Erzählen Sie mal von sich – aber was ?

Nach Ideen von Eric Episcopo von resumegenius.com

Was antworte ich auf die Frage „Erzählen Sie etwas von sich selbst“ ?

Waren Sie jemals zu einem Vorstellungsgespräch im Rechnungswesen? Dann kam garantiert irgendwann die Frage „Erzählen Sie mir etwas von sich selbst.“

Diese Frage wird so häufig gestellt, dass Mancher sie bei der Vorbereitung auf das Gespräch vergisst. Es ist aber möglicherweise die wichtigste Frage, die stark darauf abfärbt, wie der Interviewer Ihre anderen Antworten einschätzt und interpretiert.

Wie Sie auf diese Frage antworten, wird ein sehr großes Gewicht haben bei der Entscheidung, ob Sie den Job kriegen oder nicht.

Machen Sie sich nicht zu viele Sorgen – der Interviewer ist auf Ihrer Seite und will Sie einstellen. Mehr als alles andere hofft er, dass Sie den Test gut bestehen, damit er endlich aufhören kann, stundenlang Lebensläufe zu wälzen und Kandidaten zu interviewen.

Wenn Sie diesen Teil des Interviews gut meistern, erhöhen Sie Ihre Chancen auf das Zehnfache.

Achten Sie bei Ihrer Erzählung vor allem hierauf:

  1. Erzählen Sie nicht Ihre Lebensgeschichte
  2. Geben Sie relevante Informationen

Bewerber, die nicht gut vorbereitet sind, greifen häufig darauf zurück, die Geschichte ihres Lebens zu erzählen.

Der Interviewer will aber keine einstündige Geschichte Ihres Lebens. Er interessiert sich auch nur am Rande für Ihre Haustiere oder Ihre Lieblingsfilme.

Damit Sie auf eine Weise erzählen können, die für Sie vorteilhaft ist, sollte Ihre Antwort sich auf fünf Kategorien beziehen:

  1. Kürzliche berufliche Erfolge
  2. Erfolge in Ihrer Ausbildung
  3. Anwendbare Fertigkeiten
  4. Berufliche Ziele
  5. Warum Sie sich für gerade dieses Unternehmen interessieren

Wenn nicht unbedingt nötig, bleiben Sie nicht länger als seine halbe Minute bei jeder Kategorie. Das gibt Ihnen zweieinhalb Minuten für eine solide Selbstpräsentation.
Versuchen Sie, zwischen 2 und 3 Minuten zu bleiben.

Nehmen wir uns nun jede Kategorie einzeln vor.

Kategorie 1: Kürzliche berufliche Erfolge

NICHT tun:

  • Ihren Lebenslauf herunterbeten
  • Über Ihre Erfahrungen schwafeln
  • Erfolge beschreiben, welche für die ausgeschriebene Position irrelevant sind

Ausschweifendes Geschwafel zeigt dem Interviewer, dass Sie unvorbereitet sind und nicht produktiv mit einer unerwarteten Situation umgehen können. Eine allzu lange Antwort wird oft als Mangel an Selbstvertrauen interpretiert und kann Ihre Chancen auf die Position stark reduzieren.

Stattdessen:

  • Vor dem Interview: Rekapitulieren Sie 3-5 berufliche Erfolge und formulieren Sie diese aus
  • Erwähnen Sie Erfolge, die zu der ausgeschriebenen Position passen
  • Üben, üben, üben

Der sicherste Weg, souverän im Interview zu wirken, ist, Ihre Antworten vor einem Spiegel zu üben. Planen Sie Ihre Antwort und wählen Sie wichtige Punkte aus, über die Sie berichten wollen.
Planen Sie Ihre Antwort nicht Wort für Wort. Üben Sie mehrere Variationen von Antworten und üben Sie, bis Sie improvisieren können.

Kategorie 2: Erfolge in Ihrer Ausbildung

NICHT tun:

  • Zu tief ins Detail gehen, als wären Sie bereits ein erfahrener Profi (wenn Sie es nicht sind)
  • Ausschweifend über Ihre Doktorarbeit schwadronieren
  • Alle Kurse aufzählen, die Sie je belegt haben

Wenn Sie bereits viel praktische Erfahrung haben, scheuen Sie sich nicht, den Abschnitt über Ihre Ausbildung kürzer zu halten. Ihr künftiger Vorgesetzter will nicht alle Kurse wissen, die Sie je an der Volkshochschule belegt haben. Wichtiger ist, auf welche Art und Weise Sie Ihr Wissen praktisch angewendet haben.

