Linux Office: Meine Anforderungen

In dieser Artikelserie beschreibe ich meinen langwierigen Versuch, von Windows auf Linux umzusteigen. Ich poste darüber immer dann, wenn mir gerade etwas einfällt oder wenn es Fortschritte oder Rückschläge gibt.

Nach meinem letzten Artikel zum Thema kam natürlich die Frage auf: Was sind überhaupt meine Anforderungen an ein Linux-System?

Ich unterteile meine Anforderungen in MUST und nice-to-have.

Zwingende Anforderungen

Was ich unumgänglich brauche, sind folgende Anwendungen:

  1. Textverarbeitung mit und ohne Formatierung
  2. Tabellenkalkulation mit Pivot-Funktionen und Matrix-Befehlen
  3. Präsentationsprogramm mit Exportmöglichkeiten in verschiedene Bildformate
  4. Datenbank-Anwendung
  5. Buchhaltung im Hause (nicht über Internet)
  6. Lohnabrechnung im Hause (nicht über Internet)
  7. Internet-Browser
  8. E-Mail-Client
  9. PDF Reader
  10. Mind Map Software

MUSTS 1 bis 4: Office-Paket

Die ersten vier Lösungen finde ich in Open Office bzw. Libre Office.

Im Gegensatz zu gnumeric kann Calc auch Pivot-Tabellen, die in meiner Arbeit als Controller unverzichtbar sind.

Was halt nicht funktioniert, ist VBA (Visual Basic).

Die Präsentationen in Impress finde ich ein kleines bisschen weniger hübsch als in MS PowerPoint, aber hübsch genug.

Die Datenbank-Anwendung fand ich bei meinen letzten Versuchen (um 2010 herum) ein klein wenig schwerfälliger als MS Access, aber ausreichend. Seitdem habe ich mich nicht mehr damit beschäftigt (Stand: Februar 2017).

Zumal sich im Linux-Umfeld große Mengen an Entwicklern tummeln, sollte es kein Problem sein, ein paar weitere funktionsfähige Datenbank-Anwendungen aufzutreiben. Werde ich mich später auch mit beschäftigen.

Der PDF-Export war in den Open Source Office-Paketen integriert, bevor er bei MS Office dazukam. Das fand ich für einige Gelegenheiten sehr bequem. Mein e-book über das Verkaufen als Selbständiger habe ich deshalb schon 2009 mit Open Office geschrieben (unter Windows).

MUST 5: Buchhaltung im Hause

Wenn ich nicht auf Online-Services wie Collmex zurückgreifen will, brauche ich eine Lösung vor Ort.

Lexware läuft nicht auf Linux, DATEV auch nicht.

Es gibt ein paar ERP-Lösungen, die Buchhaltung beinhalten, die aber für unsere Zwecke stark überdimensioniert sind. Außerdem muss man diese selbst konfigurieren und an das eigene nationale Recht anpassen. Wenn ich dies inzwischen (Februar 2017) auch kann, in 2010 konnte ich so etwas noch nicht.

Natürlich kann man sich eine Datenbank-Anwendung für die Buchhaltung selbst schreiben. Wenn man es kann. Manche Unternehmen haben dies getan. Ich kann es derzeit nicht.

Ein geschätzter Kollege von mir stieß dann auf HaBu, welches auf Win, Mac und Linux läuft. Es wurde entwickelt von einem sympathischen Ehepaar in Hessen, er Entwickler, sie Buchhalterin.

Ich habe im Jahre 2014 ein Vergleichsvideo von Lexware und HaBu produziert, habe mich da aber in mindestens 2 Punkten geirrt: Eine Bilanz ist sehr wohl voreingestellt und ein Kassenbuch mit dem Buchungsschema Einnahmen/Ausgaben gibt es auch. Ich hatte nur nicht genau genug recherchiert.

Insofern ist HaBu mindestens genau so gut wie Lexware, was die Buchhaltung und Fakturierung angeht.

Ich habe die unter Windows abgespeicherte Buchhaltung im Januar 2017 buchstäblich innerhalb von Sekunden in die Linux-Version eingelesen.

MUST 6: Lohnabrechnung im Hause

Hier habe ich besonders lange gesucht.

Schließlich fand ich jlohn von Klaus Gotthardt.

Es ist ein nettes kleines Programm, das ich für die Abrechnung von bis zu 5 Mitarbeitern empfehle. Bei mehr Mitarbeitern könnte es etwas unübersichtlich werden; technisch sind auch 10 kein Problem.

