Arbeitgeber sind herzlose gierige Bonzen

Arbeitgeber sind ausschließlich darauf aus, Sie auszutricksen, auszubeuten, fertigzumachen und dann wegzuschmeißen.

Oder etwa nicht?

Und die Arbeitgeber glauben, dass all ihre Beschäftigten faule Säcke sind, die nur Geld abgreifen wollen, möglichst wenig tun und am liebsten dauernd im Urlaub sein.

Oder etwa nicht?

Was glauben Sie, wie weit Sie mit dieser Einstellung kommen?

Ein größeres Problem der Menschen ist, dass wir so gerne die „andere Seite“ beurteilen, ohne wirklich etwas über sie zu wissen.

Beide Seiten: Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Ich selbst bin ein „kleiner“ Selbständiger, habe aber schon Leute beschäftigt. Manche davon waren sehr engagiert und sehr clever. Aber bis ich die gefunden habe, habe ich eine Menge Leute kennengelernt, die nicht so performt haben, wie ich mir das vorstelle.

Kann sein, dass diese Leute lahm sind. Kann sein, dass meine Vorstellungen falsch sind. Kann sein, dass ich nicht verstanden habe, sie effektiv zu führen.

Auf der anderen Seite war ich mehrere Jahre Angestellter. Ich kenne auch das Erleben, mit hohen Anforderungen konfrontiert zu sein, die nicht immer realistisch sind und die ich oft nicht einmal verstehe. Anforderungen ändern sich auch häufig. Ja, welche Kriterien werden denn dieses Jahr angelegt? Die gleichen wie letztes Jahr?

Kann sein, dass die Führungskräfte Irre sind. Kann sein, dass ich sie nur nicht verstehe. Kann sein, dass sie auch nicht wissen, wie sie es machen sollen.

Eine Lektion aus erster Hand

Ein Grund, warum das niederländische Justizsystem im Vergleich so liberal, und nach Urteil Mancher so „lasch“ daherkommt ist, dass ein Großteil der niederländischen Richter und Staatsanwälte seinerzeit von den Nazis inhaftiert war. Diese Leute wussten also, was Gefangenschaft bedeutet.

Sie haben daher beschlossen, Gefangenschaft eher niedrig zu dosieren und das System so umzubauen, dass die Menschen darin tendenziell halbwegs vernünftig behandelt werden, so weit dies in einem System möglich ist, das auf Prinzipien von Bestrafung basiert.

Die Herrscher dienen erstmal

Ob Imperien und Kolonialismus an sich gute Ideen sind, diese Diskussion überlasse ich anderen Foren.

Wenn Kolonialherrscher international verglichen werden, sind die Briten im Vergleich sicherlich in den meisten Fällen die Gewinner bei der Beliebtheit.

Dies mag unter anderem daran liegen, dass es britische Tradition ist, viele Mitglieder der „herrschenden Klasse“ in Internate zu stecken, in denen sie für eine Weile zu Dienern degradiert werden, kochen, kellnern, abwaschen, sauber machen und sagen „Jawohl, Sir!“

Die Herrscher kennen also das Beherrschtwerden und sind demnach geneigt, das Herumkommandieren niedrig zu dosieren und ihre „Untergebenen“ halbwegs vernünftig zu behandeln, so weit dies in einem System möglich ist, dass auf Hierarchien basiert.

Tatsachen versus Urteile

Nach meiner Erfahrung als Angestellter und Interimsmanager in zahlreichen Unternehmen ist, dass die meisten Führungskräfte sehr menschlich sind, im mittleren Management fachlich äußerst versiert, im höheren Management taktisch und strategisch sehr klug.

Die meisten von ihnen sind in Führungspositionen, weil sie gut führen können, und das heißt auch, gut im Sinne der Geführten.

Die meisten wollen niemanden entlassen, und wenn sie es müssen, haben sie Bauchschmerzen und Schlafprobleme. Sie wollen nicht auswählen, wer entlassen wird und wer nicht.

