine Unterhaltung, und Sie haben bereits tausende von Unterhaltungen in Ihrem Leben gehabt.

Wenn Sie übertrieben und angespannt auf den Erfolg fixiert sind, werden Sie wahrscheinlich keine gute Beziehung zu Ihrem Gegenüber aufbauen und wahrscheinlich keine positive Körpersprache zeigen.

Achten Sie so entspannt wie Sie können auf Körperhaltung und Augenkontakt. Bleiben Sie im Kontakt mit Ihrem Körper so gut es geht.

Wahre Größe zeigt sich darin, wie Sie mit großen, kleinen und sehr kleinen Fehlschlägen umgehen. Entgleist Ihnen also Ihre Körpersprache, kehren Sie einfach zu Ihrer inneren Stabilität zurück.

Nachtrag am 30.11.2016

Eine differenzierte Auseinandersetzung, die auch die Faktoren anders gewichtet als in diesem Artikel, findet sich auf dem Blog von Peter Claus Lamprecht.

Viel Erfolg!

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4 Kommentare

  1. Der ist gut! Gute Tips und teilweise witzig! Ich hatte auch mal gelernt, dass Körpersprache wichtig ist, hatte aber vergessen, wie hoch der Anteil ist.

    • Vielen Dank! Ja, in der Tat ist Körpersprache wichtig. Nur, etwas vortäuschen geht nach hinten los. Also lieber die einfachen Hinweise beachten und nicht übertreiben.

    • Ja, manche behaupten das. Ich bin auch nicht sicher bei der prozentualen Gewichtung, und es spielen auch noch viele andere Faktoren hinein in die eigene Wirkung auf andere.

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