7 Tips zum Arbeiten mit Gesetzestexten

Wie man beim Lernen von Rechnungswesen anfängt, solide mit Gesetzestexten zu arbeiten

Der Einstieg in die Gesetzestexte des Steuerrechts und des Handelsrechts gestaltet sich oft holprig und anstrengend. Wie findet man einen soliden Zugang und arbeitet souverän damit?

Tip 1: Sehr genau lesen

Um auch nur den Wortlaut eines Gesetztes zu erfassen, empfiehlt es sich, langsam, genau und mehrmals zu lesen.

Dort finden wir recht lange Sätze, die, hier eine Eigenart der deutschen Sprache, viele Worte aneinanderreihen und das entscheidende Verb ans Ende stellen. Wir finden Verneinungen, die sich erst wie Bejahungen lesen.

Gesetze haben sehr präzise, aber für den nichtjuristischen Sprachgebrauch ungewohnte Definitionen von Datumsgrenzen, an die die meisten sich erst langsam gewöhnen.

Dabei sind die Texte nur sehr präzise, z.B. die Anwendung des § 267a HGB für Kleinskapitalgesellschaften, die nach Art. 70 Abs. 1 EGHGB für Jahresabschlüsse anwendbar sind, deren Abschlussstichtag „nach dem 30. Dezember 2012“ liegt. Das heißt, auf Jahresabschlüsse mit dem Stichtag 31.12.2012 kann die Regelung angewendet werden, mithin bei den meisten deutschen Unternehmen (Wirtschaftsjahr entspricht Kalenderjahr) ab 2012.

Tip 2: Gesetze und andere Regelungen beachten

Beim HGB ist es recht übersichtlich – es gibt das HGB, das EGHGB (das man im Arbeitsalltag fast nie braucht) und die Empfehlungen des IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer). Das HGB ist für sich genommen recht klar und genügt beim Lernen in den ersten 2 Jahren für so ziemlich alle handelsrechtlichen Fragestellungen.

Die AO (Abgabenordnung) ist auch noch recht schlank.

Beim Steuerrecht aber gibt es für die meisten Steuerarten

  1. ein Gesetz (G)
  2. eine DV (Durchführungsverordnung)
  3. Richtlinien (R)
  4. Hinweise (H)

Außer bei der Umsatzsteuer, dort gibt es einen Anwendungserlass statt der Richtlinien.

So steht z.B. die Regelung über Kleinbetragsrechnungen nicht im UStG, sondern in § 33 UStDV. Benachbart sind besondere Regelungen zu Tickets für Personenbeförderung.

Während § 6b EStG die Investitionsrücklagen für bestimmte aufgedeckte stille Reserven regelt, findet sich die viel spannendere Regelung zu Rücklagen für Ersatzinvestitionen in EStR 6.6

Manche Regelungen werden auch erst mit Substanz gefüllt durch die Hinweise.

Tip 3: Recherchieren Sie umliegende und angrenzende Gesetzestexte

Fragen Sie sich: Welches weitere Gesetz liegt im Umfeld dieses Gesetzes, grenzt daran an, bezieht sich darauf?

Beispielsweise besagt § 3 Nr. 62 EStG, dass Zuschüsse zur gesetzlichen KV einkommensteuerfrei sind, sofern der Arbeitgeber zu ihnen verpflichtet ist. Aber wann ist er verpflichtet und in welcher Höhe? Dies wiederum findet sich in § 257 SGB V.

Tip 4: Lesen Sie Kommentare und recherchieren Sie Beispiele

Ich persönlich verstehe Themen am besten, wenn ich sie aus so vielen Perspektiven wir möglich betrachte und vor allem Anwendungsbeispiele studiere.

Daher empfehle ich: Finden Sie Anwendungsbeispiele, so viele Sie können, hinterfragen Sie diese und lesen Sie immer wieder die zugehörigen Gesetzestexte.

Tip 5: Wichtige Stellen markieren

Markieren Sie die wichtigsten Seiten mit Klebchen oder ähnlichem. Streichen Sie wichtige Passagen mit Textmarker an. Sie werden sehen, dass Ihnen manche Paragraphen sowieso immer wieder begegnen, besonders im 200er-Bereich des HGB und die ersten 40 des EStG.

Tip 6: Entspannt bleiben

Auf vielen Gebieten des Rechnungswesens gibt es Fachbegriffe, die Zusammenhänge komplizierter klingen lassen, als sie sind.

Wenn Sie es aber schaffen, entspannt und geduldig an das Thema heranzugehen und immer wieder die langen Sätze lesen, nehmen Sie die Inhalte bald organisch und natürlich auf.

Tip 7: Üben

Wie bei den meisten Themen kommen wir ums Üben nicht herum.
Wie unsere Trainer im WingTsun Kung Fu immer wieder sagten: „Die 3 Geheimnisse, wie man Kung Fu lernt: Üben, üben, üben.“ Und dann machten sie mit uns „leichtes Sparring“, um uns zu demonstrieren, dass weiteres Üben angebracht wäre.

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