Sie denken ausführlich darüber nach, wie sie die Zusammenarbeit insgesamt menschlicher und freundlicher gestalten können.

Sie stehen selbst unter Druck eines Systems, das nach „Leistung“ belohnt, aber diese „Leistung“ nicht ausschließlich nach Kriterien definiert, die gesund für Menschen sind.

Sie sind beeinflusst von Philosophien des „Erfolgs“ a la Tony Robbins, die zu einem großen Teil auf Illusionen und unrealistischen Annahmen basieren und z.B. den Einfluss von Historie, Kindheit und realen Gegebenheiten praktisch leugnen.

Sie sind derzeit (Stand: Januar 2014) mitgerissen von einer Abwärtsspirale, in der viele Menschen alles immer billiger wollen, was zu niedrigeren Löhnen zwingt (um die niedrigeren Preise gewähren zu können), was zu niedrigeren Preisen zwingt (weil die Lohnempfänger kein Geld für teure Produkte mehr haben), was zu niedrigeren Löhnen zwingt, usw.

Ja, und es gibt einige wenige, die nie an der Basis waren und Vorstellungen haben, die überhaupt nichts mehr vom realen Leben mitbekommen – weil sie zu lange „oben“ waren, weil sie niemals „unten“ waren, und aus ähnlichen Gründen.

Diese sind nach meiner Beobachtung die absolute Ausnahme. Aber das Bedürfnis der Menschen und gewisser BILDender Presseerzeugnisse nach reißerischen Urteilen und heftigen Emotionen ohne reale Grundlage stellt diese Ausnahmen oft als Regelfall dar. Sind sie aber nicht.

Beidseitigkeit

Es gibt viele Beispiele für diejenigen, die erst an der Basis lernen und dann in Führungsrollen gelangen.

Andersherum gibt es aber nur wenige Beispiele von denen, die an der Basis arbeiten und die Seite der Führung kennen.

In der Schule leitete ich eine Theatergruppe. Zugegeben kann ich ungeduldig und herrisch sein. Die meiste Zeit bescheinige ich mir selbst ein solides Urteilsvermögen und halbwegs vernünftiges Handeln, so weit dies als Mensch möglich ist. (Ist wahrscheinlich eine Illusion.)

Wenn nun einige Schauspieler (übrigens äußerst talentierte und clevere Jungs und Mädchen) an meiner Führung herum meckerten, bot ich ihnen einfach an, selbst die Führung zu übernehmen, nur für ein paar Minuten.

Die merkten recht schnell, was es heißt, vorne zu stehen und zu führen, unbequeme Entscheidungen zu treffen und sich mit mehr oder weniger sinnigen Vorschlägen aus dem Plenum zu befassen.

Aber die meisten Menschen, die anderen folgen, verstehen nicht die Rolle oder die Situation dessen, der führt.

Wenn die Führung sagt, es sei zu wenig Geld da, glauben viele Mitarbeiter, dies sei nur eine Lüge, um sie noch mehr ausbeuten zu können. Ich habe das selbst auch lange geglaubt, bevor ich selbständig wurde.

Manchmal ist das auch so. Meistens aber nicht.

Ich kenne die Seite des Unternehmers. Ich weiß, was es heißt, mit den Margen der heutigen Zeit (Stand: Januar 2014) zu wirtschaften und mit dem derzeitigen Zahlungsverhalten von Kunden umzugehen. Das ist oft sehr eng, und es ist bis zu einem gewissen Grad ein Kampf.

Leider wird das kaum jemand glauben oder wirklich verstehen, der die Erfahrung nicht gemacht hat.

Selbst multinationale Konzerne befinden sich in hohem Maße in einer Abwärtsspirale und erhalten sich nur noch über Niedriglohnländer und Kredite.

Am Ende des Tages sind wir ALLE beteiligt am großen Unsinn in der Welt, und zum Teil liegt dies daran, dass wir über Dinge urteilen, die wir nicht verstehen, und dann auf Grund dieser Fehlurteile handeln.

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