Der Aufruf in Linux erfolgt nicht über ein Start-Icon, sondern über einen Terminal-Befehl, aber damit kann ich gut leben.

Das Programm läuft schnell, schneller als jedes andere, das ich je auf einer graphischen Oberfläche benutzt habe. Nur ganz olle MS-DOS-Anwendungen liefen zum Teil schneller.

Bei der Eingabe der Abrechnungsdaten muss man etwas aufpassen.

Aus jlohn heraus kann man Lohnsteuer-Anmeldungen versenden, aber keine Beitragsnachweise an Krankenkassen. Die Beitragsnachweise versenden wir über svnet. Hierfür gibt es wiederum für Linux keinen Client; man muss also über das svnet-Portal versenden. Der Arbeitsaufwand ist aber gleich.

Auch bei jlohn funktionierte die Verschiebung des Abrechnungsbestandes von Windows nach Linux innerhalb von Sekunden.

MUST 7-8: Internet und E-Mail

Hier bietet Mozilla den Firefox und den Thunderbird.

Dies sind wohl auf allen Plattformen bisher (Februar 2017) die besten Lösungen für Internet und E-Mail.

Offenbar kann ich zwischen den beiden auch Profil-Daten von Windows auf Linux verschieben.

MUST 9: PDF Reader

Für Linux scheint es eine ganze Reihe von PDF-Readern zu geben.

Hiermit werde ich mich noch auseinandersetzen.

MUST 10: Mind Map Software

Bei Mind Maps handelt es sich um nicht allzu komplexe Anforderungen. Auf Windows nutze ich derzeit Freeplane, weil FreeMind aus irgendwelchen Gründen nicht mehr wollte.

Für Linux sollten sich da Lösungen finden lassen.

Was wäre dazu noch nett?

Mit den obigen Funktionen wäre mein alltäglicher Office-Bedarf abgedeckt.

Unser Unternehmen benötigt keine Warenwirtschaft; eine einfache Fakturierung genügt.

Da ich ab und zu Podcasts erstelle, wäre natürlich ein Screen-Recorder hilfreich, ein Audio-Recorder, ein Screenshot-Werkzeug und ein Videoschnitt-Programm.

NICE 1: Screen-Recorder

Mit 2 Werkzeugen unter Ubuntu, ausprobiert um 2012 herum, hatte ich nur reihenweise Probleme.

Unter Linux Mint scheint Kazam eine solide Lösung zu sein, die ich bald ausgiebig testen werde.

Kazam kann offensichtlich auch Screenshots.

NICE 2: Audio-Recorder

Audacity ist auch für Linux verfügbar.

Werde ich auch mal testen.

NICE 3: Videoschnitt

Hier wurden mir mehrere Lösungen vorgeschlagen, darunter cinelerra und kdenlive.

Ich werde es im 1. Quartal 2017 erstmal mit kdenlive versuchen.

State of Affairs im Linux Office

Am 24.02.2017 ist der Stand, dass ich zumindest für die Must-Haves theoretisch so gut wie alle Lösungen beisammen habe.

Wenn sie denn alle miteinander friedlich und stabil laufen.

Meine ausgewählte Linux-Distribution ist Linux Mint 18.1 LTS xfce.

Im Laufe des Jahres 2017 werde ich parallel Windows und Linux nutzen (wenn nicht wieder arbeitsintensive Projekte dazwischen kommen, dann bleibt’s zwangsläufig erstmal bei Windows) und schauen, ob die MUST-Lösungen dauerhaft funktionieren.

Dann versuche ich vielleicht mal einen Podcast auf Linux.

Bild: Zusammengesetzt aus Vektorgrafiken von k-images und FreeCliparts

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1 Kommentar

  1. Windows habe nur noch zwecks Buchhaltung, will mich aber in „LinHaBu“ einarbeiten. Jetzt habe ich mir doch noch ein Trekstor W1 Tablet für mobiles Arbeiten in der Absicht gekauft Linux draufzubauen. Das geht leider nur mit sehr vielen Verrenkungen. Und jetzt ärgere ich mich seit Tagen damit einen primitiven alten Canon BJ-30 unter Win10 anzusteuern. Wieder ´was gelernt. 150,- für Beschäftigungstherapie ausgegeben.
    Ein altes Acer Aspire One Notebook mit Xubuntu erledigt die Aufgabe bravourös, ist halt nicht „detacheable“.

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