Eine bittere Wahrheit über Leistungsfähigkeit: Der emotionale Faktor Angst

Der emotionale Faktor, insbesondere Angst, macht viel mehr aus, als vielen klar ist

Heute scheint ein relativ normaler Unterrichtstag zu sein. Ich bin zwar etwas erkältet und matschig, aber wir machen Wiederholung für die Prüfung in den Grundlagen der Buchhaltung, und alle arbeiten gut mit.

Die Dame, die vor mir sitzt, freut sich, dass sie heute viel besser mitkommt als sonst.

Irgendwann blicke ich auf und sehe sie nicht mehr. Dann höre ich plötzlich ihre Stimme, scheinbar aus dem Nichts. Ich schaue umher, finde sie aber nicht. Dann fragt sie nach einem Blutdruckmesser. Sie liegt in der hintersten Reihe auf dem Boden, schwitzt und ihre Augenlider flackern.

Eine Teilnehmerin kümmert sich, während ich zum Empfang renne und einen Notarzt rufen lasse.

Während wir warten, frage ich sie, ob sie das schon einmal hatte und was sie meint, was denn los ist. Sie antwortet mit Tränen in den Augen, dass sie Angst vor der Prüfung hätte und glaubt, das Institut würde sie am Montag bereits nachhause schicken, weil sie zu schlecht sei. Ich sage ihr, das wird ganz bestimmt nicht passieren. Die andere Teilnehmerin sagt ihr dies auch.

Sie wird ins Krankenhaus gefahren, kommt am nächsten Tag aber wieder und besteht die Prüfung mit 64%. Das ist für meine Kurse ein niedriges Ergebnis, aber sicherlich weit entfernt von einer Ausschulung.

Sehr viele Menschen sind schlicht durch Angst blockiert. Angst ist das größte Lernhemmnis überhaupt, worüber aber nicht viel geredet wird. Angst behindert das Aufnehmen und das Erinnern von Informationen.

Dummheit gibt es so gut wie nicht. In den allermeisten Fällen ist langsames Lernen eine Folge von Angst.

Ich versuche dem zu begegnen durch kooperativen, konstruktiven Unterricht und aktive Unterstützungsangebote, aber auch das deckt nicht alles ab. Manche Ängste kann ich anderen nehmen, manche nicht.

Ich habe mich selbst lange dafür interessiert, was Angst ist, wo sie herkommt, und wie sich erworbene, neurotische Ängste, die (entgegen esoterischer Legenden) keinen Nutzen haben, unterscheiden von angeborenen, natürlichen Ängsten.

Bisher bin ich aber auf nichts Brauchbares gestoßen, nur etwas akademisches Gelaber, das ein paar virtuelle Teetassen von links nach rechts räumt und wieder zurück. Bestenfalls hier und da eine Beschreibung verschiedener Kategorien von Angst, aber keine wirklich nutzbaren Hilfen.

Ich habe an anderer Stelle versucht, meine ziemlich kläglichen Ansätze zur Angstbewältigung zu beschreiben.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (10 votes, average: 4,90 out of 5)
Loading...
Print Friendly, PDF & Email

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*