Stattdessen:

  • Erklären Sie, auf welche Weise Sie Ihr erworbenes Wissen und Können auf die ausgeschriebene Position anwenden können
  • Erwähnen Sie Aktivitäten, in welchen Sie Führungsfähigkeiten erworben haben (auch außerberufliche)
  • Berichten Sie etwas ausführlicher über größere Projekte, in denen Sie gearbeitet haben

Wenn Sie davon erzählen, wie Sie geführt haben, auch außerhalb des Berufes, können Sie kleine Hinweise auf Hobbies und persönliche Interessen einstreuen. Das sollten Sie keinesfalls übertreiben, aber eine Prise aus Ihrem privaten Leben kann dafür sorgen, dass Sie individueller in Erinnerung bleiben. Eventuell fragt der Interviewer auch interessiert nach, und das Gespräch wird einfacher und leichter, weniger formell.

Kategorie 3: Anwendbare Fertigkeiten

NICHT tun:

  • Einfach Fähigkeiten auflisten, die Sie besitzen
  • Über Fähigkeiten sprechen, die mit der ausgeschriebenen Position nichts zu tun haben
  • Wissen und Kenntnisse vorspiegeln, die Sie nicht besitzen

Viele Bewerber übertreiben ihre Fähigkeiten oder lügen ganz schlicht. Das ist ein großer Fehler. Ihr Arbeitgeber WIRD es herausfinden, falls Sie gelogen haben, und ab dann geht es schnell bergab.

Stattdessen:

  • Bereiten Sie Beschreibungen für 2-4 Fertigkeiten vor
  • Berichten Sie über Fertigkeiten, die für die betreffende Position relevant sind
  • Erklären Sie, wie Sie diese in Ihrer Arbeit anwenden werden

Es ist auch hilfreich, wenn Sie erläutern, wie Sie Ihre Fähigkeiten erworben haben, statt sie nur aufzuzählen.

Kategorie 4: Berufliche Ziele

NICHT tun:

  • Ihre persönlichen Ziele diskutieren
  • Den Eindruck vermitteln, dass Sie keine oder nur vage Karrierevorstellungen haben
  • Ziele erwähnen, die Sie in dem betreffenden Unternehmen nicht erreichen können

Bleiben Sie auf jeden Fall bei beruflichen Zielen und sprechen Sie nicht über persönliche Lebensziele (außer, Sie werden gezielt danach gefragt).

Stattdessen:

  • Erwähnen Sie Ziele, die zum betreffenden Unternehmen passen
  • Beschreiben Sie Ziele, die zeigen, dass Sie nach vorne denken
  • Zeigen Sie, dass Sie eine solide Karriere aufbauen wollen

Arbeitgeber suchen, jedenfalls im Rechnungswesen, Mitarbeiter, die eine langfristige, solide Karriere aufbauen wollen. Hier wird es weniger geschätzt, wenn Sie Ihre Ziele permanent verändern oder keine klare Richtung zeigen.

Und, ja, es gibt auch Jobs, wo Richtungslosigkeit egal oder sogar gewollt ist. Im Rechnungswesen wird dies aber wohl die Ausnahme bleiben.

Kategorie 5: Ihr Interessen am Unternehmen

NICHT tun:

  • Über die Bezahlung sprechen
  • Einfach sagen „Ich will einen Job“
  • Logistische Präferenzen, z.B. „Ihr Unternehmen ist so schön nah an meiner Wohnung.“

Wenn das Unternehmen Sie einstellt, dann deshalb, weil Sie die Arbeit dort unterstützen sollen. Nicht, weil das Unternehmen Ihnen gerne Geld gibt oder sich freut, wenn Sie einen kurzen Weg zur Arbeit haben.

Stattdessen:

  • Legen Sie dar, wie das Unternehmen Ihnen helfen kann, Ihre Ziele zu erreichen
  • Loben Sie die gesunde Arbeitsatmosphäre (wenn es eine solche gibt und wenn Sie glaubwürdig machen können, woher Sie das wissen)
  • Lassen Sie durchblicken, dass Sie sich langfristig in dem Unternehmen sehen können

Wenn Sie diese Regeln befolgen, wird die Frage nach dem „Erzählen von sich selbst“ sehr viel einfacher zu beantworten. Eine solide Antwort wird den Arbeitgeber beeindrucken und das Vorstellungsgespräch wird insgesamt gut laufen.

VIEL ERFOLG!

Bild: geralt

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